Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche
11. März 2010 – 21:31
Da in den letzten Tagen viel Spekulatives und viel Unsinniges zu den aktuellen Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche geäußert worden ist, sollen hier einige Fakten genannt werden, die bei der Diskussion berücksichtigt werden sollten. Eine ausführliche Darstellung zum Thema Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche mit weiterführenden Links findet sind den Psychologischen News
- Sexueller Missbrauch tritt in äußerst unterschiedlichen Formen auf, sodass Einzelfälle nur sehr schwer miteinander vergleichbar sind.
- Sexueller Missbrauch ist in der Regel Gewaltausübung, vor allem aus der Perspektive des Opfers.
- Sexueller Missbrauch äußerst sich in vielen Fällen als psychische Gewaltausübung.
- Zwischen Opfer und Täter besteht in der Regel ein Machtgefälle, das durch institutionelle Bedingungen befördert und gesteuert wird.
- Es gibt bei allen Missbrauchsfällen zwei zentrale Komponenten:
- Personale Faktoren sind die Sozialisation, die Erziehung, die Persönlichkeit der Betroffenen.
- Situationale Faktoren sind die Strukturen, in denen die beteiligten Personen sich befinden, wobei hier vor allem Abhängigkeitsverhältnisse, Hierarchien und eingeforderte Autoritäten.
- Sexueller Missbrauch kann nur in geeigneten Situationen stattfinden, in den meisten Fällen in einem anderen nicht zugänglichen “Raum”.
Die katholische Kirche ist auf Grund vieler Faktoren prädestiniert für das Auftreten von sexuellem Missbrauch und Gewalt:
- Streng hierarchische Strukturen mit Abhängigkeitsverhältnissen, die vermeintliche Autorität im Sinne von Macht erzeugen.
- Geschlossenheit in einer Art Kastensystem befördert durch mangelnde und kaum zu befürchtende Transparenz das Überschreiten von natürlichen Schamgrenzen.
- Durch diese Geschlossenheit bedingt ist auch die Möglichkeit des langfristigen Missbrauchs.
- Die Geschlossenheit begünstigt auch unsägliche verteidigende Stellungnahmen im Sinne von: es ist nicht nur unser Problem.
- Die Leibfeindlichkeit der katholischen Kirche und eine damit verbundene Unterdrückung der natürlichen Sexualität des Menschen.
- Die sexuelle Natur des Menschen kann nur mit Hilfe von Unterdrückung und Angst überwältigt werden.
- “Latente” Attraktivität der katholischen Kirche für Pädophile – diese besteht in gleicher Weise etwa auch im Beruf des Heimerziehers oder Lehrers.
Kommentare sind erwünscht bzw. es ist auch möglich, im speziell dafür eingerichteten Forum darüber zu diskutieren: http://www.stangl.eu/psychologie/forum/viewforum.php?f=19
Eine Zusammenstellung aktueller und älterer “Fälle” finde sich bei Rudolf Sponsel “Materialien Sexueller Mißbrauch in den Katholischen und anderen Kirchen“:
Link: http://www.sgipt.org/politpsy/krimi/kirche/sexmiskk.htm
Siehe auch Katholische Kirche und Sexualität
Eine ausführliche Darstellung zum Thema Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche mit weiterführenden Links findet sind den Psychologischen News