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Das "Messie"-Syndrom

Was ist das?

Die Amerikanerin Sandra Felton, eine Mathematiklehrerin aus Miami (Florida), gründete die weltweit erste Gruppe der "Anonymen Messies" und hat mehrere Bücher über das Problem geschrieben, unter anderem "Im Chaos bin ich Königin" und "Im Chaos werden Rosen blühen" (Brendow-Verlag). Felton sorgte 23 Jahre lang für Unordnung und Chaos daheim, bis sie die Ärmel aufkrempelte. Der absolute Tiefpunkt kam, als sie wochenlang nicht merkte, daß das Abflußrohr an ihrem Küchenbecken leckte. Denn im Einbauschrank darunter stapelten sich alte Zeitungen. Das Papier sog das Wasser aus dem Rohr auf, und die zweifache Mutter entdeckte die Bescherung erst, als der Boden unter dem Becken schon halb verrottet war.

Unter dem Namen "Vermüllungssyndrom" wird seit ca. 1985 ein Phänomen zusammengefaßt, bei dem Menschen ihre Wohnung durch die Anhäufung von wertlosen, unbrauchbar gewordenen Gegenständen unbewohnbar machen und dadurch von Kündigung, Zwangsräumung und Unterbringung in einem Heim oder einer Institution bedroht sind.

Anmerkung: Wenn Wohnungen verwahrlost und vermüllt sind, muss es sich nicht immer das Messie-Syndrom handeln, denn auch Suchtkranke oder Menschen, die unter Depressionen leiden, vernachlässigen ebenfalls häufig ihre Wohnungen und achten nicht mehr auf die eigene Körperhygiene. Gleiches gilt für alte Menschen, die es oft nicht mehr schaffen, ihre eigene Wohnung sauber zu halten oder sich selbst zu waschen, was ebenfalls zu psychischen Problemen bei den Betroffenen führen kann.

Das Wort "Messie" ist abgeleitet von mess (englisch für Chaos, Unordnung, Schwierigkeit). Im deutschsprachigen Raum wurde der Begriff durch Bücher der Amerikanerin Sandra Felton populär.

Messies leiden darunter, insbesondere im privaten Bereich, keine zeitliche und oder räumliche Ordnung herstellen oder halten zu können, in der sie sich wohl fühlen. Dieses "Unwohlsein" kann durchaus die lebenseinschränkenden Ausmaße einer Krankheit annehmen. Es gibt noch so gut wie keine wissenschaftliche Definition, geschweige denn Erklärung oder gar Behandlungsmethode.

Zugrunde liegt diesem Phänomen eine bisher noch kaum vollständig verstandene Unfähigkeit der Betroffenen, brauchbar und unbrauchbar zu unterschieden und dieser Einsicht gemäß zu handeln. Während es scheint, daß weniger schwer Betroffene von einem bereits geheilten "Messie" bei der Räumung der Wohnung bzw. Behebung der Unordnung Unterstützung zu erfahren, sind die schweren Fälle ohne Eingreifen von Behörden, Justiz und Müllabfuhr nicht beeinflußbar.

Man hält Coaching für ein geeignetes Mittel, Messies zu unterstützen, denn ein Coach greift nicht persönlich ein, sondern berät lediglich. Die Erstellung von Arbeitsplänen und die Unterstützung bei deren Einhaltung helfen den Betroffenen oft, ihre täglichen Aufgaben besser zu strukturieren. Hilfreich kann auch ein Peer sein, der dem Messie beim Aufräumen Gesellschaft leistet, ihn ermutigt, und ihn beim Aussortieren, Verstauen und Ablegen unterstützt.

Messies sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Viele von ihnen sind überdurchschnittlich mit "Ordnung" beschäftigt und im Beruf oft perfekter als andere. Egal ob als Lehrer, Kellner oder Manager.

Das Sammeln, Horten, Nicht-Wegwerfen kann bis zur Vermüllung führen. Die meisten Messies befinden sich aber in einem recht stabilen Höllenzustand irgendwo zwischen "äußerlich unauffällig" einerseits und der in den Medien gern zur Schau gestellten Vermüllung andererseits.

Vieles, was anderen leicht fällt, fällt Messies besonders schwer, wie Wegräumen, Abwaschen etc. Es bestehen große Entscheidungsschwierigkeiten bei alltäglichen Kleinigkeiten und, selbst wenn äußerlich unauffällig, gibt es ein Gefühl "Ich habe versagt". Daraus folgt eine Scham, die oft im Privatleben zur sozialen Isolation führt.

Die "Fangfrage" lautet: Wie fühlen Sie sich in ihrer Wohnung! Können Sie jederzeit Besuch empfangen?

Es gibt 4 Chaos-Phänomene bei Messies:

  1. äußerlich unauffällig-normal, Ordnung ist jedoch ein ungewöhnlich wichtiger Teil des Lebens, sie zu halten wird als Qual empfunden
  2. Zeit: z.B. Unpünktlichkeit und Versäumen wichtiger Termine
  3. Papier: Horten von Papieren, Notizen, Zeitungen, Artikeln
  4. Sammeln: Horten von Gegenständen, zwanghaftes Kaufen

Wie wird man zu einem "Messie"?

Auslöser sind Überforderungssituationen bezüglich Leistungsvermögen, Wissen, Besitz und Können für innerlich schon verunsicherte Persönlichkeiten. Diese entstehen aus z.B. angeborenen oder erworbenen individuellen Schwächen oder allgemein offensichtlichen Belastungen. Kritische Ereignisse wie Hochzeit, Geburt, Trennung, aber auch Krankheiten kommen als Auslöser in Frage.

Eine auslösende Überforderungssituation wird oft durch Teufelskreise selbst wieder hergestellt und beständig erhalten, z.B. durch typischen Perfektionismus, dem man selbst nicht gerecht werden kann. Nach dem durchaus vernünftigen Motto: etwas, was man nicht schaffen kann, erst gar nicht anzufangen - wird aus einem "Tasse abwaschen" z.B. eine "Komplette Hausputz Idee" was in der aktuell gegebenen Zeit nicht schaffbar ist - die Tasse bleibt dreckig stehen.

Auf die Überforderung hin schotten sich Messies mit der Zeit systematisch von der Umwelt ab. Das Phänomen ist umgebungs- bzw. ortsgebunden, d.h. es konzentriert sich in der Regel auf das Privatleben in der eigenen Wohnung. In Beruf und Freizeit sind Messies eher unauffällig.

Darunter leiden Messies massiv, fühlen sich minderwertig, weil sie sich einer als normal dargestellten Aufgabe nicht gewachsen fühlen. Messies erleben sich mehr als passiv in einer auf sie einstürmenden Welt und weniger als aktiv ihr eigenes Leben frei gestaltend. Die selbstschützende Ablehnung weiterer als fordernd erlebter Situationen und oder Personen dürfte auch der Grund für eine manchmal auffällige Feindseligkeit bei Messies sein.

[http://www.mieterverein-muenchen.de/images/messie2.gif]

Quellen:

http://members.aol.com/messies/l
http://www.adhs.de/ADS-Literatur/messies.htm
http://www.huepfkleckse.de/messies.html
http://www.benten.de/csg/pub/f100_de.html

  

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