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Link zu LerntechnikDas Aneignen von Lernstoff

 

Schriftliche Materialien im Studium

Quelle:
Kugemann, Walter, F. (o.J.). Lernen mit Texten. 7.2 Lernen durch Lesen.
WWW: http://db.odl.org/vhb-lust/ (04-02-02)
Im Durchschnitt stehen beispielsweise den deutschen Psychologiestudenten im Grundstudium seines Faches rund 1000 Stunden Lehrveranstaltungen zur Verfügung (von denen er allerdings erfahrungsgemäß im Durchschnitt höchstens zwei Drittel auch wirklich besucht). Die Literaturempfehlungen für das Vordiplom umfassen im Durchschnitt ca. 70 Titel mit rund 22.000 Seiten, was bei einer Lesegeschwindigkeit von 5 Minuten je Seite rund 1.800 Stunden Lesezeit ergäbe. Und auch eine kleine psychologische Institutsbibliothek verfügt im Bereich des Grundstudiums über rund 10.000 Bücher mit ungefähr zwei Millionen Seiten. Besucht ein Psychologe in Deutschland alle wissenschaftlichen Fachkongresse, so kann er bei großem Fleiß jährlich in etwa 150 Stunden ca. 300 Fachvorträge hören. Die Psychological Abstracts, eine Dokumentation aller Veröffentlichungen im Bereich der Psychologie, haben im Jahr 1980 insgesamt 27.000 Einzelveröffentlichungen ausgewertet.

Diese Zahlen machen beispielhaft deutlich: Wissenschaftliche Lehre und Kommunikationen erfolgen zum größten Teil mit Hilfe der Schrift. Jeder Student wird daher den überwiegenden Teil seiner Kenntnisse aus schriftlichen Quellen erwerben. War in der Schule ein Lehrbuch meist noch unterstützendes Hilfsmittel für den zentralen Unterricht durch den Lehrer, so kehren sich die Gewichte an der Hochschule mit Sicherheit um. Hier werden auch spezielle Lehrbücher im Laufe des Studiums immer stärker durch Sammelwerke und weiter durch Originalarbeiten, also Berichte über einzelne wissenschaftliche Untersuchungen, verdrängt. Außerdem ergänzen eigene schriftliche Aufzeichnungen der Lehrveranstaltungen das Spektrum.

Quelle:
Hitchhiker
Lernen im Studium
WWW:
http://third.informatik.uni-kl.de/
~hh/node7.html (99-07-07)

Siehe auch

Der Umgang mit schwierigen Texten: Ein Leitfaden

Randmarkierungen, Randkommentare, Markieren und Hervorheben

Im Großen und Ganzen läßt sich das Aneignen von Lernstoff in vier Teilgebiete aufgliedern:

Diese vier Schritte muss man nicht exakt in dieser Reihenfolge durchlaufen, es ist vielmehr eine Sache des persönlichen Geschmacks, in welcher Reihenfolge man sie angeht. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die einzelnen Schritte sich gegenseitig unterstützen. Man kommt am besten voran, wenn man die vier Schritte abwechselnd und immer wieder durchläuft.

1. Lernstoff strukturieren

In diesem Schritt solltet man die Zusammenhänge der verschiedenen Begriffe, Definitionen, Sätze, Graphiken usw. verstehen. Hier ist nicht Detailwissen wichtig, sondern welche Begriffe, Definitionen, Sätze, Graphiken etc. es gibt und wie sie untereinander in Beziehung stehen. In gut strukturierten Vorlesungen kennzeichnet der Dozent zentrale Begriffe, man mußt sie nur noch sammeln und aufschreiben. In weniger gut strukturierten Vorlesungen mußt man die zentralen Begriffe in der Mitschrift oder im Skript selbst heraussuchen und markieren. Danach dürfte es relativ leicht sein, sich ein Bild von den Zusammenhängen der einzelnen Fakten zu machen.

2. Verständnis entwickeln

In vielen Vorlesungen werden Übungsaufgaben gestellt oder Beispiele präsentiert, die sehr auf Details abzielen. Wenn man diese Aufgaben löst, dann merkt man zwar ziemlich schnell, wo die in der Vorlesung vorgestellen Algorithmen und Schemata Lücken aufweisen, aber man gerätt dadurch auch leicht in die Gefahr, daß man sich von den vorgestellen Konzepten besonders eben jene Details merkt und nicht die eigentlich wichtigen Ideen und Methoden, die dahinter stehen. Oft steht in den Übungsaufgaben das "Wie" im Vordergrund, die eigentlich wichtigen Gründe für die Wahl dieser speziellen Methode allerdings werden recht selten angesprochen, aber genau das ist meist die wesentliche Intention hinter der Vorstellung eines bestimmten Algorithmus'.

Wenn man verstanden hat, warum eine bestimmte Art der Vorgehensweise in diesem Fall besser geeignet ist als eine andere, dann kannst man später, bei ähnlich angelegten Problemen, sich immer wieder an den damaligen Lösungsansatz erinnern und die Methode für die Lösung des eigenen Problems anpassen. Hat man aber nur auf reines Wissen gelernt, das sich hier auf die bestimmte Implementierung einer Idee bezieht, so wird im Laufe des Studiums immer wieder das gleiche Problem über den Weg laufen, es fällt aber schwerer, es einzuordnen und zu bewerten.

3. Wissen aneignen

Hier ist die Fähigkeit gemeint, das Erlernte mit eigenen Worten wiedergeben zu können. Ein vertieftes Verständnis ist nicht nötig, man mußt also nicht jetzt schon implizite Fragen einer Vorlesung oder eines Textes beantworten können. Eine - allerdings oft nicht optimale - Methode zum Aneignen von Wissen ist das sture Auswendiglernen des Stoffes. Besser ist es, den Stoff erst einmal wirklich zu verstehen, und sich dann mit den Details auseinanderzusetzen. Das Aneignen des Wissens und das Verstehen des Stoffes kann man eigentlich nicht unabhängig voneinander tun. Am besten ist wohl, wenn man Wissen und Verständnis abwechselnd vertieft und verfeinert.

Memoria minuitur nisi eam exerceas.
Marcus Tullius Cicero
Aber selbst wenn man den Stoff vollständig verstanden hat, gibt es oft Dinge, die so viele Details enthalten, daß man diese einfach auswendig lernen muß. Defininitionen lassen sich zum Beispiel mit Hilfe einer Lernkartei gut lernen; man mußt dabei allerdings aufpassen, denn unter Verwendung einer solchen Lernkartei lernt man zusammenhanglos einzelne Details, die man selber immer wieder in eine Gesamtstruktur einbetten muß!

4. Anwenden

Das Thema Anwenden hängt meist ganz eng mit dem Thema Verständnis zusammen. Manchmal kann man die Anwendungsbeispiele, auch Übungsaufgaben genannt, einfach nach einem gegebenen Kochrezept rechnen, ohne verstanden zu haben, warum das Kochrezept das gewünschte Resultat liefert. Für andere Aufgaben gibt es jedoch kein Kochrezept. Das sind jene Aufgaben, die etwas mehr Probleme bereiten. Bei diesen sollte man sich hinterher überlegen, warum die Lösung eine Lösung ist, das heißt, welche der gegebenen Voraussetzungen wie in den Lösungsweg eingehen, und wie sich die Lösung verändert, wenn sich die gegebenen Voraussetzungen ändern.

Schließlich ist das Anwenden des erlangten Wissens das, was in den meisten Vordiplom- und Scheinklausuren abgefragt wird, also das, was man spätestens bis zur Prüfung wirklich lernen sollte. Im allgemeinen reicht es, wenn man alle Übungsaufgaben durchrechnest. Hast man jedoch Probleme in einem bestimmten Gebiet, so lassen sich diese Probleme mindern, indem man möglichst viele Aufgaben oder Beispiele zu diesem Themengebiet erarbeitet und dadurch in diesem Gebiet trainiert. Beispielaufgaben kannst man in den Übungsblättern der vorjährigen Vorlesung, in den in der Vorlesung angegebenen Büchern oder in alten Klausuren finden. Wichtig ist auch, daß man die eigenen Lösungen mit anderen besprichst, denn falsche Schlüsse sind schnell gezogen.

NEU: Seit Beginn 2005 steht den BesucherInnen auch ein FORUM zu Fragen des Lernens und der Lerntechnik zur Verfügung, in dem einschlägige Methoden und Probleme diskutiert werden können. Siehe dazu auch die Neuigkeiten zu den Lerntippsund die Neuigkeiten zum Thema Lernen!

Weitere Quellen

http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/LERNTECHNIKORD/ (02-11-08)



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