[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Kommunikation: Sprache, Emotion und Persönlichkeit

Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken.
Samuel Johnson

 

Literatur

Kraus, W. (2017). Voice-Only Communication Enhances Empathic Accuracy. American Psychologist, 72, 644–654.

Pennebaker, J. W. & Francis, M. E. (1999). Linguistic Inquiry and Word Count. Lawrence Erlbaum.

Stangl, W. (2015). Paraverbale Kommunikation. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. WWW: http://lexikon.stangl.eu/12100/ paraverbale-kommunikation/ (15-11-12) ©

Der Gebrauch von Sprache und Wörtern lässt Rückschlüsse auf die Persönlichkeit von Menschen zu. Schon in den 1980er Jahren versuchen Forscher etwa Therapieerfolge messbar zu machen, indem sie Funktionswörter zählen, wobei etwa der klinische Psychologe James W. Pennebaker (University of Texas) die Sprache von trauernden Menschen analysierte und wie sich diese im Therapieverlauf veränderte. Dabei untersucht er, inwieweit man aus den Worten die jemand benutzt, auf dessen Persönlichkeit oder psychische Erkrankungen schließen kann. Dazu benutzt er spezielle Analyseprogramme. Auch ein Computerprogramm wurde schon damals für eine formal quantitativen Analyse entwicket (Linguistic Inquiry and Word Count). Laut Pennebaker sind nicht die Inhalte eines Textes der Schlüssel zur Persönlichkeit des Autors, sondern vor allem unscheinbare Worte wie Pronomen, Artikel oder Konjunktionen, dem diese werden nämlich weniger bewusst verwendet.

Die elektronische Sprachanalyse ist allerdings keine Erfindung Pennebakers, denn schon Philip Stone hat 1966 ein computergestütztes Zählverfahren (General Inquirer) entwickelt, Louis Gottschalk und Goldine Gleser die Gottschalk-Gleser-Skalen entwickelt, mit denen man automatisch einordnen wollte, wie sehr etwa Angst oder Aggressivität die Mitteilungen eines Menschen prägen.

Bekannt wurde Pennebaker durch die Analyse der US-Präsidentschaftswahl 2008, bei der er ein sprachliches Psychogramm der Kandidaten veröffentlichte. Sowohl in den Debatten als auch in Interviews zeigten sich klare Tendenzen: John McCain sprach seine Wähler sehr direkt und persönlich an, seine Wortwahl erwies sich als emotionsgeladen und impulsiv. Barack Obama hingegen verwendete häufig Kausalbeziehungen, was auf komplexe Gedankengänge hindeute. Tendenziell äußerte er sich auch vager als sein republikanischer Konkurrent.

Allerdings ist es erst heute mit steigenden Rechnerkapazitäten möglich, größere Datenmengen zu sammeln, zu speichern und zu verarbeiten und somit letztlich die Analyse treffsicherer zu machen. So wurde etwa für das Analysenprogramm Precire mit Textproben von über fünftausend Menschen trainiert, bei denen wesentliche psychologische Kategorien bekannt waren. Das System misst dabei mehr als dreitausend Kategorien.

Der Schrei

Eine besondere Form das menschlichen Kommunikation ist der Schrei, der Menschen warnen und aufrütteln soll. Nun hat man untersucht, was Schreie im Rahmen der sprachlichen Kommunikation so einzigartig unter den menschlichen Lautäußerungen macht. In einer Studie hat man herausgefunden, dass Schreie ganz be­sondere akustische Eigenschaften besitzen, denn sie sind laut, hoch und schrill, doch das allein reicht nicht aus, sondern sie besitzen darüber hinaus noch eine einzigartige Modulation, die sie von anderen Lauten unterscheidet. Dieses Merkmal kann man als Rauigkeit bezeichnen, wobei Laute dann rau klingen, wenn sich ihre Amplitude oder ihre Frequenz so rasch ändert, dass das Gehör diese Veränderungen nicht mehr auflösen kann. Während normale Sprache eine Modulationsfrequenz von etwa 4 bis 5 Hertz hat, weist Rauigkeit Frequenzwechsel zwischen 30 und 150 Hertz auf, d. h., die zeitlichen Veränderungen sind wesentlich schneller und beunruhigen dadurch jene Menschen, die sie vernehmen. Übrigens ahmen Weckerhersteller diese akustischen Eigenarten eines menschlichen Schreies mit ihren Alarmtönen sehr gut nach. Menschen empfinden Schreie und Alarmgeräusche dabei umso beängstigender, je deutlicher ihre akustische Rauigkeit ist, und zwar mit der Folge, dass solche alarmierende Laute und Klänge das Angstzen­trum des Gehirns erregen. Die Einzigartigkeit des Schreis gestattet es Menschen, aus einem Schrei ohne jedes Nachdenken wichtige, womöglich lebensentscheidende Informationen herauszuhören.

Angstschreie

Durch eine besonders schnelle Modulationsfrequenz weisen die Schreie von Menschen eine Rauigkeit auf, die sie in der Wahrnehmung so unangenehm macht, wobei je höher die Modulationsfrequenz, desto mehr vibriert ein Ton und desto rauer klingt er. Da das Gehirn Geräusche als umso beängstigender wahrnimmt, je rauer sie seien, wird auch jenes Gehirnzentrum aktiviert, das für Verarbeitung und Erinnerung von Angst zuständig ist. Untersuchungen zeigen, dass Schreie dabei eine bevorzugte akustische Nische belegen, wobei neben menschlichen Schreien auch Alarmtöne von Weckern eine ähnliche akustische Struktur aufweisen, sodass die Hersteller vermutlich damit die menschliche Stimme nachahmen wollen. Die Frequenz von normaler Sprache liegt zwischen vier und fünf Hertz, die von Schreien oder geschrienen Sätzen aber zwischen 30 und 150 Hertz, sodass sie auf diese Weise aus anderen Rufen herausstechen und vom Gehirn sofort als alarmierend wahrgenommen werden.
Siehe dazu Paraverbale Kommunikation.

Auf gleicher Wellenlänge

Übrigens haben Untersuchungen gezeigt, das sich im EEG die Gehirnströme zweier Menschen, die miteinander reden, ohne einander zu sehen, schon nach kurzer Zeit synchronisieren. Zwei Menschen, die nebeneinandersitzen und nicht miteinander kommunizieren, weisen im Vergleich dazu deutlich unterschiedliche Gehirnströme auf, sodass man von einem gesprächsbasierten Abgleichungseffekt ausgehen kann.

Mimik kann das Verständnis von Gefühlen erschweren

Kraus (2017) hat einander unbekannte Menschen in einem dunklen oder beleuchteten Raum in verschiedene Gesprächssituationen gebracht, um zu überprüfen, ob der Gesichtsausdruck notwendig ist, um die Emotionen anderer Menschen zu erkennen. Wenn die Probanden den Gesprächspartner nicht sahen, sondern nur hörten, konnten sie dessen Emotionen am genauesten einschätzen. Daher ist es möglicherweise nicht die beste Strategie, aus der Mimik oder aus der Kombination von Stimme und Mimik die Stimmung oder die Absichten des Gegenübers richtig einzuschätzen. Nach dem Studienautor ist daher genaues Zuhören die beste Methode, um die Gefühle des anderen zu verstehen. Das liegt auch daran, dass in der Stimme Gefühle besonders schwer zu verschleiern sind, d. h., es erfordert sehr viel Selbstkontrolle, denn in der Stimme werden auch kleinste Nuancen vom Gegenüber wahrgenommen, während Mimik und Gestik viel besser kontrolliert und gesteuert werden können, nicht zuletzt auch um andere zu täuschen. Beim Zuhören hat auch das Gehirn einen Vorteil, wenn es sich nur auf ein Signal konzentrieren muss und daher die Informationen schneller und genauer verarbeiten kann.

Überblick: Was ist Kommunikation?



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