Delinquenz
4. Juli 2008 – 07:14
1. Definition
Unter Delinquenz versteht man im weiteren Sinn das Fehlverhalten eines einzelnen Kindes, eines Jugendlichen oder eines Heranwachsenden, das einen anderen oder die Gemeinschaft verletzt und deshalb bestraft wird. (vgl. Böhnke 1992, S.12)
2. Definition
Delinquenz im engeren Sinne ist das Verhalten, Tun oder Unterlassen „eines Kindes oder Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 18 Jahren, das als Kriminalität bezeichnet werden müsste, wenn es von Erwachsenen begangen worden wäre“ (Schneider, 1987, S.606)
3. Definition
Unter Delinquenz versteht man den Verstoß gegen strafrechtliche Normen von Kindern und Jugendlichen. Man kann es als von der gesetzlichen Norm abweichendes Sozialverhalten ansehen. Eng verbunden mit dem Begriff Delinquenz sind die Begriffe des „abweichenden Verhaltens“, der „Dissozialität“, der „Verwahrlosung“ und der „Verhaltensauffälligkeit“. (vgl. Kluge/Randow 1979, S.5ff)
4. Definition
Die persönlichkeitspsychologische Perspektive der Delinquenzforschung geht davon aus, dass Delinquenz ein Ausdruck allgemeiner und relativ überdauernder Verhaltensdispositionen des Täters ist. (Seitz 1983, S.132)
Aus der Sicht der Psychoanalyse wurzeln die Ursachen der Kriminalität in zahlreichen Fällen in der frühen Kindheit. Delinquenz, Devianz und Kriminalität erscheinen aus psychoanalytischer Sicht im wesentlichen als Symptome für generelle pathologische Persönlichkeitsstrukturen, die auf gestörte Prozesse der Identifikation und Gewissensbildung in frühkindlichen Phasen der Entwicklung zurück zu führen sind. (vgl. Seitz 1983, S.105)
Die empirische Erziehungsforschung liefert zahlreiche Ergebnisse zu den für jugendliche Delinquenz bedeutsamen elterlichen Erziehungshaltungen. Dazu zählen unter anderem: fehlende Befriedigung von Primärbedürfnissen und emotionale Vernachlässigung, restriktive familiäre Erziehung, einseitig „zielorientierte“ Erziehung, fehlende oder unzureichende „Moral“-Erziehung. (vgl. Seitz 1983, S.52ff)
5. Definition
Die Deliktstruktur der Kinderkriminalität ist vergleichsweise wenig differenziert. Dominierend sind einfacher Diebstahl, Brandstiftung, Sachbeschädigung und Erpressung, in dieser Reihenfolge der Häufigkeit. Die aufgeklärte Delinquenz von Mädchen unter 14 Jahren beschränkt sich fast ausschließlich auf einfachen Diebstahl, während Jungen bereits als Kinder das breite Spektrum erfüllen. (vgl. Markefka/Nauck 1993, S.644)
Verwendete Literatur
Böhnke, Jörg (1992). Sport, Delinquenz und Lebensstil. Hamburg: Lit
Schneider, H.J. (1987). Kriminologie. Berlin
Kluge, Karl-Josef/von Randow, Nicoletta (1979). Kinder- und Schülerdelinquenz. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
Seitz, Willi (1983). Kriminal- und Rechtspsychologie. München; Wien; Baltimore: Urban und Schwarzenberg
Markefka, Manfred/Nauck, Bernhard (1993) Handbuch der Kindheitsforschung. Neuwied; Kriftel; Berlin: Luchterhand
Duden – Deutsches Universalwörterbuch (2006), Begriff: Delinquenz
http://www.duden.de/suche/index.php?begriff=Delinquenz&bereich=mixed&pneu=#inhalte