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Begriffsdefinitionen "Lernen"

Diese Liste von Definitionen entstammt der sehr empfehlenswerten Lernumgebung zum Thema "Lernpsychologie" von Ansgar Plassmann & Günter Schmitt).
Die Quellen finden sich unter http://www.edit.uni-essen.de/lp/

Etymologisch ist das Wort "lernen" mit "lehren" und "List" verwandt und gehört zur Wortgruppe von "leisten", das ursprünglich "einer Spur nachgehen, nachspüren" bedeutet. "Das Wort "Lernen" geht auf die gotische Bezeichnung für "ich weiß" (lais) und das indogermanische Wort für "gehen" (lis) zurück (Wasserzieher, 1974). Im Gotischen heißt "lais"genau übersetzt "ich habe nachgespürt" und "laists"steht für "Spur".. Die Herkunft des Wortes deutet darauf hin, dass Lernen ein Prozess ist, bei dem man einen Weg zurücklegt und dabei zu Wissen gelangt." Mielke (2001, 11)

Lernen: "das Aneignen von Wissen und Kenntnissen bzw. das Einprägen in das Gedächtnis. Das L. beinhaltet v. a. auch den Vorgang, im Laufe der Zeit durch Erfahrungen, Einsichten o. Ä. zu Einstellungen und Verhaltensweisen zu gelangen, die von Bewusstsein und Bewusstheit bestimmt sind." LexiROM (1999)

Lernen: "durch Erfahrung entstandene Verhaltensänderungen und -möglichkeiten, die Organismen befähigen, aufgrund früherer und weiterer Erfahrungen situationsangemessen zu reagieren. [...] Menschl. L. ist eine überwiegend einsichtige, aktive, sozial vermittelte Aneignung von Kenntnissen." Meyers Lexikonverlag (1997, 529)

"Der Vorgang des Lernens ist vielmehr grundlegend für jede Art von aktueller Anpassung, die sich als Resultat von Erfahrungen bildet." Krech & Crutchfield (1992, Band 3, S. 7)

Nach Zimbardo kann man "Lernen als einen Prozeß definieren, der zu relativ stabilen Veränderungen im verhalten oder im Verhaltenspotential führt und auf Erfahrung aufbaut." Zimbardo (1992, 227)

"Lernen ist der Prozeß, der zu einer relativ stabilen Veränderung von Reiz-Reaktions-Beziehungen führt; er ist eine Folge der Interaktion des Organismus mit seiner Umgebung mittels seiner Sinnesorgane." Zimbardo & Gerrig (1999, 229)

"Lernen läßt sich an den Verbesserungen der Leistungen ablesen." Zimbardo (1992, 227)

"Unter Lernen versteht man die hypothetischen Prozesse, die den Verhaltensänderungen durch Erfahrung entsprechen." Langfeldt (1996, 102)

"Lernen ist das Aufnehmen, Verarbeiten und Umsetzen von Informationen. Lernen ist ein lebenslanger Prozeß." Schilling (1997, 159)

"Unter Lernen verstehen wir den Erwerb, die Veränderung oder den Abbau von Erlebens- und Verhaltensweisen durch bestimmte Umwelterfahrungen." Schmitt (1999 a, 1)

"Lernen umfaßt alle Verhaltensänderungen, die aufgrund von Erfahrungen zustandekommen. Solche Änderungen schließen nicht nur die Aneignung neuer Informationen ein, sondern auch die Veränderungen des Verhaltens, deren Ursachen unbekannt sind. Andererseits sind in dieser Definition Veränderungen ausgeschlossen, die aufgrund von Reifevorgängen (genetisch vorbestimmten Änderungen), künstlichen chemischen Änderungen wie z. B. Konsequenzen der Einnahme von Drogen, oder vorübergehenden Veränderungen, z. B. durch Ermüdung, entstehen." Lefrancois (1994, 3 f)

"Lernen ist der Vorgang, durch den eine Aktivität im Gefolge von Reaktionen des Organismus auf eine Umweltsituation entsteht oder verändert wird. Dies gilt jedoch nur, wenn sich die Art der Aktivitätsänderung nicht auf der Grundlage angeborener Reaktionstendenzen, von Reifung oder von zeitweiligen organischen Zuständen (z. B. Ermüdung, Drogen usw.) erklären läßt."  Hilgard & Bower (1973, 16)

"Einige Definitionen des Lernens umgehen die mit der Leistung verbundenen Probleme, indem sie das Lernen als eine Veränderung im Zentralnervensystem begreifen." Hilgard & Bower (1973, 19) 

"Offenbar lernen wir einige Fertigkeiten blind und automatisch, während wir um das Verständnis mancher Situation hart ringen müssen, um sie dann schließlich meistern zu können." Hilgard & Bower (1973, 22) 

„Unter Lernen verstehen wir alle nicht direkt zu beobachtenden Vorgänge in einem Organismus, vor allem in seinem zentralen Nervensystem (Gehirn), die durch Erfahrung (aber nicht durch Reifung, Ermüdung, Drogen o.ä.) bedingt sind und eine relativ dauerhafte Veränderung bzw. Erweiterung des Verhaltensrepertoires zur Folge haben. Mit anderen Worten: Lernen ist eine erfahrungsbedingte Veränderung der Möglichkeiten eines lebenden Systems, in einer Umwelt einen Zustand einnehmen zu können“ (Tremel 1995, S. 97).

„Lernen ist also – anders als ‚Erziehung’ – ein wertneutraler Begriff. Es geht um die Kennzeichnung von Änderungen (nicht wie beim Erziehungsbegriff um Verbesserungen) menschlicher Verhaltensdispositionen, die durch Verarbeitung von Erfahrungen erklärt werden können“ (Gudjons 2006, S. 210).

Einige Definitionen von Lernpsychologie

Lernparadigmen

Im Gegensatz zum Behaviourismus betont der Konstruktivismus die internen Verstehensprozesse und in Abgrenzung zum Kognitivismus lehnt er die Annahme einer Wechselwirkung zwischen der externen Präsentation und dem internen Verarbeitungsprozeß ab. Der Sichtweise von Lernen als einem Informationsverarbeitungsprozeß wird die Vorstellung von Wissen als der individuellen Konstruktion eines aktiven Lerners in einem sozialen Kontext gegenübergestellt. Dem Vorwissen des Lernenden kommt insofern entscheidende Bedeutung zu, da neues Wissen stets im Bezug darauf konstruiert wird und die Aktivierung von Vorkenntnissen, ihre Ordnung, Korrektur, Erweiterung, Ausdifferenzierung und Integration die entscheidende Rolle spielen. Durch Lernen werden individuelle Konstrukte aufgebaut, verknüpft, reorganisiert und modifiziert, und zwar stets unter dem Prinzip der aktuellen und zulünftigen Zweckmäßigkeit. Lernen bedeutet nach dem konstruktivistischen Paradigma aktives Wahrnehmen, Erfahren, Handeln, Erleben und Kommunizieren.

Kategorie

Behaviorismus

Kognitivismus

Konstruktivismus

Hirn ist ein

passiver Behälter

informationsverarbeitendes "Gerät"

informationell geschlossenes System

Wissen wird

abgelagert

verarbeitet

konstruiert

Wissen ist

eine korrekte Input-Outputrelation

ein adäquater interner Verarbeitungsprozeß

mit einer Situation operieren zu können

Lernziele

richtige Antworten

richtige Methoden zur Antwortfindung

komplexe Situationen bewältigen

Paradigma

Stimulus-Response

Problemlösung

Konstruktion

Strategie

lehren

beobachten und helfen

kooperieren

Lehrer ist

Autorität

Tutor

Coach, Trainer

Feedback

extern vorgegeben

extern modelliert

intern modelliert


Quelle: Peter Baumgartner und Sabine Payr: Lernen mit Software. Innsbruck 1994, S. 110

Carl Rogers' 10 Prinzipien des Lernens

Original Übersetzung
1. Human beings have a natural potential for learning. 1. Menschliche Wesen haben die natürliche Gabe zu Lernen.
2. Significant learning takes place when the subject matter is perceived by the student as having relevance for his/her own purposes, when the individual has a goal he/she wishes to achieve and sees the material presented to him/her as relevant to the goal, learning takes place with great rapidity. 2. Signifikant findet Lernen vor allem dann statt, wenn der Lerninhalt vom Schüler für die eigenen Absichten als wichtig eingestuft wird. Wenn das Individuum ein Ziel vor Augen hat und das gebotene Material für sich selbst als relevant zum Erreichen des Ziels einordnet, geht der Lernprozess äußerst schnell vonstatten.
3. Learning which involves a change in self-organization - in the perception of oneself - is threatening and tends to be resisted. 3. Lernprozesse, die in der eigenen Wahrnehmung eine Veränderung des eigenen Selbst beinhalten, werden als bedrohlich eingestuft und häufig abgewehrt.
4. Those learnings which are threatening to the self are more easily perceived and assimilated when external threats are at a minimum. 4. Jene Lernerfahrungen, welche für das Selbst(-bild) bedrohlich wirken, werden dann leichter wahrgenommen, angenommen und verarbeitet, wenn es kaum äußere Bedrohungen gibt.
5. When the threat to the self is low, experience can be perceived in differentiated fashion and learning can proceed. 5. Wenn es wenig Gefahren für das eigene Selbst gibt, können Erfahrungen in unterschiedlichen Facetten wahrgenommen werden und der Lernprozess kann voranschreiten.
6. Much significant learning is acquired through doing. 6. Sehr verankert sind Lernerfahrungen, wenn sie durch Handlungen angeeignet wurden.
7. Learning is facilitated when the student participates responsibly in the learning process. 7. Gefördert und erleichtert wird ein Lernprozess dann, wenn ein Schüler (selbst-) verantwortlich daran teilnimmt.
8. Self-initiated learning which involves the whole person of the learner _ feeling as well as intellect _ is the most lasting and pervasive. 8. Selbst gewähltes Lernen, das die Person als Ganzes erfordert, also sowohl Emotionen als auch Intellekt, erzeugt die durchdringendsten und nachhaltigsten Lernerfahrungen.
9. Independence, creativity and self-reliance are all facilitated when self-criticism and self-evaluation are basic and evaluation by others is of secondary importance. 9. Unabhängigkeit, Kreativität, und Selbstvertrauen werden dann erleichtert und gefördert, wenn Selbstkritik und Selbsteinschätzung von entscheidender und die Beurteilung durch andere von zweitrangiger Bedeutung sind.
10. The most socially useful learning in the modern world is the learning of the process of learning, a continuing openness to experience and to incorporate into oneself the process of change. 10. Den größten sozialen Nutzen in der modernen Welt erbringt das Erlernen von Lernprozessen als solche, eine anhaltende Offenheit Veränderungen zu erfahren und in das eigene Selbstbild zu integrieren.
Quelle: http://www.ibe.unesco.org/publications/
ThinkersPdf/rogerse.PDF
Übersetzung: Susanna Scherer

 



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