[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Gehirn und Geschlecht

Die Humangenetik hat gezeigt, wie viel der späteren Eigenschaften eines Menschen schon in den Genen festgelegt ist, wobei es zahlreiche strukturelle und funktionale Unterschiede zwischen dem männlichen und dem weiblichen Gehirn gibt. Mithilfe bildgebender Verfahren war es möglich, die Aktivitäten des weiblichen und des männlichen Gehirns bei der Bewältigung verschiedener Aufgaben zu beobachten und dabei festzustellen, dass die Gehirne von Frauen und Männern in manchen Bereichen ganz unterschiedlich funktionieren, wobei sich in manchen Punkten die Erkenntnisse gängigen Klischees durchaus annähern. So lösen beispielsweise Frauen bestimmte mathematische Aufgaben anders als Männer, verfügen über ein weniger ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen, besitzen aber bessere Kommunikationsfähigkeiten, können sich besser in andere einfühlen und erinnern sich leichter an Details als Männer. Dafür sind im männlichen Gehirn jene Areale stärker entwickelt, die für Aggression und sexuelles Verlangen zuständig sind. Neurowissenschafter fordern deshalb, man müsse sich vorbehaltlos mit den angeborenen geschlechtsspezifischen Unterschieden auseinandersetzen, anstatt sie aus Gründen der Political Correctness wegzudiskutieren, denn nur durch vermehrtes Wissen können diese Unterschiede überwunden werden.

Für die Wirkung von Umwelteinflüssen auf das Gehirn und auf die Epigenetik gibt bis zur Pubertät offene, neurologische Fenster, doch was die grundlegende biologische Struktur des Gehirns betrifft, so ereignen sich die wesentlichen Prägungen bereits im Mutterleib. Bis zur achten Schwangerschaftswoche haben alle Embryonen ein weibliches Gehirn, danach werden die Weichen für die geschlechtsspezifische, unterschiedliche Entwicklung der Gehirne gestellt, denn dann löst das Y-Chromosom bei den männlichen Föten einen Testosteronschub aus, der das Wachstum des Kommunikationszentrums hemmt, während die Entwicklung des Aggressions- und Sexualzentrums forciert wird. Durch psychischen Stress ausgelöste Schwankungen im mütterlichen Hormonhaushalt können aber diesen Prozess beeinflussen. In dieser Phase bildet sich u.a. die sexuelle Orientierung heraus, wobei neben genetischen Faktoren auch eine unterschiedliche hormonelle Versorgung im zweiten Schwangerschaftsmonat die Basis für eine spätere homosexuelle Neigung liefern könnte, denn man fand beim Vergleich von Computerscans, dass bestimmte Gehirnareale von homosexuellen Männern jenen von Frauen glichen.

Das männliche Gehirn ist auch im Verhältnis zur Körpergröße um rund neun Prozent größer, das weibliche hingegen verfügt über einen stärker ausgeprägten Balken, also die Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften, es ist stärker gefurcht und weist insgesamt mehr neuronale Verbindungen auf. Das Sprachzentrum ist bei Männern eher in der linken Hirnhälfte lokalisiert, während es bei Frauen auf beiden Seiten gleich stark ausgeprägt ist, was ein Grund dafür sein könnte, dass Buben im Kleinkindalter durchschnittlich später zu sprechen beginnen. Bei Frauen sind jene Gehirnareale größer, welche das eigene Verhalten kontrollieren, und auch die Zentren, die Informationen verarbeiten und Erinnerungen speichern, sind bei Frauen stärker ausgeprägt. Frauen schneiden daher für gewöhnlich in Tests besser ab, die den guten Umgang mit Sprache voraussetzen, und besitzen auch eine ausgeprägtere feinmotorische Koordination. Dagegen zeigen Männer Vorteile bei zielgerichteten motorischen Leistungen, wie dem Werfen und Auffangen von Gegenständen und bei Aufgaben zum räumlichen Vorstellungsvermögen. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Verhältnis zu den Schwankungen unter den Angehörigen desselben Geschlechts eher gering.

Siehe zu dieser Thematik auch Geschlechtsunterschiede

Quellen

Goebel, T. (2011). Hirnwindungen: Was Denk- und Gefühlszentren von Mann und Frau unterscheidet.
WWW: http://www.profil.at/articles/1129/560/302521/mann-frau-hirnwindungen (11-07-22)
Stangl, W. (2008). Geschlechtsunterschiede.
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/Geschlechtsunterschiede.shtml (11-02-02)



inhalt :::: kontakt :::: news :::: impressum :::: autor :::: copyright :::: zitieren ::::
navigation:


/