Umstellung von Sommerzeit auf Winterzeit (=Normalzeit)
2. April 2011 – 09:28
Einer milden Form eines Jet Lags sind viele Menschen zweimal im Jahr ausgesetzt, nämlich zu Beginn und Ende der Sommerzeit, wenn die Uhr eine Stunde zurück- bzw. vorgestellt wird. Die Umstellung von der Sommerzeit auf die Normalzeit ist dennoch die harmlosere, denn nach der Herbstumstellung kann es nur passieren, dass man morgens früher wach wird und abends wird man in der ersten Zeit früher müde. Nach einer Untersuchung haben 14 Prozent leichte Schlafstörungen und jeder Zwölfte kann sich schlechter konzentrieren. Junge Menschen passen sich besser an die neue Zeit an. „Eulen“ und „Lerchen“ reagieren vor allem unterschiedlich auf die Zeitumstellung von der Sommer- auf die Normalzeit, denn „Eulen“ sind von Natur aus eher jugendliche Spätaufsteher, deren Höchstaktivität spät stattfindet und nun durch die Rückstellung auf die Normalzeit eine Stunde dazugewinnen, während „Lerchen”, die zeitig erwachen und zeitig schlafen gehen, zu späterer Nachtruhe gezwungen sind. Siehe dazu die Ausführungen zu den biologischen Rhythmen.
Die Zeitumstellung bringt bei manchen den menschlichen Biorhythmus durcheinander, was schlechtes Einschlafen und Aufwachen, Konzentrationsstörungen und Müdigkeit zur Folge hat, die bis zu 14 Tage anhalten können. Die Zeitumstellung verursacht aber auch deshalb bei vielen Menschen eine starke Irritation, da sich der Sonnenaufgang anders als beim Reisen nicht mit ändert und somit auch nicht der von den Sinnen aufgenommene Tag-Nacht-Rhythmus. Nicht von ungefähr lehnen 69 % der befragten ÖsterreicherInnen die Zeitumstellung ab und nur ein Drittel sieht noch einen persönlichen Nutzen darin.
Wenn die innere Uhr aus dem Rhythmus gerät, erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit aus einer ungünstigen Schlafphase geweckt zu werden. Hinzu kommt, dass das fehlende Tageslicht in den Wintermonaten die Wirkungen verstärkt. Ein Schlafphasenwecker, der auf unsere innere Uhr Rücksicht nimmt, kann hier hilfreich sein.
Die Zeitumstellung (Sommerzeit, Winterzeit) sind einem Jetlag durchaus ähnlich, da die bekannten Symptome auftreten wie ungewöhnliche Müdigkeit, depressive und verschlechterte Stimmungslage, Schlafstörungen, Schwankungen der Herzfrequenz, Konzentrationsschwäche am Tag, Gereiztheit am Abend und am Tag, Appetitlosigkeit während des ganzen Tages, Verdauungsprobleme ohne Ernährungshintergrund. Um die Zeitumstellung besser zu überstehen. sollten man in den ersten Tagen nach der Umstellung folgende Tipps beherzigen:
- Wer eine empfindliche Verdauung hat, sollte die Essenszeiten schrittweise (4x 15 Minuten Verschiebung ) anpassen.
- Üppige Mahlzeiten am Abend meiden.
- Auf Kaffee, Tee oder andere aufputschende Getränke drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen verzichten.
- Am ersten Tag eine halbe Stunde früher aufstehen als üblich.
- Viel im Freien wegen des Lichts aufhalten, einen kleinen Spaziergang zu machen.
- Bei auftretenden Symptomen wie oben genannt mehr Pausen machen.
- Wenn das frühere Einschlafen Mühe bereitet, natürliche Hilfen wie Baldrian, Melisse oder Entspannungstechniken versuchen oder aufstehen und nicht mit dem Gedankenkarussell stundenlang wach liegen.
- Auf den Mittagsschlaf während der Umstellungsphase 7-10 Tage lang verzichten.
Doch selbst bei Experten ist die Einführung der Sommerzeit eine umstrittene Maßnahme, während die einen die Zeitumstellung für „blanken Unsinn“ halten, werden nach Ansicht anderer die körperlichen Belastungen durch die alljährliche Umstellung auf Sommer- oder Winterzeit weit überschätzt. Tatsache ist, dass manche Menschen bis zu vier Wochen brauchen, um sich körperlich und psychisch der neuen Zeit anzupassen, wobei dies manchen besser und machen überhaupt nicht gelingt. Chronobiologische Studien zeigen, dass sich der Organismus des Menschen eigentlich nicht wirklich an die zweimal jährlich stattfindende Zeitumstellung gewöhnen kann, da die Anpassung der inneren Uhr an die jahreszeitlich bedingte Varianz des Tag-Nacht-Wechsels unterbrochen wird. Diese Beurteilungen von Experten der Schlafforschung berücksichtigen aber nicht die Tatsache, dass Menschen sehr verschieden sind und auf äußere Einflüsse und Veränderungen sehr unterschiedlich reagieren, was bei diesem Thema bedeutet, dass es Menschen gibt, die sich eher leicht damit tun, sich auf die neue Zeitrechnung umzustellen, während andere ein Problem damit haben. Es muss auch offen bleiben, inwieweit Berichte in den Medien über die Aussagen von Experten solche Tendenzen noch verstärken bzw. die Menschen verunsichern
Eselsbrücken
für alle, die sich nicht merken können, ob man bei der Umstellung eine Stunde vor oder eine Stunde zurückstellen muss:
Im Frühjahr bei der Umstellung auf Sommerzeit werden die Uhren eine Stunde vorgestellt: Bei Gasthäusern werden die Schanigärten vor das Haus gestellt.
Im Herbst gibt es eine wunderbare poetische Fassung von Gottfried Benn für den Umstand, dass die Uhren eine Stunde angehalten werden müssen:
Astern
Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.
Noch einmal die goldenen Herden,
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?
Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du -
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,
Noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewissheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
und trinken Fahrt und Nacht.
(Aus den Stadthallen-Elegien; Benn verfasste diese „Stadthallen-Elegien“ auf der Rückseite von Speisekarten der Stadthalle Hannover. Die Originale werden im Deutschen Literaturarchiv in Marbach aufbewahrt. Das Gedicht „Astern“ auf der Rückseite einer Speisekarte ist im Marbacher Literaturmuseum der Moderne ausgestellt. Weitere Gedichte aus diesem Zyklus sind: „Tag, der den Sommer endet“ und „Die weißen Segel“)