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Keine Macht den Drogen - No DrugsGuaraná

Guaraná ist eine Pflanzenart der Familie der Seifenbaumgewächse und ist im Amazonasbecken beheimatet, besitzt eine lange ethnobotanische Tradition und wird auch heute als Nahrungsergänzungsmittel und Zusatz in Getränken verwendet. Der Name Guaraná bezieht sich auf das südamerikanische indigene Volk der Guaraní.  Guaraná stammt aus dem Amazonas- und Orinokogebiet, doch heute ist das Hauptanbauland Brasilien, daneben wird diese Pflanze auch in Sri Lanka (vormals Ceylon), Uruguay und ganz Mittelamerika kultiviert. Die birnenförmigen Fruchtkapseln der Guaraná-Pflanze enthalten glänzend-braune, fast kugelige Samen, die Kastanien ähnlich sehen und auf Grund ihrer Zeichnung auch als Augen des Waldes bezeichnet werden, wobei die Früchte als die stärkste natürlich vorkommende Koffeinquelle (4% bis 8%) gelten, denn sie enthalten etwa dreimal soviel Koffein wie eine Kaffeebohne. Sie enthalten neben Koffein auf Grund der Röstung auch die strukturverwandten Alkaloide Theophyllin und Theobromin, die die Leistung des Herzens steigern, für das Nervensytem anregend wirken aber auch harntreibend sind. Anmerkung: Man sollte Guaraná trotz der geringen Menge an Theobromin sicherheitshalber von Hunden und Katzen fernhalten (Theobrominvergiftung bzw. Schokoladenvergiftung).

Guaranasamen werden in der Medizin bzw. Pharmazie daher gegen Müdigkeit und Erschöpfung eingesetzt, wobei der Wirkstoff auf das Gehirn, das Herz, die Atemwege, die Muskeln und auf die Nieren wirkt. Die körperliche Wirkung von Guaraná kommt wie bei Koffein dadurch zustande, dass es an den entsprechenden Rezeptoren mit Adenosin, das etwa zur Senkung des Blutdrucks oder Verringerung des Herzschlages beiträgt, konkurriert. Je mehr Koffein in den Zellen vorhanden ist, desto kleiner ist die Möglichkeit des Adenosin Rezeptoren besetzen zu können, um seine Wirkung zu entfalten.

Guaraná war den Indios schon seit Jahrhunderten bekannt. Guarana wird mit der Hand geerntet, wobei die Pflanzen in der Regel an schattigen Plätzen verteilt über eine größere Fläche wachsen. Die Früchte werden nach der Ernte auch heute noch meist manuell geschält und zwei Tage in Wasser gelegt, um die äußere Schale besser entfernen zu können. Nach dem Schälen werden die Guaranakirschen gewaschen und anschließend in einem Tongefäß über offenem Feuer getrocknet. Die geschälten und getrockneten Samen werden zu einem hellbraunen Pulver zermahlen, in Wasser aufgeschwemmt und mit Honig gesüßt getrunken, wobei das Getränk ähnlich wie Kaffee anregend wirkt und Hungergefühle dämpft und das Entwässern fördert. Wer Guarana bei einer Diät einsetzt, muss allerdings darauf achten, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Guarana ist auch Bestandteil von Shampoos zur Anwendung speziell bei fettigem Haar sowie in Produkten gegen Haarausfall und generell in Mitteln, die der Belebung der Haut dienen. Neben belebenden Kräften wird Guaraná auch eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt.

Zu den Guaranaprodukten zählen neben Pulver Kapseln und Schokoriegel, aber auch Getränke und Kaugummis werden mit dem Wirkstoff versetzt. Heute wird daraus ein für Brasilien typisches Erfrischungsgetränk hergestellt. Guaraná Antarctica gehört zu den fünfzehn meistverkauften Limonaden der Welt, wobei Guaraná Antartica ist der offizielle Sponsor der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft. Guaraná Antarctica hat 0,9mg/100ml, während Colas üblicherweise einen Koffeingehalt zwischen 10 und 25mg/100ml haben. Kaffee kann, je nach Sorte, bis zu 120 mg/100ml aufweisen. Das erste Mal kam dieses Getränk übrigens 1921 unter dem Namen Guaraná Antarctica Champagne auf den Markt, wobei angeblich die die Formel von Guaraná Antarctica mit einer Indianerlegende Lateinamerikas verbunden sein soll: Ein verliebtes Indianerpaar, die aus verfeindeten Stämmen, stammte, beschloss zu fliehen, wurde auf der Flucht von einem Gewitter überrascht und von einem Blitz getroffen. Man fand die beiden engumschlungen, wobei aus dem Grab des Mädchens eine Pflanze wuchs, deren Frucht dem menschlichen Auge glich (siehe oben: Augen des Waldes). Heute wird die brasilianische Getränkemarke für Europa in Portugal abgefüllt und ist in über sechzig Ländern erhältlich. So findet man das Getränk in Österreich schon bei manchen Diskontern.

Guarana KoffeinDas Koffein im Guarana Pulver ist an Gerbstoffe gebunden, die zuerst abgebaut werden müssen, wodurch eine meist verzögerte aber gleichmäßige langanhaltende Wirkung eintritt. Auch durch den hohen Anteil an Rohfasern und Ballaststoffen wird das Guarana-Koffein langsamer vom Organismus aufgenommen, was ebenfalls die langanhaltende Wirkung erklärt. Es ist weitgehend frei von Reizstoffen und wird von Menschen bevorzugt, die Kaffee oder Tee nicht vertragen. Wenn man reines Guaraná konsumieren will, werden in der Regel Kapseln bevorzugt, denn die Zubereitung aus Pulver, das aber meist preiswerter ist, ist komplizierter bzw. man nimmt hier den strengen Geschmack nicht wahr. Das im Handel erhältliche Guaraná in Pulverform wird meist angemischt verkauft, etwa in Kakaopulverform, in Kaugummi oder mit Getränken vermischt. Die einfachste Anwendungsform für den Hausgebrauch besteht darin, gemahlenes Guaraná in heißes Wassser oder Milch zu rühren. Aufgrund des durch Gerbstoffe nicht guten Geschmacks wird Guaranápulver daher meist in Beimischung zu Getränken und Speisen eingenommen, etwa in Verbindung mit Joghurt oder Orangensaft. Es gibt sogar Schokoladen und Gummibärchen, die mit dem Hinweis auf den Gehalt von Guaraná versehen sind.

Dies hat den Effekt, dass das Koffein der Guarana Pflanze bis zu sechs Stunden im Körper vorhanden ist und auch so lange seine Wirkung zeigen kann. Das Guarana-Koffein hat die gleiche chemische Zusammensetzung wie das in Kaffee, Tee oder Mate und auch die gleiche körperliche Wirkung, sodass es auf bestimmte Rezeptoren im Gehirn wirkt und Bereiche stimuliert, die für die Aktivität zuständig sind. In mäßiger Dosierung regt es Muskel- und Herztätigkeit sowie Atmung und Stoffwechsel an, wobei der Blutdruck und die Körpertemperatur ansteigen. Bei hoher Dosierung kann es zu Herzflattern und Schweißausbrüchen kommen - siehe Nebenwirkungen unten. Der anregende Effekt von Koffein ist allerdings nicht durch höhere Dosierungen steigerbar, sondern durch übermäßigen Konsum können Konzentrationsschwäche, Gedankenflucht, Fahrigkeit, Nervosität und Schlaflosigkeit auftreten.

Die Produkte werden als Wachmacher und Energiespender beworben, und gelten in Fitnesskreisen und bei Bodybuildern als leistungsfördernd. Im Gegensatz zum Kaffee soll das Koffein von Guarana die Magenschleimhäute weniger angreifen und weniger Nebenwirkungen besitzen. Guaraná soll zusätzlich leicht fiebersenkend wirken und bei körperlicher Schwäche das Durchhaltevermögen stärken. Ähnlich wie Kaffee hat Guaraná eine anregende Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System, dämpft Hunger- und Durstgefühle, wodurch aber die Gefahr einer Dehydratation bei Sportlern erhöht wird. Dass es auch manchmal zum Abnehmen empfohlen wird, hängt eben einerseits mit der Dämpfung des Hungergefühls mit gleichzeitiger Aktivierung zu körperlicher Aktivität zusammen.

In der Raver-Szene und Techno-Szene sind Guaraná-Produkte wegen ihrer Wirkung als Wachhalter beliebt, aber auch bei Bodybuildern. In Form von Trinkampullen wird Guarana auch von SportlerInnen mit dem Ziel der Steigerung der eigenen Leistungsfähigkeit zu sich genommen. Beworben wird das Produkt als Energizer, Energydrink oder Wachmacher mit Aussagen wie: "Das natürliche Koffein für mentale und körperliche Herausforderung", Der bekömmliche und anhaltende Energieschub", "Diät-Assistent aus dem Regenwald", "Der natürlich Wachmacher", "Katerkiller", "Koffein aus dem Dschungel" oder "Die Koffein-Bombe aus Brasilien" ;-)

Bei Guaraná treten die gleichen Nebenwirkungen wie beim übermäßigen Genuss von Coffein aus anderen Quellen auftreten, etwa erhöhte Reizbarkeit, Schlafstörungen, Tachykardie, Kopfschmerzen, Zittern oder Muskelschmerzen. Beim Absetzen der Produkte nach längerfristigem Konsum kann es zu körperlichen Entzugserscheinungen kommen. Bei dauerhaftem und regelmäßigem Konsum von Guarana-Koffein kann sich daher eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Ob es beim Konsum von Guarana zu gesundheitlichen Schäden kommen kann, ist bisher nicht bekannt.

Die empfohlene Dosierung von zwei bis maximal fünf Gramm pro Tag sollte nicht überschritten werden, um Nebenwirkungen wie Nervosität und Reizbarkeit zu vermeiden. Generell wird durch Koffein die Wirkung von Schlaf- und Beruhigungsmitteln deutlich herabgesetzt, während die Wirkung von Arzneimitteln gegen zu niedrigen Blutdruck oder zur Therapie von Schilddrüsenerkrankungen erhöht wird. Wechselwirkungen bestehen daher auch mit schmerzlindernden Präparaten. Ungeeignet sind Guaraná-Produkte für Menschen mit Bluthochdruck und chronischem Kopfschmerz sowie für Schwangere und in der Stillzeit. Als Überdosierung bei Koffein gelten in der Regel sieben bis zehn Tassen Kaffee innerhalb eines kurzen Zeitraums oder 20 Gramm reines Guaranápulver. Mediziner empfehlen als Sofortmaßnahme in diesem Fall, eine größere Menge Wasser zu trinken.

Neuere Produkte mit Guaraná

Es gibt einige neuere Lebensmittel, die Guaraná als Zugabe enthalten, wie sogar Fruchtgummi oder Gummibärchen mit Grapefruit und Cassis-Geschmack, Schokolade oder Kaugummi, aber auch Fruchtschnitten. Diese neuen Guaraná-Produkte werden dann beworben mit Sprüchen wie „Erst sauer, dann süß, dann fit!“. Bei solchen Mixturen ist der ursprünglich bittere Geschmack von Guaraná nicht sofort zu schmecken, sondern in der Regel erst im Nachgeschmack oder auch gar nicht.
Eher kurios wirkt auch die Mischung Guarana und Ginseng, die angeblich Körper und Geist mit neuer Energie versorgen und Vitalität, Leistungsfähigkeit und Konzentration steigern soll. Besonders wird er in der Werbung für Schüler und Studenten beim Lernen und bei Prüfungen empfohlen, aber auch für Sportler und Berufstätige, für Autofahrer und Menschen, „von denen stets höchste Konzentration gefordert wird“.


Möglichkeiten des Erwerbs von Guaraná-Produkten

Neben den zahlreichen Online-Bestellmöglichkeiten findet man die verschiedenen Formen von Guaraná-Produkten auch in zahlreichen Shops für Nahrungsergänzungsmittel oder Bodybuilding-Produkten, seit Neuestem auch in Drogeriemärkten oder in manchen Bioläden.


Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Guaran%C3%A1 (12-11-21)
http://www.guarana-antarctica.net/ursprung (15-02-11)
http://www.regenbogenkreis.de/guarana/ernte.html (15-02-11)



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