[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Typische Schlussfehler bei sozialen Interaktionen

Die Repräsentativitätsheuristik

Wenn wir etwas Neues kennenlernen, vor allem aber bei Personen, suchen wir anhand unserer ersten Beobachtungen einen Stereotyp aus unseren früheren Erfahrungen, auf den die neue Person zu passen scheint. Wir schliessen dann (oft fälschlich), daß auch andere Eigenschaften des Stereotyps auf die Person zutreffen. Bestandteil solcher Fehlschlüsse ist oftmals der Basisratenfehler, der schon im Abschnitt über das induktive Schließen beschrieben wurde.

Die Verfügbarkeitsheuristik

Die relative Wichtigkeit oder Häufigkeit zweier Ereignisse wird vor allem dann falsch eingeschätzt, wenn es bei dem weniger häufigen besonders leicht gelingt, uns Exemplare davon ins Bewußtsein zu rufen. So überschätzen die meisten Menschen die Wahrscheinlichkeit eines Mordes oder eines Flugzeugabsturzes, weil sie in den Medien so überproportional gut mit Informationen darüber versorgt werden. Testpersonen schätzten z.B. die Anzahl englischer Wörter, die mit k beginnen, höher ein als die Anzahl englischer Wörter, die ein k als dritten Buchstaben haben. Letztere fallen einem nicht so leicht ein, sind aber doppelt so häufig. Das Versagen der normalerweise nützlichen Verfügbarkeitsheuristik passiert nicht nur aufgrund eines allgemeinen Erfahrungshintergrundes, sondern oft auch situationsabhängig: Wenn wir mit einer Sache gerade vor kurzem Kontakt hatten, ist sie uns geistig leicht zugänglich und wird als wichtiger oder häufiger eingestuft als ihr zukäme. Aus diesem Grund haben persönliche Begegnungen mit Menschen, die ihre Meinung äußern, so einen großen Einfluß auf unsere Entscheidungen: Das Erlebnis der persönlichen Begegnung ist intensiv und ihr Inhalt deshalb besonders leicht verfügbar.

Der Regressionsfehlschluss

Auf ein Lob nach einer extrem guten Leistung folgt meistens eine schwächere Leistung, während auf Kritik nach einer extrem schlechten Leistung meistens eine bessere Leistung folgt. Kann man daraus schließen, daß Lob demotiviert und Kritik motiviert? Man kann, und wir tun das auch dauernd -- aber es ist falsch! In Wirklichkeit sind beide Ereignisse, die Verbesserung als auch die Verschlechterung, schlicht und einfach sehr wahrscheinlich, denn eine extrem gute oder schlechte Leistung ist so weit vom Mittelwert entfernt, daß fast immer die nächste Leistung näher am Mittelwert liegen wird. Dieses "Zurückgehen" zum Mittelwert heißt Regression, daher der Name dieser Falle. Der Regressionsfehlschluß ist eine spezielle Form des Versagens der Verfügbarkeitsheuristik.

Quellen

http://www.ipd.uka.de/~prechelt/swt2/node20.html (03-10-04)

Oerter, Rolf & Dreher, Michael (1995): Entwicklung des Problemlösens. In Oerter, Rolf & Montada, Leo (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Weinheim: PVU.



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