Gedächtnis im Alter
2. Oktober 2009 – 10:25
Ältere Menschen machen sich nicht zuletzt auf Grund der Medienberichterstattung Gedanken über ihr Gedächtnis und sorgen sich um ihre Vergesslichkeit, auch wenn solche Situationen unabhängig vom Alter sind, denn auch junge Menschen vergessen. Wie man aus der Forschung weiß, sind die Unterschiede bei Personen gleichen Alters oft erheblich, wobei Kriterien wie Beruf oder Bildung zwar eine Rolle spielen, aber nicht entscheidend sind, wie gut Gehirn und Gedächtnis arbeiten. Die geistige Leistungs- und Entwicklungsfähigkeit ist weitgehend eine Frage des altäglichen Verhaltens.
Manche Defizite der Gedächtnisleistung können durch ein gezieltes und vor allem kontinuierliches Training zumindest teilweise wettgemacht werden, was für jedes Alter gilt und auch unabhängig vom Gesundheitszustand ist. Auch demenzkranke Menschen können zwar ihr Gedächtnis nicht zurückbekommen, erlangen aber durch Gedächtnistraining eine bessere Merkfähigkeit bleiben länger sozial integriert. Am wirkungsvollsten ist dabei das Ändern des täglichen Verhaltens, denn wenn neue Anreize für das Gehirn in den Alltag integriert werden, braucht man dafür auch keinen grossen zeitlichen Aufwand.
Man kann etwa die Einkaufsliste durch bildhafte Vorstellungen auswendig lernen, indem man die Produkte einem Körperteil zuordnet: die Milch dem Fuss, das Brot dem Kopf, die Äpfel den Augen. Man sollte Routinetätigkeiten von Zeit zu Zeit mit der anderen Hand tun: die Zähne putzen, Zwiebeln schneiden, eine Telefonnummer wählen, Spielkarten halten, die Tür schliessen. Eine gute Übungsmethode ist es auch, alltägliche Verrichtungen mit geschlossenen Augen zu tun: ein Joghurt öffnen und auslöffeln, eine Orange schälen oder die Schuhe binden.
Wenn man übrigens glaubt, dass fas Gedächtnis mit zunehmendem Alter schlechter wird, kann das eine sich selbst erfüllende Prophezeiung sein. Ältere Menschen, die glauben, dass ältere Menschen bei Gedächtnistests schlechter abschneiden, zeigten tatsächlich eine viel schlechtere Leistung als andere, die auf diese negativen Stereotypen vom Altern und dem abnehmenden Gedächtnis wenig geben. Hess et al. (2009) zeigten, dass die Erinnerungsfähigkeit älterer Erwachsener in bestimmten Situationen darunter leidet, wenn negative Stereotypen aktiviert werden, etwa wenn man ihnen sagt, dass ältere Leute bei dieser bestimmten Art von Gedächtnistest nicht gut abschneiden. Ebenso leidet das Gedächtnis, wenn sie glauben, dass Andere wegen ihres Alters auf sie herabschauen. Wenn ältere Menschen hingegen ein Umfeld haben, in dem eine positivere Einstellung zum Älterwerden vorherrscht, zeigen sie auch eine wesentlich bessere Gedächtnisleistung.
Quellen
Hess, Thomas M., Joey, T. Hinson & Hodges, Elizabeth A. (2009). Moderators of and Mechanisms Underlying Stereotype Threat Effects on Older Adults’ Memory Performance. Experimental Aging Research, April.
WWW: http://www.praxis-dr-shaw.de/blog/2009/10/02/lasst-das-gedachtnis-im-alter-zwangslaufig-nach/ (09-10-03)
WWW: http://www.beobachter.ch/arbeit/bildung/artikel/gedaechtnistraining_die-vergesslichkeit-vergessen/ (09-07-28)