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Unterrichtsstörungen

Instrumente der LehrerInnen bei Unterrichtsstörungen nach Winkel (1996, S. 93f)

Jacob Kounin (1970) führte in den 70er Jahren Untersuchungen zu den Möglichkeiten durch, Störungen im Unterricht zu unterbinden. Basierend auf seinen empirischen Forschungen, bei denen er intensive videografische Methoden einsetzte, kommt Kounin zu folgenden Prinzipien effizienter Klassenführung (die sich teilweise mit Unterrichtsmethodik überlappen). Entscheidend für die Verhinderung von Störungen im Unterricht ist nicht nur die unmittelbaren Reaktion des Lehrers auf eine Störungssituation und des anschließenden Schülerverhaltens, sondern auch des Geschehens davor. Die Konzentration der SchülerInnen wird durch eine klare und zuverlässige Strukturierung des Unterrichts gefördert. So kann ein Lehrer zielgerichtet arbeiten, denn ein fester Rahmen bündelt die Aufmerksamkeit. Wenn man etwa den Mathematikunterricht immer ähnlich strukturiert, also auf eine Erarbeitungsphase die vertiefende Übung folgen lassen und anschließend den Schülern Gelegenheit gibt, das Geleistete zu zeigen, fördert man die Motivation, unter den Präsentierern zu sein. Die Bekanntgabe der inhaltlichen Ziele der Unterrichtseinheit fördert die Konzentration und lenkt die Aufmerksamkeit auf diese Zielsetzung hin.

Die Arbeitspsychologie lehrt, wie wichtig die Abwechslung zwischen anstrengenden und entspannenderen Phasen des Unterrichts ist. Dies trifft sowohl auf die Fächerabfolge im Verlauf des Tages als auch auf die einzelne Unterrichtsstunde zu. Insbesondere bei einer 2-stündigen Einheit muss man als LehrerIn mehrere kurze Pausen einlegen, etwa mit einem kurzen Bewegungsprogramm.

Das Classroom-Management einer Lehrerin bzw. eines Lehrers schafft dabei wichtige Bedingungen für den Lernerfolg der Schüler. Dafür gibt es einige wichtige Prinzipien, etwa dass das Vorbeugen besser ist als das Reagieren, denn erfolgreiche Lehrer lassen es gar nicht erst zu Unterrichtsstörungen kommen, sondern verhindern sie durch die Art ihres Unterrichtens. Es gibt einige Lehrerverhaltensweisen, die zu einem störungsarmen Unterricht und zu einem hohen Lernerfolg beitragen:

Kurzfassung

Allgegenwärtigkeit anstatt Inhaltsfokussierung: Wenn Ihre Schüler das Gefühl haben, dass Sie „alles mitbekommen“, verlieren sie den Mut, Provokationen zu starten, die sie sich nur in der Anonymität der Klasse trauen. Zum anderen gibt Ihre Rundum-Aufmerksamkeit den Schülern Bestätigung und Anerkennung. Jeder wird gesehen, keiner übersehen. Der Ruf, „Augen im Hinterkopf“ zu haben, verschafft Ihnen Akzeptanz Ihrer Führungsrolle im Klassenzimmer.

Reibungslosigkeit anstatt Langeweile und Leerlauf: Sorgen Sie für Schwung und Reibungslosigkeit im Ablauf des Unterrichts. Das erleichtert es Ihren Schülern, aufmerksam zu bleiben. Vermeiden Sie unnötige Unterbrechungen, z. B. durch unklare Gruppeneinteilungen. Trainieren Sie Abläufe, so dass sie nur wenig Zeit in Anspruch nehmen, z. B. einen Stuhlkreis zu bilden. Treffen Sie alle organisatorischen Vorbereitungen im Vorfeld des Unterrichts, z. B. für den Medieneinsatz.

Übergangsmanagement anstatt Einheitsbrei: Organisieren Sie die Übergänge von einer zur anderen Unterrichtsphase prägnant, z. B. indem Sie das Vorangegangene kurz zusammenfassen lassen und den nächsten Schritt ankündigen. So richten Sie die Aufmerksamkeit bereits auf das, was auf die Schüler zukommt und verhindern den Eindruck, dass jetzt erst einmal Pause wäre. Lassen Sie auch den Stundenanfang durch ein Ritual deutlich werden, z. B. einen Spruch zum Tag, den ein Schüler vorliest. Regeln und Rituale reduzieren die Ablenkung der SchülerInnen, wobei dies zunächst widersinnig klingen mag, denn Gleichklang kann auch zur Langeweile führen. Doch lernpsychologisch liegt die positive Wirkung von Ritualen darin, dass die SchülerInnen dabei wissen, was auf sie zukommt, und sich darauf einstellen können. Rituale helfen LehrerInnen auch, die Aufmerksamkeit der Schüler wieder zu bündeln, wenn sich Unruhe breitgemacht hat. So leitet ein Begrüßungsritual am Stundenanfang aus der Pausenstimmung in den Unterricht über oder Musik beendet die Freiarbeit. Auch Rituale unter den Schülern steigern die Aufmerksamkeit, z. B. das gegenseitige Aufrufen. Bestehen Sie darauf, dass Sie selbst das Ende des Unterrichts entscheiden und nicht die Pausenklingel. Doch Sie tun gut daran, mit der Hausaufgaben-Ansage fertig zu sein, bevor es klingelt. Damit zeigen Sie, dass auch Sie die geltenden Regeln respektieren und leben vor, was Sie von den Schülern verlangen.

Überlappung anstatt Eindimensionalität: Während Sie sich auf den Inhalt und den Ablauf Ihrer Stunde konzentrieren, geschieht so manches unter den Schülertischen oder hinter vorgehaltener Hand. Versuchen Sie, eine Störung bereits in ihrem Ansatz wahrzunehmen. Wenden Sie sie unspektakulär ab, z. B. durch einen mimischen oder gestischen Hinweis. Sorgen Sie ohne großes Aufheben dafür, dass sich der Schüler wieder in den Unterricht einklinkt.

Gruppenfokus anstatt Konzentration auf den Einzelnen: Auch wenn Sie sich einzelnen Schülern zuwenden, behalten Sie die Klasse im Blick. Hat sich ein Unruheherd erst einmal ausgedehnt, lässt sich Arbeitsruhe nur durch eine längere Unterbrechung wiederherstellen. Sorgen Sie stets für genügend Aufträge für Schnelle. So verhindern Sie, dass die „Stillarbeit“ laut endet.

App gegen Lärmbelastung: Lärmampel

Bekanntlich zählt die Lärmbelastung zu den zentralen Faktoren, unter denen Unterricht leidet. Die Universalapp "Merlin Lärmampel" ist eine Lärmampel, die sich sehr genau einstellen lässt und auch Lärm- bzw. Ruhephasen erfasst. Die Lärmampel hat viele Einstellmöglichkeiten und zeigt Lärm- bzw. Ruhephasen. Eingestellt werden die gelbe und die rote Ampel nach Dezibel-Werten, wobei auf der Ampelseite der gerade gültige Wert der gemessenen Lautstärke angezeigt. Unterstützt wird die Ampel von einer abschaltbaren Sirene, sobald die Lautstärke den roten Bereich überschreitet. Als weitere Funktion zeigt die App auch Lärm- bzw. Ruhephasen auf der Hauptseite an. Ruhephasen werden in Minuten gemessen und in grünen Punkten dargestellt, d. h., dass die Klasse, wenn sie nur lange genug still ist, einen grünen Punkt erhält. Ähnlich funktioniert die App auch bei Lärmphasen. Hier gibt man vor, ob bereits nach jeder Ruhestörung ein roter Punkt hinzukommt oder erst nach der zweiten, dritten oder gar vierten Störung.

Download der Lärmampel App:

iTunes Apple Store:

https://itunes.apple.com/de/app/merlin-larmampel/id673146731

Ampelsystem gegen Unterrichtsstörungen

An einigen Schulen - hier der Text einer ungenannt bleibenden Schule in Deutschland - wurde ein Ampelsystem eingeführt, um Unterrichtsstörungen in den Klassen zu minimieren und die Lernatmosphäre zu verbessern, wobei im Mittelpunkt die drei Grundregeln des Trainingsraumkonzepts nach Balke stehen:

Schüler, die den Unterricht stören, wandern im Ampelsystem weiter nach oben, d. h., wenn Schüler nach zwei Ermahnungen (gelb, orange) ihr Verhalten nicht ändern, gehen sie beim nächsten Regelverstoß (rot) in die Partnerklasse, um dort einen Rückkehrplan zu bearbeiten und somit ihr Verhalten zu überdenken. Weigert sich ein Schüler, in die Partnerklasse zu gehen, wird er zunächst von einem weiteren Lehrer dazu aufgefordert. Weigert er sich weiterhin werden die Eltern benachrichtigt, der Schüler muss umgehend nach Hause gehen und darf erst wieder mit seinen Eltern oder Erziehungsberechtigten zur Schule kommen. Das Gleiche gilt, wenn der Schüler auch in der Partnerklasse den Unterricht massiv stört. Ohne das Elterngespräch können die Schüler nicht mehr in ihre Klasse zurückkehren. Bei Schülern, die zwei Mal einen Rückkehrplan ausfüllen mussten, werden die Eltern telefonisch benachrichtigt. Nach weiteren zwei Malen erhalten die Eltern oder Erziehungsberechtigten einen Brief, mit der Aufforderung, mit ihrem Kind über das Verhalten in der Schule zu sprechen. Musste der Schüler insgesamt sechs Mal einen Rückkehrplan ausfüllen, darf er erst wieder mit seinen Eltern oder Erziehungsberechtigten in der Schule erscheinen.


Literatur und Quellen

Holodynski, Manfred (1998). Klassenführung. Eine notwendige Aufgabe erfolgreichen Unterrichtens. Grundschule, 9, 22-24.

Kounin, J.S. (1970). Discipline and Group Management in Classrooms. New York:Holt, Reinhardt and Winston.

Kounin, Jacob S. (1976). Techniken der Klassenführung. Bern.

Walker, J. (1995). Gewaltfreier Umgang mit Konflikten in der Grundschule. Frankfurt: Cornelsen.

Zumkley, Horst (2005). Strategien der alltäglichen Klassenführung (Klassen-Management).
WWW: http://www.lpm.uni-sb.de/lpm/Aktuelles/Seitis/11-12-%20Unterrichtsst%F6rungen-Pr%E4vention-Intervention.pdf (08-06-05)



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