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Literatur & Quellen:
Tenzer, Eva (2009). Think negative! FAZ vom 28. Januar 2009.

http://de.wikipedia.org/wiki/
Positives_Denken (09-03-02)

http://www.zeitzuleben.de
/affirmationen.html (09-05-04)

Rohner, Koni (2009). Sie nervt mit positivem Denken.
WWW: http://www.beobachter.ch/
leben-gesundheit/psychologie/artikel/
koni-rohner-zu-selbsthilfe-bestseller_
sie-nervt-mit-positivem-denken/ (09-07-22)

Sevincer, A. T., Wagner, G., Kalvelage, J. & Oettingen, G. (2014). Positive Thinking About the Future in Newspaper Reports and Presidential Addresses Predicts Economic Downturn. Psychological Science, doi: 10.1177/0956797613518350

Positives Denken - eine Kritik

Eine nicht auszurottende psychologische Halbwahrheit ist mittlerweile schon ins allgemeine Bewusstsein gesickert und hält sich dort hartnäckig: "Du musst nur fest an den Erfolg glauben, dann klappt das schon.“ So liest man auf einer Website: "Positives Denken wirkt sich auf alle Bereiche Ihres Lebens aus: auf Ihre Gesundheit, auf Ihr seelisches Wohlbefinden, auf Ihre geistigen Fähigkeiten und auf Ihre Wahrnehmung, auf Ihre beruflichen und finanziellen Erfolge und auf Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen."

Das heute oft anzutreffende Diktat des positiven Denkens vor allem in den USA hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert, denn damals war positives Denken eine Form des Widerstandes gegen den Calvinismus, den Siedler mitgebracht hatten. Ihr Gott liebte seine Geschöpfe nämlich nicht bedingungslos und in seinem Himmel gab es nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen, d.h., man musste ständig den Sünden in sich nachforschen, wodurch es zwangsläufig zu einer Art sozial auferlegter Depression kam, die die Menschen negativ und somit krank machte. In dieser Situation sagten die positiven Denker, dass es ist nicht so schlimm sei und Gott sie nicht hasse, was den Betroffenen natürlich gut tat.

Das Positive Denken ist einvor allem im Bereich der populärwissenschaftlichen Psychologie oft von selbsternannten "Experten" oder "Motivationstrainern" verbreitetes Konzept, das als Ideologie in Psychokursen und Persönlichkeitsseminaren oder in der entsprechenden Ratgeberliteratur propagiert wird. Synonyme sind dafür oft auch "neues Denken", "richtiges Denken", "Kraftdenken" oder "mentaler Positivismus".

Es gibt zwar einige Studien, die die Wirksamkeit der Positiv-Denken-Strategie bestätigen, aber in vielen Fällen schadet positives Denken mehr als es nützt und können manche Menschen sogar daran hindern, ihre Ziele zu erreichen. Man nimmt nach neuesten Forschungen an, dass positives Denken zwar bestimmte Persönlichkeiten weiterbringt, doch manchmal kann es hilfreicher sein, in negativen Phantasien zu schwelgen. Manche Menschen lassen sich von blumigen Tagträumen einschüchtern, reagieren deprimiert und ernten Misserfolge, je fester sie an die Erfüllung ihrer Wünsche glaubten. Eine positive Zielimagination hellt zwar kurzfristig die Stimmung auf und erlaubt es manchen, alternative Realitäten zu simulieren sowie wichtige Ziele zu erreichen.

Vor allem Menschen mit einer hohen Leistungsmotivation und mit einer geringen Furcht vor Misserfolgen profitieren von solchen Imaginationen, aber auf Geringmotivierte wirken sich solche positiven Zielimaginationen hinderlich aus und können bei ihnen regelrechte Motivationskurzschlüsse hervorrufen, indem die Motivation zur Verfolgung des Ziels geradezu gelähmt wird.

In einer Untersuchung von Gabriele Oettingen über Jobsuchende zeigte sich, dass Bewerber mit idealisierend positiven Erfolgsphantasien nach dem Abschluss weniger Bewerbungen schrieben und auch weniger Angebote bekamen, nach zwei Jahren weniger verdienten als ihre Konkurrenten ohne Tagträume. Offensichtlich hatten die Phantasieerfolge sie dazu verführt, die erwünschte Zukunft schon zu genießen, so dass sich keine Notwendigkeit ergab, den Erfolg durch mühsames Planen tatsächlich herbeizuführen. Auch die Mentaltricks der Spitzensportler, die oft als Allheilmittel verkauft werden, können negative Konsequenzen haben, wenn sie den falschen Menschen aufgezwungen werden, da die Wirkung von der Psyche dann als unglaubwürdig eingestuft wird. Heroische Phantasien führen ihnen nämlich nur vor Augen, welche Ziele außerhalb ihrer Möglichkeiten liegen. Das verstärkt dann die negative Stimmung und stimmt pessimistisch und gleichgültig. Hier hilft eine realistische Einschätzung und das Durchspielen möglicher Schwierigkeiten und Misserfolge, denn wer sich machbare Ziele steckt, sollte sich nicht nur die erwünschte Zukunft lebhaft vorstellen, sondern auch die möglichen Hindernisse auf dem Weg dorthin vorwegnehmen. Für manche Menschen ist es also besser sich vorzustellen, was im schlimmsten Fall passieren kann, denn das lässt sie oft erkennen, dass negative Konsequenzen einer Entscheidung durchaus tragbar wären. Vor allem sachlich-problemorientierte Menschen profitieren von diesem skeptischen Blick auf die Zukunft, denn ihre Stärke liegt im analytisch-kritischen Denken und sie haben das Gefühl, sich selbst zu täuschen, wenn sie unbedingt alles positiv sehen sollen.“ Wer sich außerdem schnell unter Druck setze oder setzen lasse, habe oft Schwierigkeiten mit starken Erfolgsphantasien. Solche Persönlichkeiten würden eher schwächer als stärker, wenn sie rigoros positiv denken sollten. Julie Norem (Wellesley College, Boston) wie in einem Experiment nach, dass pessimistische Studenten deutlich schlechtere Prüfungsleistungen erbringen, wenn ihnen vorher optimistische Denkstrategien aufgezwungen werden. Sie schnitten besser ab, wenn sie sich vorher intensiv einen Misserfolg ausmalen durften.

Zwei Studien zu den wirtschaftlichen Folgen positiven Denkens (Sevincer et al., 2014) haben überprüft, ob auch gesamtwirtschaftlich jene Folgen auftreten, die man im täglichen Leben nachgewiesen hat, etwa dass sich Studenten seltener und erfolgloser bewerben, wenn sie von einem tollen Job träumen, sich Patienten von einer Hüftoperation langsamer erholen, wenn sie von einem zu positiven Ergebnis ausgehen, Übergewichtige weniger Gewicht verlieren, wenn sie das Abnehmen idealisieren, Menschen in einer Woche weniger erledigen, wenn sie ihre Zukunft durch eine rosarote Brille sehen oder Studenten schlechtere Noten schreiben, Probleme nicht lösen und Pläne unzulänglich umsetzen, wenn sie in Gedanken an große Studienerfolge schwelgen. Dafür wertete man mittels einer Computeranalyse die Leitartikel der Wirtschaftsseite einer Tageszeitung aus, die in der Krisenzeit 2007 bis 2009 erschienen, und verglich, wie sich eine Woche und einen Monat später der Dow-Jones-Index entwickelte. Auch analysierte man die Antrittsreden der amerikanischen Präsidenten von 1933 bis 2009 auf positives Denken und verglich am Ende ihrer vierjährigen Amtszeit den wirtschaftlichen Erfolg (Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosenquote). Das Ergebnis bestätigte, dass es zu einem sinkenden Aktienindex nach optimistischen Zeitungsartikeln kam, und auch weniger Wirtschaftsleistung und mehr Arbeitslosigkeit nach blumigen Antrittsreden konnten bestätigt werden. Positives Denken einflussreicher Wirtschaftsjournalisten oder Präsidenten endete also in krisenhaften gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen, wobei man nicht ausschließen kann, dass diese Zusammenhänge durch Drittvariablen zustande kommen, etwa durch ein getrübtes Konsumklima oder eine ungünstige Auftragslage der Unternehmen. Man kann daraus den Schluss ziehen, dass ein kulturelles Klima, das davon bestimmt ist, positiv an die Zukunft zu denken, ein wichtiger psychologischer Faktor ist, der eher nicht zu einem wirtschaftlichen Aufschwung sondern eher zu einem Abschwung führt.

Oswald Neuberger sieht in der Methode des Positiven Denkens eine zirkuläre Falle: "Wenn du keinen Erfolg hast, dann bist du eben selber schuld, weil du es offensichtlich nicht richtig probiert hast. Der Trainer aber bleibt unfehlbar."

Barbara Ehrenreich warnt in ihrem Buch "Smile or Die" vor der verdummenden Ideologie des positiven Denkens und schildert die demoralisierende Wirkung einer selbst verordneten Hurrakultur. Sie belegt darin in fundierter Weise, dass der Zwang zum Glücklichsein nicht nur blind für die Realität macht, sondern wegen des ständigen Scheiterns eigener Glücksansprüche auf die Dauer auch depressiv. Ehrenreich analysiert all die Wunderheiler, Hersteller von Schutzengeln und Verkäufer falscher Hoffnungen etwa bei Erkrankungen.

Die Arbeit mit Affirmationen ist dennoch ein wichtiges Instrumentarium der beratenden Psychologie:

Affirmationen

Affirmationen sind in der Psychologie immerhin aber eine der möglichen Methoden, wenn es darum geht, sich selbst zu ändern. Unter Affirmation versteht man dabei einen selbstbejahenden Satz, den man sich selbst wieder und wieder sagt, um die Gedanken allmählich umzuprogrammieren. Das Ziel dabei ist, das Verhalten und die Gefühle zu dauerhaft zu verändern, denn Denken, Fühlen und Handeln hängen wechselseitig zusammen und wenn man seine Gedanken durch Affirmationen dauerhaft ändert, dann ändert sich nach einiger Zeit vielleicht auch das Verhalten und vielleicht auch die damit verbundenen Gefühle. Affirmationen sollte man auch eher indirekt formulieren, wobei man selbst herausfinden muss, ob man sich wohl mit der Affirmation fühlt oder nicht.
Man kann Affirmationen auch nutzen, um Probleme zu bearbeiten, wenn man weg von etwas Unerwünschtem will, wobei es wichtig ist, das Problem in ein Ziel umzuwandeln: “Was will man anstelle dessen?” Wenn man ein Affirmationstraining ein paar Tage gemacht hat, merkt man normalerweise die ersten Ergebnisse. Manchmal gibt es auch eine Erstverschlimmerung, d.h., es wird also erst einmal kurz schlimmer, bevor es besser wird. Man sollte sich dann selbst nicht zu viel Druck machen. Viele Menschen fangen an, ihre Affirmationen zwar zu verinnerlichen und hören dann aber viel zu früh damit auf, sodass sich das alte Verhalten und die alten Gefühle, die tief sitzen, wieder durchsetzen können.

Gefährlicher Rat an Traurige, doch an etwas Schönes zu denken

Ist jemand in einer positiver Stimmung, ist es egal, ob er oder sie an etwas Schönes oder Trauriges in der Vergangenheit zurückdenken, denn danach geht es ihm oder ihr besser. Jedoch gilt nicht der Umkehrschluss: Der gut gemeinte Ratschlag, an etwas Schönes zurückzudenken, wenn sich jemand in einem Tief befindet, ist sogar schädlich, denn Internetstudien von Jochen Gebauer (Institut für Psychologie der Humboldt Universität Berlin) lassen den Schluss zu: Auch die Erinnerungen an schöne Ereignisse fühlen sich für Menschen in negativer Stimmung ewig weit weg an, sodass es ihnen danach meist noch schlechter geht. Eine Erkenntnis, die nach Meinung von Gebauer in die Betreuung von Personengruppen, die alt, krank oder depressiv sind, einfließen sollte.

Positives Denken und Positive Psychologie

Zahlreiche Ratgeber des positiven Denkens stellen für viele unbedarfte LeserInnen daher eher eine Gefahr dar, denn die Anbieter sind mehr gute Verkäufer als seriöse Wissenschaftler. Autoren wie Dale Carnegie oder Joseph Murphy, die behaupten, dass der Mensch mittels Vorstellungskraft Einfluss auf sein Unterbewusstsein nehmen können, sind noch immer Bestseller. Um ihre Methode zu propagieren, stellen sie natürlich nur erfolgreiche Beispiele vor. Und wenn trotz intensiver Autosuggestion von Zeit zu Zeit Misserfolge, Niederlagen oder Rückschritte passieren, wird dies als persönliches Versagen interpretiert und führt häufig zu Selbstvorwürfen und Depressionen. Allerdings lässt sich die Wirkung des positiven Denkens lässt nach wissenschaftlichen Kriterien aber nicht beweisen.

Man darf das "positive Denken" nicht mit der "positiven Psychologie" verwechseln, denn dabei handelt es sich um einen wissenschaftlichen Ansatz, mit dem seit den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts intensiv geforscht wird. Ein wichtiger Vertreter der positiven Psychologie ist Martin E. P. Seligman. Die Grundidee der positiven Psychologie besteht darin, sich in der Forschung weniger mit seelischen Krankheiten zu befassen, sondern mit den Bedingungen für Gesundheit und Wohlbefinden. Während in psychologischen Zeitschriften weltweit rund 80000 wissenschaftliche Artikel über Depression erschienen sind, waren es nur 4000 über Lebenszufriedenheit, und 20000 Untersuchungen über Angst stehen nur 780 über Mut gegenüber. Bei der Frage danach, was gesund und gut für den Menschen sei, haben die Forscher auch die Antworten der Philosophien und Religionen der verschiedenen Kulturen herangezogen. Sie wiesen nach, dass die altbekannten Tugenden Weisheit, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mässigung sowie die Fähigkeit, spirituelle Erfahrungen zu machen (Transzendenz), auch heute nützlich für die Lebensbewältigung sind und zu mehr Zufriedenheit führen. Die Forscher haben 24 Stärken benannt, die es braucht, um diese Tugenden zu erreichen, unter anderem Optimismus, Begeisterungsfähigkeit, Bindungsfähigkeit, Neugier, Dankbarkeit, Ausdauer und nicht zuletzt Humor. Zum glücklichen Leben, haben sie auch entdeckt, gehören nicht nur Genuss und Vergnügen, sondern ebenso, dass man sich für Menschen, den Beruf, Projekte oder die Familie engagiert und dass man das Gefühl hat, das eigene Leben habe einen Sinn. Man kann den sechs Tugenden die 24 Charakterstärken folgendermaßen zuordnen:

Ähnlich wie bei den Ansätzen der Salutogenese (salut = gesund und genesis = Entstehung) – die Lehre davon, wie Gesundheit entsteht – wird also nicht die Vermeidung, Abwendung oder Heilung von Krankheit untersucht, sondern umgekehrt, was Menschen stärkt und was ihnen gut tut, d.h., was ihnen im positiven Sinne zu einem produktiven und erfüllten Leben verhilft. Die drei Säulen und Ziele der Positiven Psychologie sind die Ausrichtung auf das Positive, die wissenschaftliche Fundierung und die positive Wirkung auf Erleben und Verhalten im Alltag. Dabei unterscheidet man vier Strategien:

Martin E. P. Seligman: "Wir können der Welt zeigen, welches Verhalten zu Wohlbefinden führt, zu positiv gesinnten Menschen, zu blühenden Gemeinschaften und zu einer gerechten Gesellschaft." Der diesem Glauben zugrundeliegende Gedanke, es liege vor allem an der Einstellung eines Menschen zu seinen Erfahrungen, wenn diese vor allem unerfreulicher Art seien, ist zwar traditionell psychologisch, enthält jedoch eine radikale Steigerung, wenn versprochen wird, man könne Leid nicht nur lindern, sondern das Glück von vornherein an dessen Stelle setzen. Die "positive Psychologie" unterscheidet sich von der "negativen" dadurch, das diese sich mit den menschlichen Niederlagen beschäftigt, mit Kummer, Trauer, Angst, Sorge und Wahn, während jene ganz dem psychischen Wohlbefinden gewidmet istl. Die "positive Psychologie" ist zumindest teilweise die Reaktion der klassischen Psychologie auf die Fortschritte der Pharmakologie, die sich mit den "mood stabilizern" verbinden, die in einer Gesellschaft entsteht, in der die Einnahme von Antidepressiva zum gewöhnlichen und anerkannten Umgang des Menschen mit sich selbst gehört. So entstehen Pessimisten und Optimisten, Menschen also, die eine bestimmte Haltung zu ihren Erfahrungen einnehmen, die mit den Inhalten dieser Erfahrungen wenig zu tun haben, Charaktermasken, Heuchler und Poseure also (vgl. Steinfeld 2009).

Martin Seligman: Why is psychology good?

Pessimismus und Optimismus

Der Mechanismus ist bei Optimist und Pessimist exakt derselbe: Jeder verallgemeinert: Der Optimist verallgemeinert das Gute, der Pessimist das Schlechte. Beide sehen eine Singularität: Der Optimist im Schlechten, der Pessimist im Guten.

Dass Pessimismus Menschen auch gesundheitlich belastet, gehört wohl schon zum Allgemeinwissen, wobei eine niederländische Untersuchung bei Männern auch empirisch nachgewiesen hatte, dass eine negative Einstellung die Sterblichkeit von Männern steigert. Nun untersuchte Hilary Tindle (Universität Pittsburgh) in einer Langzeitstudie rund 97 000 Frauen im Alter von 50 bis zu 79 Jahren, die anfangs weder an Herzproblemen noch an Krebs litten, hinsichtlich ihrer Einstellung zum Leben. Die Frauen waren in der Women's Health Initiative (WHI) erfasst worden, der weltweit größten Studie zur Frauengesundheit, in der seit 1991 Krebs, Herzleiden, Osteoporose und der Einfluss der Hormonbehandlung untersucht werden. Ob die Teilnehmerinnen zu den Optimisten oder Pessimisten zählten, wurde anhand eines Fragebogens ermittelt. Wer die Beschreibung "In unsicheren Zeiten erwarte ich meist das Beste" für sich für zutreffend hielt, galt als optimistisch. Wer hingegen der Behauptung "Wenn etwas bei mir schiefgehen kann, geht es schief" zustimmte, wurde zu den Pessimisten gezählt.

Es zeigte sich, dass eine positive Lebenseinstellung das Risiko von Frauen für Herzerkrankungen senkt, wobei diese dabei seltener an Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, hohen Cholesterinwerten und Depressionen litten. In den acht Jahren war das Risiko der optimistischen Frauen für eine Herzerkrankung um neun Prozent geringer als das der Pessimistinnen. Das allgemeine Sterberisiko lag sogar um 14 Prozent niedriger, das der Frauen, die zynisch, misstrauisch und feindselig durchs Leben gehen, lag um 16 Prozent höher als das jener Teilnehmerinnen, die gelassen waren.

Link: http://pmbcii.psy.cmu.edu/tindle/index.html

Abstract: Hilary A. Tindle MD, MPH*, Yue-Fang Chang PhD, Lewis H. Kuller MD, DrPH, JoAnn E. Manson MD, DrPH, Jennifer G. Robinson MD, MPH, Milagros C. Rosal PhD, Greg J. Siegle PhD, and Karen A. Matthews PhD (2009). Optimism, Cynical Hostility, and Incident Coronary Heart Disease and Mortality in the Women's Health Initiative. Circulation, August 10, 2009, doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.108.827642.

Zeitempfinden wichtig

Menschen können im Allgemeinen nur auf Grund von Vergangenem und dessen Bewertung die eigene Position im Hier und Jetzt definieren und verstehen, wobei das je nachdem, wie man sich ein Ereignis in der Zukunft vorstellt, motivieren oder demotivieren kann. Untersuchungen zeigen, dass es Optimisten dabei schlechter als Pessimisten geht, denn da Optimisten auch die Gegenwart positiv einschätzen, ist eine ebenso positive Zukunft gar nicht so motivierend. Wenn es aber einem Pessimisten gelingt, die Zukunft positiver zu malen, dann kann ihn das durchaus motivieren, um dorthin zu kommen. Dabei dient das persönliche Zeitempfinden als Selbstschutz, denn Menschen verlagern schuldauslösende Ereignisse weiter in die Vergangenheit, um sich davon abzuschirmen, da das das Schuldgefühl lindert. Etwas zeitlich weiter von sich wegzuschieben hilft dabei, es abzuschliessen, während ein Zeitmarker in der nahen Zukunft die Motivation fördern kann.

Positive Psychologie heute

Die "positive psychology" ist in den USA während der vergangenen zehn Jahre zu einer erfolgreichen akademischen Disziplin geworden, wie 2009 der erste Weltkongress der "International Positive Psychology Association" mit 1500 Wissenschaftler aus über fünfzig Ländern in Philadelphia zeigte. Der erste Studiengang mit Doktorat ist eingerichtet und jedes Jahr fließen viele Millionen in die Forschung, die entsprechenden Artikel werden jetzt in den anerkannten psychologischen Zeitschriften veröffentlicht, das Militär hat ein Programm namens "comprehensive soldier fitness" geschaffen, in dem der psychischen Belastbarkeit der Rekruten aufgeholfen werden soll. Inzwischen gibt es sogar eine Software für das iPhone - Live Happy, verfasst von Sonja Lyubomirsky, Psychologin an der Universität von Kalifornien in Riverside: "The interactive iPhone application contains surveys and activities to help you understand yourself better and put yourself on the road to improvement. iPhone app Live Happy aims to boost your happiness using the research of Dr. Sonja Lyubomirsky, author of The How of Happiness and psychology professor at University of California, Riverside. The research of Lyubomirsky and others shows that people who complete specific activities on a regular basis can grow happier. This application is an ideal one for the iPhone as you can do the exercises whenever and wherever you want. The tasks don't take much of your time because they range from thanking a friend and writing in a gratitude journal to taking in a happy moment and doing random acts of kindness".

Während sich ein Großteil der Forschung auf dem Gebiet der positiven Psychologie auf die Erfüllung und das Glück des Einzelnen konzentriert, untersuchen nur wenige Forscher, wie es zum Wohl der Allgemeinheit beiträgt, also Forschung über Dankbarkeit, Mitleid, Selbstlosigkeit, Ehrfurcht oder gute elterliche Fürsorge. Christine Carter untersucht unter anderem die Unterstützung und Förderung von Eltern bei der Erziehung von Kindern, die die emotionalen Grundregeln beherrschen, also die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und die anderer zu verstehen und mit ihnen richtig umzugehen. Sie hat dabei festgestellt, dass Eltern, die bewusst die Dankbarkeit und Großzügigkeit ihrer Kinder kultivieren, beobachten können, dass diese glücklicher und belastbarer werden. Bei Studenten hat Rodolfo Mendoza-Denton festgestellt, dass Bekanntschaften zwischen Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft das Leben auf dem Campus bereichern können. In seiner Studie lernten sich weiße und Latinostudenten mit starken Rassenvorurteilen bei mehreren Treffen zu zweit besser kennen, wobei während des Experiments deren Cortisolspiegel nach und nach sanken und auch nach dem Ende des Experiments kamen diese Studenten besser mit Kollegen anderer Ethnien aus vgl. (Anwar 2009).

Negative Gefühle und schlechte Laune akzeptieren

Negative Gefühle haben eine wichtige Alarmfunktion, d.h., sie melden sich zu Wort, wenn akuter Handlungsbedarf besteht und warnen die Menschen, wenn sie wichtige Bedürfnisse und Sehnsüchte übergehen, oder wenn sie sich ihren Belastungsgrenzen nähern. Schlechte Laune hat also durchaus ihren Sinn und trägt zur Psychohygiene bei, wenn man sie zu deuten und zu akzeptieren weiß, gelassen mit ihr umgeht, denn das ist der Schlüssel zu einem harmonischen Umgang mit sich selbst. Gerade heute ist es verpönt, sich zu seiner schlechten Laune zu bekennen, aber man sollte sich ab und zu eine schlechte Laune genehmigen, etwa bei

Menschen, die stets gut drauf sind, sind oft Gute-Laune-Terroristen, aber die Unterwerfung und Überanpassung an die Dogmen des positiven Denkens sind auf Dauer schädlich, denn sie führen zur Selbstüberforderung und zur Entfremdung vom eigenen Ich. Verinnerlicht man die Glaubensbotschaften des positiven Denkens unreflektiert, wirken sie im Untergrund der Psyche weiter.

Flourish

Übrigens schreibt Martin Seligman in seinem neuen Buch "Flourish", dass das Glück überbewertet wird, denn ihm sind einige Unzulänglichkeiten aufgefallen. Erstens wird das Wort Glück gewöhnlich mit einem Zustand der heiteren Gefühle assoziiert, doch diese positiven Emotionen sind nur ein Element in seiner Theorie des Glücks. Glück entsteht durch drei Elemente: positive Emotionen, Selbstverwirklichung und Bedeutung im Leben (meaning), wobei es bei der Selbstverwirklichung darum geht, seine eigenen Stärken zu erkennen und sie in einer Tätigkeit anzuwenden, in der man völlig aufgehen kann. Bedeutung im Leben meint dabei, seine Stärken und Tugenden zugunsten eines höheren Ziels oder der Gemeinschaft einzusetzen. Wenn das Ausmaß des Glücks als Messwert über die Lebenszufriedenheit (auf einer Skala von 1 bis 10 ) gemessen wird, hat sich gezeigt, dass sich Menschen dabei stark von ihrem aktuellen Gefühlszustand geleitet werden, d.h., der Messwert ist überproportional an die Stimmungslage gekoppelt. Seligman postuliert nun, dass es neben den drei Elementen, die Menschen im Leben anstreben, auch die Leistung um ihrer selbst willen (accomplishment) anstreben, also von Natur aus leistungsorientiert sind, aber dass sie auch als soziale Wesen gute Beziehungen suchen. Seligman bezeichnet nun seine Theorie als eine des Wohlbefindens, in der es nun fünf Elemente gibt: positive Emotionen, Selbstverwirklichung, gute Beziehungen, Bedeutung und Leistungsorientierung. Diese werden unabhängig voneinander in Fragebögen erhoben und in fünf Messwerten ausgedrückt, wobei alle zusammen das Wohlbefinden einer Person beschreiben. Manche Menschen haben wenig positive Emotionen oder geringes Interesse an Beziehungen, dafür liegt ihnen viel an Selbstverwirklichung.

Quellen:
Anwar, Yasmin (2009). Social scientists build case for 'survival of the kindest'.
WWW: http://www.berkeley.edu/news/media/releases/2009/12/08_survival_of_kindest.shtml (09-12-12)
Steinfeld, Thomas (2009). Die verordnete Aufhellung.Menschen und Glück.
WWW: http://www.sueddeutsche.de/leben/675/483124/text/ (09-08-05)
http://www.brighthub.com/mobile/iphone/reviews/42612.aspx (09-08-06)

Sie zu dem Thema auch: Streicheleinheiten für das Wohlbefinden

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