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[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Wilhelm Maximilian Wundt

*1832 in Mannheim als Sohn eines Pfarrers - Medizinstudium in Tübingen  - 1858 Assistenz im Institut für Physiologie bei Hermann von Helmholtz, Heidelberg - 1864 Professor für Anthropologie und medizinische Psychologie, verfasste ein Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Wilhelm Wundt gründete im Jahre 1879 nach seiner Berufung zum Professor für Philosophie an die Universität Leipzig, das weltweit erste Psychologische Institut an einer Universität. In Lehrbüchern des Fachs gilt diese Institutsgründung als Geburt der modernen wissenschaftlichen Psychologie. Wundt war auch ein überragender Philosoph, der schon zu Lebzeiten mit Aristoteles und Gottfried Wilhelm Leibniz verglichen wurde. Der studierte Mediziner habilitierte 1857 in Heidelberg, nach verschiedenen Stationen im In- und Ausland folgte er 1875 schließlich dem Ruf auf eine Professur für Philosophie an die Universität Leipzig, wo Wundt bis 1917 tätig war. Leipzig zählte im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Handelszentren, war gleichzeitig Stadt der Kultur und des Buch- und Verlagswesens, des Bürgertums und der Wissenschaft, sodass das von ihm neu gegründete Psychologische Institut umgehend zahlreiche Mitarbeiter und Schüler anzog, die ihrerseits zu internationalen Gründungsfiguren psychologischer Denkschulen und Teildisziplinen wurden. Wundt trug maßgeblich zur akademischen Etablierung einer Disziplin bei, die heute nicht nur durch die Forschung in ihren vielfältigen Grundlagenbereichen, sondern vor allem auch durch berufspraktische Tätigkeiten in diversen Anwendungsfeldern prägend ist. Der einzigartigen Bedeutung Wundts als Gründer der modernen wissenschaftlichen Psychologie wurde bereits zu seinen Lebzeiten mit einer Reihe hochrangiger Ehrungen Rechnung getragen, etwa den Ehrendoktorwürden und Ehrenmitgliedschaften der Universitäten Budapest, Göttingen, Leipzig und Moskau, zahlreiche Ehrenmitgliedschaften in internationalen Wissenschaftsgesellschaften und -akademien. Wenige Monate vor Wundts Tod wurde auf Geheiß der Stadt Leipzig eine Eiche zu Ehren des Ehrenbürgers Wundt gepflanzt und mit einer hölzernen Tafel versehen. Originalgerätschaften, Möbel und Schriftstücke aus der Frühzeit des Instituts werden in einer Sammlung im „Wilhelm-Wundt-Gedenkzimmer“ aufbewahrt und regelmäßig einer interessierten internationalen Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Aufgrund seines naturwissenschaftlich-materialistischen Standpunktes fordert Wundt die experimentelle Methode und die statistische Auswertung für die Physiologie und Psychologie. Trotzdem wirkt er ab 1875 als Philosoph - 1879 gründet er in Leipzig das erste Experimentalpsychologische Institut - 1883 begründet der die Zeitschrift "Philosophische Studien"  (Er betrachtet die Psychologie als Teilgebiet der Philosophie) Er verfasst zahlreiche philosophische Schriften, u.a. eine mehrbändige Ethik. Später folgt die 10-bändige "Völkerpsychologie" Dieses Spätwerk "Völkerpsychologie" - ein "Versuch, die naturwissenschaftlich fundierte, im Prinzip ahistorisch ausgerichtete "Individualpsychologie" durch eine geisteswissenschaftlich inspirierte, geschichtlich orientierte und damit generationenübergreifende Entwicklungspsychologie der ganzen Menschheit zu ergänzen, ist ziemlich umstritten. Gerd Jüttemann hält dieses Konzept für wertvoll und arbeitet an einer Weiterführung, wobei er in der "Völkerpsychologie" allerdings drei Fehlannahmen sieht: Wundt hält Einzelpersönlichkeiten im Ablauf der Geschichte für fast einflusslos, unterstellt allumfassende Entwicklungsgesetze und ist einem Kulturoptimismus verpflichtet.

Noch in hohem Alter hält er Vorlesungen. Junge Wissenschaftler aus USA, England, Japan, etc. arbeiten und promovieren bei Wundt. An verschiedenen Hochschulen entstehen Psychologische Institute nach dem Leipziger Vorbild. Zugang zum Psychischen soll die Erfahrung und nicht die Metaphysik bilden. Zunächst wurden die "direkten" Erfahrungen, d.h. die Sinneseindrücke exakt gemessen, wofür zahlreiche Geräte entwickelt wurden. (z.B. Reaktionsgeschwindigkeiten) Erinnerungen, Gefühle, etc. sollten durch Introspektion zugänglich gemacht werden. Durch Beschreibung sollten die Elemente des Bewußtseins und deren Verbindungen festgestellt werden. (Elementenpsychologie). Ziel waren nicht die interindividuellen Unterschiede sondern allgemein Gesetze. Zentraler Begriff ist die Apperzeption, die er als innere Willenshandlung und Prototyp aller psychischen Prozesse beschreibt. (Apperzeption = Vorgang, durch den ein psychischer Inhalt zur klaren Auffassung gebracht wird). Später nennt Wundt seine Psychologie Voluntaristische P. oder Voluntarismus., da psychische Erlebnisse nicht Ereignisse, sondern Ergebnisse von Willenshandlungen sind. 

Apparate zur Erforschung der Seele: Wundt und Mitarbeiter im Labor
Apparate zur Erforschung der Seele: Wundt und Mitarbeiter im Labor

Zu seinen Methoden gehörten ursprünglich neben dem Experiment und der Statistik auch die entwicklungsgeschichtliche Methode (u.a. die Analyse des Unbewußten, Tierpsychologie), auf die er jedoch später verzichtet. Da die Psychologischen Institute stets in den Philosophischen Fakultäten beheimatet waren, waren sie meist schlecht ausgestattet und es gab die Psychologie nicht als Diplomstudiengang oder Prüfungsfach. Auch Wundt war der Ansicht, dass eine Psychologie ohne die Philosophie nicht existenzfähig sei. In den USA hatte sich die Psychologie bereits von der Philosophie emanzipiert.  Der fördernde Einfluß der Leipziger Schule auf die Psychologie beruht in erster Linie auf der Methodenlehre, wenn sie auch andere Entwicklungen, wie z.B. die Sozialpsychologie oder die Ausweitung des Experiments auf höhere Bewußtseinsebenen eher verhindert hat. Weiter ignorierte er interindividueller Unterschiede.


Wundt war nach Ansicht von Prüfer (2020) ein Spätzünder, was die wissenschaftliche Arbeit angeht, denn er war eher in sich gekehrt, geistesabwesend. Sein Forscherdrang regte sich erst allmählich, hörte r in Heidelberg und Tübingen Vorlesungen über dies und das, promovierte schließlich zum Mediziner. Als Arzt zeigte er dann grenzschreitendes Denken, denn für physische Probleme untersuchter er auch psychische Ursachen, was damaliger Lehrmeinung entgegen stand. Aber Körper und Geist gehörten für Wundt zusammen, sodass er über den wissenschaftlichen Weg zur Psychologie gelangte, die damals oft Objekt theoretischer Spekulationen war.

Wundt zeigte sich in vielerlei Hinsicht neugierig, arbeitete auf den Feldern der Kultur- und Religionspsychologie, aber auch Erkenntnistheorie und Ethik. In seinen jungen Jahren gründete er den Vereinstag deutscher Arbeitervereine mit, den Vorläufer der SPD, engagierte sich politisch in liberalen und setzte sich für Studienreformen ein. Im Alter scheint er konservativer geworden zu sein, unterschrieb die dem Ersten Weltkrieg zustimmende »Erklärung der Hochschullehrer des Deutschen Reiches«. Er mischte aktiv im Spiritismusstreit mit, der Leipzig zum internationalen Zentrum okkulter Debatten machte. Der hier wirkende Physiker Karl Friedrich Zöllner lud mit dem bekannten Medium Henry Slade zu Séancen ein, an denen auch Wundt und andere Wissenschaftler teilnahmen. Doch anders als Zöllner war Wundt nicht überzeugt, übernatürlich Kräfte aus der vierten Dimension am Werk zu sehen, wobei sich beide eine derbe schriftlich-öffentliche Debatte lieferten, in der Wundt das Medium als einen Taschenspieler bezeichnete.

Auch wenn Wundt selbst später außerhalb von Fachkreisen in Vergessenheit geriet, scharte der Pionier eine Gründergeneration der Psychologie um sich, denn mit Edward Bradford Titchener studierte der Vater des Strukturalismus bei Wundt, James McKeen Cattell wurde der erste Psychologieprofessor der USA, Granville Stanley Hall wurdeder Begründer der Kinderpsychologie.

Wundts Sommerhaus in Großboten ist seit Kurzem im Besitz eines Fördervereins, der sich um die Restauration und mögliche Nutzungen bemüht. Erste Arbeiten haben begonnen.

Literatur

Prüfer, T. (2020). Wundts Gespenster.
WWW: https://kreuzer-leipzig.de/2020/08/31/wundts-gespenster/ (20-09-01)
https://idw-online.de/de/news752922 (20-08-24)



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