Zur Philosophie der Kommunikation*) |
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Ausschnitte aus einem Vortrag von Kristóf Nyíri vom 2. Juni 2000 in Piliscsaba im Rahmen des von der Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte veranstalteten Symposiums "Der Donauraum in der Wissenschaftsgeschichte Europas mit besonderer Berücksichtigung der deutsch-ungarischen Wissenschaftsbeziehungen".
Zusätzliche Literatur:
Pettauer, Richard (2002). Otto Neurath Revisited. WWW: http://www.telepolis.de/ deutsch/special/med/13678/1.html (03-05-22)
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Nach József Balogh (1926) ist "das laute Lesen die ursprüngliche und natürliche Form des Lesens überhaupt". Das stumme Lesen ist eine Folge der Mechanisierung des Schreibens und Lesens. "Diese Mechanisierung begann mit der Erfindung des Buchdruckes und hält bis zum heutigen Tage ununterbrochen an. Die Schreib-, Diktier-, Sprech-Maschinen einerseits, Fernschreiber, Fernsprecher und "Broadcasting" andererseits stehen alle im Dienste der Mechanisierung des geschriebenen und gesprochenen menschlichen Wortes; ein besonderer Platz gebührt dem Kinematographen, der nicht nur die Sprache von der Bühne verdrängt hat, sondern auch in mancher Hinsicht zum Surrogat des Buches wurde."
Im Wien der zwanziger Jahre schuf Otto Neurath die Bildstatistik. Dieses Programm zielte auf eine bessere Integration von Text und Bild ab und wurde nach Neuraths Emigration 1935 unter der Bezeichnung "International System Of TYpographic Picture Education", als Isotype abgekürzt, weitergeführt.
Es handelt sich hier um ein zweidimensionales System voneinander gegenseitig abhängenden und miteinander gegenseitig verknüpften Zeichen, welches zwar in Verbindung mit Wortsprachen verwendet werden, dennoch eine eigene visuelle Logik besitzen sollte. "Oft ist es sehr schwer" in Worten zu sagen, was dem Auge direkt klar ist. Wir brauchen nicht in Worten zu sagen, was wir mit Hilfe von Bildern klarmachen können." Isotype sollte in den Dienst einer Enzyklopädie der Einheitswissenschaft gestellt werden. "Was wir Wissenschaft nennen", meinte Neurath, "kann als die typische Art des Argumentierens angesehen werden, die den Menschen aller Nationen, reich und arm, gemeinsam ist. ... Es ist wichtig, das, was den Menschen gemeinsam ist, in einer Sprache auszudrücken, die möglichst einfach und neutral ist. Eine Bildersprache, die Hieroglyphensprache, hat den Vorteil, von der Wortsprache unabhängig zu sein, ist besonders geeignet, faktische Information auf vereinfachte Weise zu vermitteln, und hat eine gewisse Neutralität."
Der Schaffung der Isotype gingen ausgedehnte konzeptionelle Überlegungen voraus. Die Darstellungsform sollte möglichst reduziert und standardisiert sein, keinerlei unnötiger Schmuck oder Details sollten vom Wesentlichen ablenken. Größenverhältnisse wurden nicht mehr durch unterschiedlich große Figuren, sondern durch unterschiedlich viele Symbole der gleichen Qualität dargestellt. Gemeinsam mit dem Grafiker Gerd Arntz gelang Neurath die Schaffung einer visuellen Symbolik, die inzwischen selbstverständlicher Teil der Arbeitsweise jeder Infografik-Abteilung geworden ist. Trotz des hohen Einflusses von Neuraths Arbeit auf heute noch gültige grafische Environments, wie Leitsysteme für öffentliche Orte wie Flughäfen, Verkehrszeichen etc., ging es Otto Neurath nicht um bloß effektiver gestaltete öffentliche Kommunikation, sondern um die Möglichkeiten des Wissenstransfers unter weitgehendem Verzicht auf die Sprache - also auch auf kulturell bedingte Übersetzungsschwierigkeiten und Uneindeutigkeiten. Freilich reichte der Anspruch niemals so weit, die Sprache ersetzen zu wollen, sondern es sollten taugliche "Werkzeuge fürs Denken" geschaffen werden, die angesichts einer sozialen Realität weitverbreiteten Analphabetentums eben auf grafische Mittel zurückgreifen mussten.
Otto Neuraths lag auch viel an der Demokratisierung des Wissens, sodaß seine Methode auch sozialreformatorisch motiviert war. Die sogenannte "Wiener Methode" charakterisierte Neurath mit der Technik der drei Blicke. Auf den ersten enthüllt eine Schautafel grundlegende Zusammenhänge, auf den zweiten die Details und auf den dritten eventuelle weitere Feinheiten. Eine Schautafel, die auf den vierten Blick weitere Informationen preisgibt, widerspricht indes dem pädagogischen Dreiblick-Konzept Neuraths, das zu aller erst als pragmatisches Mittel zur Hebung des Bildungsstandes der Arbeiterklasse entwickelt wurde: Wer den ganzen Tag in der Fabrik arbeitet, liest abends keine komplexen wissenschaftlichen Werke, geht auch nicht ins Museum. Also waren die Ziele:
Otto Neuraths Anspruch der vielzitierten Demokratisierung des Wissens erlebt heute eine Renaissance in der Hoffnung auf das Internet als frei zugängliche globale Bibliothek für alle, jedoch bietet das WWW ein konträres Bild, vor allem die von Usability-Forschern beklagte Uneinheitlichkeit bei Navigationskonzepten ist augenfällig. Die Orientierung auf den meisten Websites muss erst "erlernt" werden (vgl. Pettauer 2002).
Von Marshall McLuhan, der sowohl die Schriften von Balázs als auch die von Wittgenstein rezipiert hatte, stammt der erste Versuch, die Philosophischen Untersuchungen als eine Philosophie der Mündlichkeit zu interpretieren. Und von Karl Polányi, Mitglied jenes Kreises, stammt ein Aufsatz zur Semantik des Geldes, wo es heißt: "Symbols do not merely 'represent' something. They are material, oral, visual, or purely imaginary signs that form part of the definite situation in which they participate; thus they acquire meaning." Über den Umweg von McLuhan übt das österreichisch-ungarische Denken der hier zitierten Denker einen lebendigen Einfluß auf die einschlägigen Forschungen der Gegenwart aus. Dieses Denken stellt eine Quelle dar, aus der die heutige, im Zeichen der Hypertextualität und Multimedialität stehende Philosophie der Kommunikation - ständige Anregungen erhält. |
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Quellen: |
Nyíri, Kristóf (2000). Wörter und Bilder in der österreichisch-ungarischen Philosophie: Von Palágyi zu Wittgenstein. Die Bilder entstanden unter Verwendung von |

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