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Körperliche und sexuelle Entwicklung im Jugendalter

Der Körper wird zur Bühne,
auf welcher Konflikte, Spannungen,
ungeklärte Fragen etc.
inszeniert werden.
Bürgin

Die Pubertät zeichnet sich durch radikale körperliche und psychische Veränderungen aus. Den "Startschuss" zu dieser Umbruchphase gibt das Zusammenspiel zweier Moleküle im Gehirn. Es handelt sich dabei - wie an Versuchen mit Tieren nahgewiesen wurde, um einen Nervenzellrezeptor, der durch ein Protein aktiviert wird, das auf den sinnigen Namen "KiSS" hört.

Das Hormon GnRH (Gonadotropin Releasing Hormon) gibt dabei den Anstoß für die Wandlungen im Körper. Es entsteht plötzlich in größeren Mengen im Hypothalamus und regt die benachbarte Hirnanhangdrüse an, die Botenstoffe - luteinisierendes Hormon (LH) bzw. follikelstimulierendes Hormon (FSH) - zu bilden, die auf Hoden und Eierstöcke wirken, wo die eigentlichen Geschlechtshormone produziert werden: Testosteron und Östradiol. Jene Signalstoffe gelten als Hauptverantwortliche für die körperliche und psychische Veränderung während der Pubertät. Wurde Tieren nun eine Dosis des Genprodukts von KiSS verabreicht, löste das innerhalb von 30 Minuten eine 25-fache Erhöhung eines anderen kritischen Signalstoffes aus, nämlich des luteinisierenden Hormons.

Die Pubertät bei Kindern setzt demnach ein, wenn das Gehirn Hormone ins Blut auszuschütten beginnt und die Eierstöcke bzw. Hoden zur Produktion von Geschlechtshormonen veranlasst. Die ersten Hormonschübe erfolgen nach neueren Untersuchungen überwiegend im Schlaf, wobei die Konzentration des luteinisierenden Hormons ansteigt. Diese Schübe finden auch vorwiegend in den Phasen tiefsten Schlafes statt, in der besonders langsame Gehirnwellen überwiegen und die Muskeln fast völlig erschlafft sind. Daher ist es für Kinder und Jugendliche in dieser Phase der Entwicklung besonders wichtig, ausreichend und ungestört schlafen zu können, da Teile des Gehirns, die ihr Fortpflanzungssystem aktivieren, durch Schlafmangel oder Schlafstörungen beeinträchtigt werden können (vgl. Shaw et al. 2012).

 

Die Wachstumssteigerung am Beginn des Lebens verlangsamt sich in den ersten drei Lebensjahren stetig, bleibt dann von vier bis zehn Jahre fast konstant bei zirka sechs Zentimeter pro Jahr, um dann bis 14 wieder schnell anzusteigen. Eine gängige Erklärung ist, dass das Körperwachstum verzögert werden musste, um eine Phase zu schaffen, in der die Menschen ungefährdet all die sozialen und kulturellen Fähigkeiten lernen und üben können, die den Menschen ausmachen. Die Pubertät ist daher nicht nur die Zeit der Ausbildung primärer, sekundärer und tertiärer Geschlechtsmerkmale, sondern auch des Größenwachstums. Im Rahmen der Pubertät bringt ein deutlicher Wachstumsschub während einer Periode von 2-4 Jahren zirka 15% der "Endgröße". Während dieser Zeit nimmt der Knochen auch an Dichte zu: bei Mädchen bis zirka 17 Jahre, bei Knaben bis in die frühen zwanziger Jahre.

Die Wachstumssteigerung tritt bei Mädchen vor der Menarche (zwischen 9 1/2 und 14 1/2 Jahren) ein. Danach wachsen Mädchen noch etwa 6 cm. Entsprechend dem unterschiedlichen Körperbau besitzen Mädchen im Alter von 16 Jahren doppelt soviel Fettgewebe wie Knaben.

Bei Knaben liegt die maximale Wachstumssteigerung zwei Jahre später bei 14 Jahren. Bei Knaben verdoppelt sich die Muskelmasse zwischen 10 und 17 Jahren, die Knochenmasse verdoppelt sich zwischen 12 und 16 Jahren.

Wachstumsentwicklung

Die normale Pubertät dauert zirka 4,5 Jahre (3 - 6 Jahre) und beginnt bei Mädchen etwa um 0,5 bis 1,5 Jahre früher als bei Knaben. Zuerst kommt es zum Wachstum der Gebärmutter, zirka 2 Jahre danach entwickelt sich die Brust (8-13 Jahr), dann die Schambehaarung (8-14 Jahr). Die erste Regelblutung (Menarche) tritt mit 10 bis 16 Jahren (zirka 2-2,5 Jahre nach Beginn der Brustentwicklung) ein. Die Ovulation ist anfangs unregelmäßig, regelmäßig wird sie im Durchschnitt nach 6-24 Monaten.

Bei Knaben ist die Pubertät schwerer abgrenzbar. Die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale beginnt mit einer Größenzunahme der Hoden (10 bis 13 1/2 Jahre; von 2 auf 20 ml), dann folgen Schambehaarung (10 - 15 Jahre), Peniswachstum (zirka rund um 14 Jahre; von 5 auf 12 cm). Schließlich folgen Libido (sexuelles Verlangen), Stimmbruch und die Bildung reifer Samenzellen.

Mittleres Alter bei Beginn

Knaben

Mädchen

Brustentwicklung

11,2

Hodenvergrößerung

11,6

Schamhaarentwicklung

13,4

11,7

Maximales Wachstum

14,1

12,1

Menarche

13,5

Schamhaar voll ausgebildet

15,2

14,4

Brust voll ausgebildet

15,3

Knaben - so die These einiger Forscher - sind zwar schon mit 13 oder 14 geschlechtsreif, sehen aber noch nicht wie Männer aus. So können sie das Mannsein üben, ohne Männern als Konkurrenz und Frauen als Verlockung zu erscheinen. Bei Mädchen sei es umgekehrt: Sie sehen weiblich aus, bevor sie - mit 18 - ihre volle Fruchtbarkeit erreichen, auch das schaffe Gelegenheit, das Rollenverhalten zu üben. Das sei dafür ausschlaggebend, dass Erstgeborene bei Menschen seltener früh sterben als bei anderen Arten. Eine Adaption, die der Maximierung des Fortpflanzungserfolgs diene.
Andere Forscher erklären das schnelle Wachstum in der Pubertät als Adaption, die für aufrechten Gang nötig gewesen sei, denn eine kurze Wachstumsphase falle weniger wahrscheinlich mit kargen Jahren zusammen als eine lange. Das impliziert, dass die Pubertät schon den den Homo erectus plagte, der sich vor etwa 2,2 Millionen Jahren aus dem Australopithecus entwickelt hatte.
Andere Forscher meinen, die Latenzzeit der Pubertät diene der Entwicklung der Sprache, der sozialen und kulturellen Fähigkeiten, der Feinabstimmung des Gehirns. So sei die Verlängerung der Kindheit untrennbar mit der überproportionalen Größe des Gehirns verbunden: Erst bei Homo sapiens und Neandertaler ist dieses so üppig und energieaufwendig gewachsen. Der Homo erectus, noch mit relativ kleinem Gehirn, sei dagegen "normal" früh erwachsen geworden.
Deutlich früher erwachsen wurden die Neandertaler, denn diese auf europäische Kälte spezialisierten Menschen hatten es ob der rauen Bedingungen offenbar eiliger mit dem Heranreifen, da sie kürzer lebten. Langes Leben vor allem der Frauen ist wohl eine Bedingung dafür, dass sich der Luxus der hinausgezögerten Reife und verlängerten Kindheit evolutionär durchsetzen konnte: Diese "Großmutter-Theorie" besagt, dass ältere, selbst nicht mehr fruchtbare Frauen in den Gesellschaften unserer Vorfahren wesentlich für die Überlebenschancen der Kinder waren.

Sexuelle Entwicklung

 

Schmerzhafte Regelblutungen (Dysmenorrhoe) werden von zirka 60-70% der weiblichen Jugendlichen berichtet und führen bei zirka 15% zum Fernbleiben vom Unterricht. Wegen der Scheu, über solche Beschwerden zu sprechen, wird die Möglichkeit einer wirksamen Behandlung oft nicht gesucht oder nicht angeboten. Die Beschwerden werden durch Uteruskontraktionen durch Prostaglandine hervorgerufen und kommen bei anovulatorischen Zyklen praktisch nicht vor.

Als prämenstruelles Syndrom werden die während der lutealen Phase des Zyklus vorkommenden, unangenehmen Beschwerden bezeichnet, welche die Betroffene und deren Umgebung erheblich belasten können:

  • Verhaltensänderungen:
  • Ängstlichkeit
    • schwankende Gemütslage
    • Depression
    • Reizbarkeit
    • Erregbarkeit
    • gestörte soziale Interaktion
    • Feindseligkeit
  • Körperliche Veränderungen
    • Gedunsenheit
    • Spannungsgefühl in den Brüsten
    • Ermüdbarkeit
    • Appetitschwankungen

Das prämenstruelle Syndrom kommt bei zirka 40% der weiblichen Jugendlichen vor, unterscheidet sich nicht von den Beschwerden bei erwachsenen Frauen, und korreliert oft mit dysmenorrhoischen Beschwerden.

Dysmenorrhoe und Prämenstruelles Syndrom

 

Die mit der sexuellen Reifung einhergehenden ersten sexuellen Phantasien und Erfahrungen werden unterschiedlich erlebt und ausgelebt: Bei beiden Geschlechtern ist eine homoerotische Durchgangsphase häufig und beinahe obligat. Da sie kulturell noch immer abgelehnt wird, ist sie oft mit Schuldgefühlen besetzt. Enge Freundschaften unter Gleichgeschlechtlichen ersetzen oft die Beziehungen zum anderen Geschlecht, die noch Angst machen und zwar angestrebt, aber auch gefürchtet werden.

Die Masturbation, d.h. die Autosexualität ist die erste Übung in Stimulation und Orgasmus. Diese Übung ist wichtig, kommt bei fast allen Kindern vor, ist unschädlich und ein nützliches und selbstverständliches Ausleben der Natur. Die veraltete Theorie, daß Masturbation schädlich sei sind abzulehnen. Masturbation kommt bei Knaben häufiger als bei Mädchen (nur zirka in 33%) vor. Exhibition der Masturbation und Masturbation in der Gruppe ist nicht selten. Wechselseitige Masturbation kommt vor und ist kein Hinweis auf eine homosexuelle Entwicklung. Erotische Phantasien und Voyeurismus sind bei allen Jugendlichen üblich. Die Phantasien betreffen oft das andere Geschlecht, Verstecken ist an sich das normale Verhalten, Schuldgefühle auf Grund der Angst, etwas falsches getan zu haben, sind häufig und unnötig.

Jedoch ist die Scham gegenüber Erwachsenen sehr stark entwickelt. Pflegepersonen können dabei - oft unbeabsichtigt - leicht "Übergriffe" machen, indem sie zum Beispiel Mädchen auffordern sich in einem Krankenzimmer zu waschen, oder auszuziehen. Kinderkrankenhäuser sind auf Schambedürfnisse auch oft schlecht eingerichtet, sodaß Moment der Beobachtung leicht vorkommen können. Auch innerfamiliär ist Scham häufig und daher sind Jugendliche - auch in einer Ambulanz - zu fragen, ob die Eltern bei der Untersuchung anwesend sein sollen. Die Annahme, daß Mütter immer dabei sein dürfen ist zu überprüfen.

Geschlechtliche Kontakte beruhen bei Mädchen eher auf Liebe, während Knaben vor allem ausprobieren wollen. Ob das so stimmt, ist unsicher. Vieles ist auch einkulturelles "Vor-Urteil". Der Gedanke, daß Knaben lieben, weil sie Geschlechtsverkehr haben und Mädchen Geschlechtsverkehr haben, weil sie lieben, ist vielleicht eine "Mode", die mehr und mehr verschwindet.

Etwa ein Drittel der männlichen und ein Fünftel der weiblichen Schüler hatten in USA 1992 ihren ersten Geschlechtsverkehr vor dem Erreichen des 16. Lebensjahres. Der erste Sexualkontakt wurde bei männlichen Schülern im Mittel mit 16,1 Jahren, bei weiblichen Schülern mit 19,9 Jahren angegeben. In der Schweiz wurde in Jahre 1992 erhoben: Erfahrungen mit Geschlechtsverkehr bei 30% der 16-jährigen, 50% der 17-jährigen und 70% der 19-jährigen Mädchen.

Sexuelle Probleme sind bei Knaben am ehesten vorzeitige Ejakulation oder anlaßgebundene Impotenz ("fear of failure" beziehungsweise moralische Bedenken, Entdeckungsangst unter den üblichen, ungünstigen Umständen). Bei Mädchen wird die Fähigkeit zum Orgasmus oft erst langsam entwickelt; der erste Geschlechtsverkehr ist oft unangenehm oder nichtssagend.

Homosexualität: 11-37% bis 6-13% je nach Studie. Erweckt bei vielen Jugendlichen und deren Eltern unangenehme Gefühle - wird daher verheimlicht und/oder schafft Beziehungsprobleme in der Familie.

Besitzt der Jugendliche ein intaktes Zuhause und in Eltern und Geschwistern gute Identifikationsmöglichkeiten, so wird ihm eine geordnete Integration der verschiedenen Triebe, Gestimmtheiten und Spannungen gelingen.

Kontrazeptiva und Schwangerschaft bei Jugendlichen: Beratung wird meist zu spät in Anspruch genommen; 20% der Schwangerschaften entstehen im ersten Monat, 50% in den ersten 6 Monaten sexueller Aktivität. Nicht jede unerwartete bzw. unerwünschte Schwangerschaft ist gänzlich unbeabsichtigt, sondern manchmal ein Fluchtversuch von Zuhause. Bei Eintritt einer Schwangerschaft wird oft eine Vogel-Strauß-Politik geübt, das heißt die Jugendlichen erstarren in Hilflosigkeit und wissen sich keinen Rat und warten daher oft zu lange, um dann noch adäquate Hilfe zu bekommen.

Sexualität und Sexualbeziehungen

(bisweilen fälschlich als Onanie bezeichnet - deshalb "Fälschlich", weil Onan in der Bibel den coitus interruptus pflegt, weil er von seiner Schwägerin, die er aus religiösen Gründen nach dem Tod seines Bruders in einer Leviratsehe heiraten muß, kein Kind möchte)

 

 

Siehe dazu auch
Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen

 

Medien und Schule sind für die Aufklärung von Grundschulkindern wichtiger als die Eltern, denn in einer Studie des Instituts für Forensische Psychologie in Essen nannten die Kinder zu 65% die Schule und zu 58% die Medien als wichtige Quelle ihres Wissens über Sexualität. Auch die Eltern (63%) schätzen den Einfluss von Schule und Medien als hoch ein, meinen aber zu 70%, dass ihre Kinder Informationen über Sexualität im Wesentlichen von ihnen erhielten. Diese Einschätzung unterscheidet sich aber von den Angaben der Kinder, die nur zu 22% angaben, Informationen zur Sexualität über ihre Eltern zu gewinnen. Eltern meiden Gespräche über konkrete sexuelle Handlungen, glauben aber trotzdem, dass sie ihre Kinder ausreichend aufgeklärt haben. Die meisten Eltern (70%) können von ihren Kindern nackt gesehen werden und einige Eltern (9%) berichten, dass ihre Kinder sie schon einmal bei sexuellen Handlungen beobachtet haben. Die meisten Eltern (75%) gaben an, das Thema des sexuellen Missbrauchs allgemein angesprochen zu haben, allerdings nur 16% in ausführlicher, konkreter Form. Der überwiegenden Mehrheit der Kinder (78%) sind Begriffe wie sexueller Missbrauch bekannt, doch auch die ausführlicher informierten Kinder zeigenkeine angemessenen Kenntnisse, denn in der Mehrheit wird sexueller Missbrauch sowohl von Eltern als auch Kindern mit einem fremden, gewalttätigen Verbrecher assoziiert.

Gerade die mangelnde Aufklärung hat soziologische Folgen und beeinflusst somit die internationalen Geburtenstatistiken. Aufgrund dessen, dass Jugendliche heutzutage wesentlich früher dem Sexualtrieb aufgrund medialer optischer Reize nachgehen und die fundamental notwendige Aufklärung wegen zu straffer Curricula zumeist vernachlässigt wird, versickert die Verhütung thematisch fast gänzlich. Bestehendes Halbwissen wird meist viral zwischen den Jugendlichen weitergegeben. Und die Statistiken für Jugendliche, die einen Vaterschaftstest durchführen lassen, stiegen in den vergangenen Jahren rasant und scheinen mittlerweile schon fast einen Klimax zu erreichen.

Sexualisierung geschieht vor allem in den Medien, denn Illustrierte, Fernsehprogramme, Videospiele und Musikvideos blenden in der Darstellung von Personen häufig alle Charakteristika aus, die nicht auf Sexappeal oder Sexualverhalten beruhen, was besonders bei jungen Mädchen zu einem Mangel an Vertrauen in den eigenen Körper, zu Depressionen, Essstörungen und zur negativen Beeinträchtigung der sexuellen Entwicklung führen kann. Goodin et al. (2011) untersuchte Kleidungsstücke für Mädche auf dem Hintergrund der "Objektifizierungstheorie", die besagt, dass Frauen in westlichen Kulturen oft als Objekt männlicher Begierde dargestellt werden, was dazu führt, dass eine Art "Selbst-Objektifizierung" eintritt, d.h., die Mädchen verinnerlichen die Botschaft und betrachten ihren Körper selbst als eine Art Gegenstand, der ausschließlich unter dem Aspekt ihrer meist sexuellen Attraktivität beurteilt wird. Eine Untersuchung der Kleidungsstücke für Mädchen unter 12 Jahren auf den Online-Seiten von großen Kindermode-Ketten in den USA zeigte, dass ein bedeutender Anteil des Angebots Mädchen sexualisiert und dazu beiträgt, dass diese ihren Körper ausschließlich unter dem Aspekt der Attraktivität wahrnehmen. 69% der bewerteten Kleidung gehörte in die Kategorie kindlich, etwa aufgrund von Schleifen, Punktmustern oder Tieraufdrucken, 4% bewerteten sie als sexualisieren', wozu etwa Shirts mit Spitzenwäschestoff, Kleidung mit vorgetäuschten Brüsten oder Hosen mit aufmerksamkeitsheischendem Poaufdruck zählten. Bei 25% Prozent der Kleidung waren kindliche und sexualisierte Merkmale vermischt. Zwar wird sich nicht jedes Mädchen durch aufreizende Kleidung bereits als Sexualobjekt betrachten, doch wird dadurch die Botschaft vermittelt, dass die Frau ein Blickfang zu sein hat. Eltern sollten beim Einkauf daher gut überlegen, was sie für ihr Kind wollen.

Aufklärung durch Medien und Schule

Quellen

Goodin, Samantha M., Denburg, Alyssa. Murnen, Sarah K. & Smolak. Linda (2011). 'Putting on' Sexiness: A Content Analysis of the Presence of Sexualizing Characteristics in Girls’ Clothing. Sex Roles, DOI: 10.1007/s11199-011-9966-8

Nonhoff, Katja & Orth (2009). Prävention von sexuellem Missbrauch - Sexuelle Aufklärungsbeiträge von Eltern, Schulen, Organisationen. Kindesmisshandlung- und Vernachlässigung, Heft 12.

Nach Schätzungen haben 30 Prozent der acht- bis 13-jährigen schon Kontakt mit Pornographie im Netz, denn in der Regel verhindert nur eine Klickbestätigung, schon 18 Jahre alt zu sein, um auf einschlägigen pornografischen Seiten im Internet somit Fotos und Videos anschauen zu können. Kinder und Jugendliche werden sehr früh mit einer Fülle von für sie völlig ungewohnten Bildern konfrontiert, was zu einer neuen Form der sexuellen Entwicklung führt, diese nämlich allein durch Anschauung kennenlernen zu können und zunächst ohne eigene Erfahrungen zu erleben. Vor allem bei Jugendlichen kann das Ausmaß der Pornographie im Internet die Individualität der sexuellen Entwicklung verdrängen, wobei die Bewegungsabläufe, die Kinder auf den einschlägigen Seiten sehen, ein Lernen am Modell ermöglich und visuell die gesamte Bandbreite sexueller Handlungen zugänglich macht, und zwar auch solche, die ungewöhnlich sind und eher Rückschlüsse auf perverse Neigungen nahelegen. Demütigungspraktiken und Gewaltpräferenzen sind in vielen einschlägigen Internetangeboten an der Tagesordnung und es ist naiv anzunehmen, dass durch solche Bilder und Filme nicht auch die sexuelle Präferenzstruktur Heranwachsender beeinflusst wird. Die jungen NutzerInnen identifizieren sich bei der Betrachtung mit Rollen, die oft wirklichkeitsfern sind, wobei etwa Mädchen lernen, als Objekt behandelt zu werden und später sich genötigt sehen, durch Konformitätsdruck in Gruppen solche Rollen auch zu übernehmen.

Es existieren noch wenige Untersuchungen, die die Wirkung von Pornographie auf Jugendliche direkt betreffen. Eine häufig geäußerte Hypothese lautet, Pornographie verursache Vergewaltigungen und Sexualstraftäter seien durch Pornographie beeinflußt. Diese Hypothese ist von entscheidender Bedeutung für das Verbot von Pornographie für Jugendliche. Forschungen an Sexualstraftätern zeigen aber, dass Sexualtraftäter selten durch von der Norm abweichende Moralvorstellungen auffallen, vielmehr sind diese im Gegenteil oft rigide Moralisten. Vergewaltiger konsumieren weniger Pornographie als Nicht-Vergewaltiger, dies gilt auch für die meist besonders kritisierte sado-masochistische Pornographie. Vergewaltiger sind sexuell weniger aufgeklärt und entstammen einem sexuell restriktiven Elternhaus. Vergewaltiger wurden häufig rigide religiös indoktriniert und verfügen über eine nur unzureichende Sexualausbildung. Sexualstraftäter kommen meist aus einem sexualrepressiven Elternhaus. Weitere Forschungen unterstützen darüber hinaus die Hypothese einer Triebabfuhr (Katharsis-Hypothese), die nach dem Konsum von Erotica auftritt.

Nach einer Untersuchung am Castleton State College in Vermont hervor, dass Jugendliche, die vermehrt pornographischen Inhalten im Internet ausgesetzt sind, ihre Jungfräulichkeit früher verlieren als andere Altersgenossen. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass männliche Teenager zwischen zwölf und 17 Jahren, die regelmäßig pornographische Angebote im Netz konsumieren, zu einem früheren Zeitpunkt sexuell aktiv werden. Vor allem das Imitieren der im Internet gesehenen Sexualpraktiken birgt einiges an Gefahrenpotenzial. Allerdings können in solchen Studien Ursache und Wirkung nicht eindeutig bestimmt werden. Ähnlich wie bei vielen Untersuchungen über die Wirkung von Gewalt in Medien stellt sich auch in diesem Fall die Frage, was die Ursache und was die Wirkung ist. Das Internet hat jedoch einen beschleunigenden Effekt und beeinflusst und verändert die Verhaltensweisen, zeigte Shane Krauss (Castleton State Colleg) in einer Studie, in deren Rahmen Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren zu ihrem Sexualverhalten befragt worden sind. Vor allem orale Sexpraktiken werden im Durchschnitt drei bis vier Jahre früher von jenen Teenagern angewandt, die ähnliches bereits zuvor im Internet gesehen haben. Auch die erste sexuelle Handlung finde innerhalb dieser Gruppe von Erfahrenen zwei Jahre früher statt als bei Jugendlichen desselben Alters, die noch keinen Kontakt zu Pornoinhalten im Internet hatten. Viele Jugendliche beziehen ihre sexuelle Aufklärung über pornographische Inhalte im Web, wobei die mangelnde Medienkompetenz der Eltern in dieser Hinsicht ein zentrales Problem darstellt. Eine gemeinsame Diskussion und Reflexion über solche Problembereiche findet innerhalb der familiären Gemeinschaft praktisch nicht statt, wobei ein Verbot alleine nicht ausreicht.

Kontrovers Kurt Starke (2010), der meint Pornografie hat keine schädlichen Wirkungen auf Jugendliche: "Eine schädliche Wirkung von Pornografie per se auf Jugendliche kann nicht belegt werden. Es gibt zwar eine Fülle von Hypothesen und Vermutungen über die Schädlichkeit, aber genaue und übergreifende Befunde liegen nicht vor. Wenn Pornografie verdammt wird, dann werden auch jugendliche Motive der Zuwendung zu Pornografie entwertet. Neugier, Erkenntnisdrang, Lernlust, Spaß, Erfahrungssammlung, Bewertungsübung, vor allem aber sexuelle Lust und sexuelle Befriedigung Jugendlicher werden ins sittliche Abseits gestellt. Die Pornografie ist dann nur der Sack, der geprügelt wird - gemeint ist die sexuelle Selbstbestimmtheit Jugendlicher. Gewalt oder rückständige Frauen- und Männer-Rollen sind nicht pornografiespezifisch und keine invarianten Merkmale von Pornografie. Sie müssen nicht nur dort und nicht nur in Medienangeboten überhaupt, sondern primär da bekämpft werden, wo sie sich real finden und ihren Boden haben, nämlich in der gesellschaftlichen Wirklichkeit; sie müssen nicht als Symptom therapiert, sondern in ihren Ursachen erkannt werden, um ihnen entgegentreten zu können. Geschieht dies nicht, hat der Kampf gegen Pornografie nur eine Alibifunktion (...) So groß und bunt und schreiend und verzweifelt werbend die pornografische Welt auch ist und so sehr sie durch Verbote auch Auftrieb erhält - die überkommenen Standards von Pornografie, die noch die Erwachsenengenerationen in Aufregung versetzen konnten, werden allmählich unspektakulär und blasser. Die übliche Pornografie ist altmodisch geworden und wird in der jugendlichen Popkultur persifliert, verspottet und entsexualisiert und zunehmend durch neue Formen sexueller Darstellungen ersetzt, die insbesondere bei jungen Menschen Anklang finden. Dass realer Sex von denen, die ihn haben, per Handy verbreitet oder ins Internet gestellt wird, ist ein Ausdruck dafür. Jugend ist anders geworden. Pornografie wird anders verbreitet und aufgenommen. Damit sind die vermuteten schädlichen Wirkungen auf Jugendliche reine Fiktion geworden - sofern sie denn je bestanden haben."

Wirkung von Pornographie auf Jugendliche

Zusammengefasst nach:
Erik Möller (2000). Wirkung von Pornographie auf Jugendliche.
WWW: http://www.scireview.de/vortrag/ (03-08-30)

http://www.csc.vsc.edu

 

Quellen:
D. Mutz, Ingomar & J. Scheer, Peter (1997). Pubertät und Adoleszenz.
WWW: http://www.ufg.ac.at/be/studienrichtung/public_html/schulpraxis/pubertaet.doc (02-12-24)
Shaw, N. D., Butler, J. P., McKinney, S. M., Nelson, S. A., Ellenbogen, J. M., & Hall, J. E. (2012). Insights into Puberty: The Relationship between Sleep Stages and Pulsatile LH Secretion. Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 97.
Starke, Kurt (2010). Pornografie und Jugend - Jugend und Pornografie. Berlin: Pabst.

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