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Would you rather be right … or happy?
Marshall B. Rosenberg (A Course in Miracles)

Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg

Marshall Rosenberg wurde 1934 in Canton, Ohio, geboren, wuchs in Detroit auf, wo er als Kind Zeuge von Rassenunruhen wurde. Diese Erfahrung und andere frühe Erfahrungen mit Gewalt beschreibt er später als Anlässe, sich fortan intensiver mit folgenden Fragen zu beschäftigen: "Was geschieht genau, wenn wir die Verbindung zu unserer einfühlsamen Natur verlieren und uns schließlich gewalttätig und ausbeuterisch verhalten? Und umgekehrt, was macht es manchen Menschen möglich, selbst unter den schwierigsten Bedingungen mit ihrem einfühlsamen Wesen in Kontakt zu bleiben?" 1961 promovierte Rosenberg als klinischer Psychologie an der Universität in Wisconsin und agierte als Mediator und Kommunikationstrainer in Schulen und anderen Einrichtungen. Er entwickelte - inspiriert u.a. durch die Ideen von Carl Rogers und Mahatma Gandhi - die Gewaltfreie Kommunikation und vermittelt sie seit Beginn der 70er Jahre an Eltern, Pädagogen, Polizisten, Manager, Anwälte, Gefangene, politische Führer etc. in verschiedensten Ländern. 1984 gründete er das Center for Nonviolent Communication (CNVC). Heute lebt er in der Schweiz.

Literatur: Rosenberg, M (2001). Gewaltfreie Kommunikation. Aufrichtig und einfühlsam miteinander sprechen, Paderborn.

Quelle: Scheibel, G. (o.J.). "Bitte" ist ein schweres Wort – Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation.
WWW: http://www.scheibel.at/ (09-03-02)
Nowotny, V. (2009). Die neue Schlagfertigkeit: Schnell, überraschend und sympathisch. Businessvillage.

Weitere Quellen:

Krawiec, Ingo (2008). Umgang mit persönlichen Angriffen.
WWW: http://www.train-the-trainer-seminar.de/
monatstipps/umgang_mit_
angriffen.htm (09-03-02)

 

Wenn uns jemand mit Worten angreift, neigen wir dazu, uns zu verteidigen und zurückzuschlagen. Doch das so entstehende Wortgefecht bringt meist keine Seite ihrem Ziel näher, sondern belastet oder zerstört eher die Beziehung der Gesprächspartner, die plötzlich zu Gesprächsgegnern geworden sind. Bei der gewaltfreien Kommunikation verzichtet man auf Angriffe und konzentriert sich auf die Gefühle und Bedürfnisse, die den oft unbedachten Äußerungen des anderen zu Grunde liegen.

Häufig richten Menschen in ihrer Kommunikation die Aufmerksamkeit darauf, was andere falsch machen bzw. was "verkehrt" an ihnen ist. Der Ausgangspunkt all dieser Verhaltensweisen ist häufig eine negative Bewertung der anderen Person oder ihres Verhaltens. Menschen sehen den Grund für ihre aufkommenden Gefühle daher in den Handlungen der Anderen, woraus im negativen Fall Ärger, Frustration, Ohnmacht oder Hilflosigkeit entstehen, die dann reflexartig mit Vorwürfen, Kritik, Drohungen u.ä. abgewehrt werden. Die üblichen Reaktionen der Gesprächspartner/innen sind wiederum Rechtfertigung, Gegenangriff, Beleidigt sein und Rückzug. Eine Spirale, die egal ob in Beziehungen, im Beruf oder der Politik, mit Streit und Krieg endet.

Marshall Rosenberg, Vertreter der gewaltfreien Kommunikation, bezeichnet eine aggressige Sprache als Wolfssprache, die dazu führt, dass sich der andere schlecht fühlt, sich wehrt oder ausweicht. Laut Rosenberg verursacht diese Kommunikation gegenseitige Aggression und ist gekennzeichnet durch

In der gewaltfreien Kommunikation richtet man die Aufmerksamkeit dagegen darauf, was einem wichtig ist und vermeidet in der Kommunikation alles, was beim Gegenüber als Bewertung, Beschuldigung, Kritik oder Angriff ankommen könnte - daher die Bezeichnung "gewaltfreie Kommunikation".

Aufbauend auf den Erkenntnissen der humanistischen Psychologie von Carl Rogers entwickelte Marshall B. Rosenberg in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts das Modell der "Nonviolent Communication". Rosenberg steht in guter gruppendynamischer Tradition und legt in seinem Buch sehr viel Wert darauf, genau zwischen Wahrnehmung und Interpretation zu unterscheiden: Was können wir in einem Gespräch, in einem Konfliktverlauf oder einfach in einer Begegnung zwischen Menschen genau beobachten – und welche Schlüsse, welche Bewertungen folgen daraus? Meistens vermischen wir Beobachtung und Bewertung sehr flott – und leisten damit einer Gewalt-Sprache unbewußt Vorschub.

Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine von Marshall B. Rosenberg entwickelte Kommunikations- und Konfliktlösungsmethode, welche die Anliegen aller am Konflikt Beteiligten aufspüren und zu berücksichtigen versucht, um somit eine positive Bearbeitung von Konflikten zu ermöglichen. Rosenberg bezeichnet die Gewaltfreien Kommunikation auch "language of the heart“ oder "Giraffensprache“, denn die Giraffe als Symboltier ist das Landtier mit dem größten Herzen. Wer gelernt hat, eher "giraffisch“ zu kommunizieren, erlebt im Konfliktverlauf viele positive Veränderungen, z.B. ein verbessertes Verständnis auf beiden Seiten, Transparenz von Absichten und Motiven, so dass eine Abwehrreaktion oder gar Aggression unnötig wird. In der gewaltfreien Kommunikation wird ausgedrückt, was einen bewegt und was man möchte (Selbstbehauptung) und empathisches Zuhören, wie es der anderen Person geht und was sie möchte (Einfühlung). Diese beiden Prozesse bilden das wesentliche Merkmal der Gewaltfreien Kommunikation. Dabei geht es weder darum die eigenen Bedürfnisse hinten an zu stellten, noch die Bedürfnisse anderer Menschen zu unterdrücken: Marshall Rosenberg: "Das Ziel dieses Prozesses ist der Ort, an dem alle Bedürfnisse erfüllt sind."

In jedem Gespräch sollten vier Komponenten (Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse, Bitten) klar ausgesprochen und verstanden werden, wobei es wichtig ist, Beobachtungen nicht mit Bewertungen zu vermischen, in Kontakt zu den Gefühlen zu kommen, Bedürfnisse zu erkennen und Bitten mit treffenden Worten zu äußern.

Die 4 Schritte der gewaltfreien Kommunikation

Anklagen, Kritik, Vorwürfe, Schuldzuweisungen und der Großteil der aggressiven Sprache sind nach den Grundideen der gewaltfreien Kommunikation so etwas wie "verkappte Wünsche". Weil wir nicht gelernt haben, richtig zu bitten, unsere Wünsche konstruktiv - und vor allem in einer annehmbaren Form zu äußern, greifen wir zur aggressiven Sprache. Jede Aggression ist Ausdruck der eigenen Schwäche – weil wir unbewußt meinen, nur durch Macht, Stärke und Drohung zur Erfüllung unserer Bedürfnisse zu kommen. Doch genau das ist der Trugschluß: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wunsch erfüllt
wird steigt, wenn er ohne Anklage, Schuldzuweisung, Kritik (oder anderer Stachelwörter) präsentiert wird. Bei Anklagen, Kritik etc. muss sich Empfänger automatisch in Verteidigungshaltung begeben (um seinen Selbstwert und positives Selbstbild zu schützen) – oder selbst aggressiv werden. Aggression erzeugt immer Gegenaggression und selten Unterwerfung. Dabei ist nichts Schlechtes und nichts Lebensfremdes dabei, Bedürfnisse zu haben, die durch Handlungen oder Worte der Mitmenschen erfüllt werden können. Wir alle leben in wechselseitiger Abhängigkeit – und es ist nur natürlich, um das zu bitten, "was das Leben bereichert“ – wie es Rosenberg formuliert. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage "Wer hat welche Bedürfnisse und wie sind sie im Einklang miteinander zu erfüllen?" Die gewaltfreie Kommunikation soll es ermöglichen, einen kreativen Dialog zu beginnen, um eigene zufriedenstellende Lösungen zu finden. In der gewaltfreien Kommunikation richtet sich die Aufmerksamkeit auf folgende Bestandteile bzw. Schritte:

Die vier Schritte können als Selbstmitteilung kommuniziert werden oder als Einfühlung. Mit der Selbstmitteilung zeigen wir uns mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen und drücken eine damit verbundene Bitte aus. Mit der Einfühlung versuchen wir das Bedürfnis des Gesprächspartners zu erkunden und uns mit ihm zu verbinden. Alles zusammen bildet den Prozess der Gewaltfreien Kommunikation. In Konflikten entfaltet Gewaltfreie Kommunikation ihre verbindende und transformierende Kraft im Wechselspiel von Selbstmitteilung und Einfühlung.

Beispiel für eine Selbstmitteilung:

1. Beobachtung: "Du stehst auf und schaust aus dem Fenster, wenn ich mit dir über das Thema "Schule" sprechen will."
2. Gefühl: "Ich fühle mich besorgt und auch etwas ratlos, ..."
3. Bedürfnis "... weil ich wissen möchte, wie es dir in der Schule geht und auf welche Weise ich dich unterstützen kann."
4. Bitte: "Bitte sage mir, was du brauchst, um mit mir darüber zu reden zu können."

Beispiel für einfühlsames Zuhören

1. Beobachtung: "Du stehst auf und schaust aus dem Fenster, wenn ich mit dir über das Thema "Schule" sprechen will."
2. Gefühl: "Kann es sein, dass du ziemlich genervt bist?"
3. Bedürfnis: "... und du im Moment einfach nur Ruhe und Entspannung brauchst?"
4. Bitte: "Möchtest du, dass wir zu einem anderen Zeitpunkt darüber reden?"

Scheibel (o.J.) benennt die Schwierigkeiten dieses Modells, denn Rosenberg wendet sein Modell nicht nur für die eigene Situation, sondern auch für die Situation des anderen an: Was sind dessen Gefühle, Bedürfnisse und – verborgene – Bitten? Er sieht in Kritik, Schuldzuweisungen und "Gewaltsprache" immer ein Eingeständnis der Schwäche des anderen. Sie sind Ausdruck seiner nicht gestillten Bedürfnisse – nach Zuwendung, nach Beachtung, nach Ressourcen aller Art. Und diesem möchte er mit "Empathie" begegnen, mit respektvollem, vorurteilsfreiem Bemühen um ein Verständnis des anderen. Dazu gehört aber eine sehr hohe Portion Selbstannahme und keinerlei Zweifel am eigenen Selbstwert. Das ist auch der Haken an seiner Methode – wie gehe ich mit meinen eigenen Gefühlen der Betroffenheit, der Wut, des ungerecht-behandelt-seins um? Kann ich mich innerlich soweit zurückziehen, meine eigenen Gefühle soweit heraushalten, dass ich nicht in den Automatismus von Verteidigung oder Gegenaggression verfalle? Er empfiehlt: Präsent sein, Atmen, innere Distanz einnehmen. Netter Tipp, aber wie soll man den in einer harten Realsituation umsetzen? In für einen selbst emotional sehr belasteten Situation ist das schwerer als wenn man als Mediator arbeitet.

 

Siehe dazu auch den Umgang mit Angriffen von aggressiven Gesprächspartnern



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