Autismus

4. Juli 2008 – 06:58

Definition 1:
Der sogenannte frühkindliche Autismus äußert sich in mangelnden sozialen Kontakt, Beeinträchtigung der Sprachentwicklung und der besonderen Entwicklung bestimmter motorischer Einzelfertigkeiten, gelegentlich auch in motorischen Stereotypien. Tritt bei Kleinkindern, sowohl als Symptom von Zwischenhirn-Störungen als auch der sensorischen oder sozialen Deprivation auf. (vgl. Fröhlich 1993, S.78)
Definition 2:
Autismus beschreibt in der Kindheit auftretende schwere Kontaktstörungen. Das Kind isoliert sich von den anderen, ist verschlossen und für keinen – auch nicht für die Mutter – zugänglich (autistische Isolation); da die Kinder oft mit keinem sprechen, obwohl sie sprechen können, und auf keine Ansprache reagieren, werden sie von den Eltern anfangs fälschlicherweise für stumm, taub oder geistig zurückgeblieben gehalten. Sie beharren auf einer beruhigenden Gleichförmigkeit in ihrer Umgebung und werden ängstlich, wenn z.B. die Essenszeit sich verschiebt, Möbel oder Spielzeuge verändert werden. Ihre Sprache bleibt kleinkindlich, mit Sätzen die nur aus wenigen Worten bestehen und oft nur bruchstückhaft sind; das Wort „ich“ wird nie verwendet. Man versucht, das autistische Verhalten eines Kindes meist mit verschiedenen Techniken der Verhaltenstherapie zu verändern, bei der schrittweise ein dem anderen zugewendetes Verhalten aufgebaut wird (sinnvolles Sprechen, Sich-Anlehnen an die Mutter, Spiel mit anderen Kindern u.a.) Die Erfolgsaussichten einer Therapie werden bei Kindern, die bis zu sechs Jahren alt sind und wenigstens teilweise eine verständliche Sprache sprechen können, mit ungefähr 50% angegeben, bei den anderen Kindern ist die Prognose schlecht. Die Ursache des Autismus ist unbekannt, häufig wird eine Schädigung des Zentralnervensystems angenommen. (vgl. Michel/Novak 1995, S. 41)
Definition 3:
Autismus: schwere zwischenmenschliche Kontaktstörung. Die Patienten ignorieren ihre menschliche Umwelt und leben in einer emotionalen und geistigen Eigenwelt. Es handelt sich um keine nosologische Einheit, sondern um polyätiologische, wahrscheinlich genetisch mit bedingte Syndrome, denen psychische, hereditäre oder hirnorganische Ursachen zugrundeliegen können. (vgl. Claus 1995, S. 50)
Definition 4:
Die Bezeichnung Autismus wird häufig undifferenziert und meist auch unzutreffend für jegliche Form in sich gekehrten, realitätsfernen Verhaltens des Menschen verwendet.
Das von L. Kanner 1943 beschriebene Krankheitsbild des frühkindlichen Autismus (Kannersches Syndrom) kann in seiner klassischen Form äußerst selten diagnostiziert werden. Experten sprechen von einem Fall bei 25 000 Kindern. Nach Meinung Kanners ist der Frühkindliche Autismus angeboren, B. Rimland „betrachtet Autismus als eine hemmende genetische Abweichung von der Anlage zu hoher Intelligenz“. Neuere Untersuchungen lassen auf schwere Stoffwechselstörungen schließen. Das Erscheinungsbild des frühkindlichen Autismus ist gekennzeichnet durch Teilnahmslosigkeit, Unfähigkeit zu sozialen Kontakten und zur Kommunikation, Stereotypie in Bewegung und Beschäftigung, Beunruhigung durch die geringste Veränderung der Umwelt. Etwa die Hälfte der autistischen Kinder lernt nach Rimland nie sprechen, die anderen verfügen nur über eine gestörte Sprache in meist monotoner Sprechseise. Intensive herilpädagogische Behandlung verspricht eine teilweise, seltener vollkommene Heilung. (vgl. Köck/Ott 1976 S.36)
Definition 5:
Autismus: Form unlogischen Denkens, frühkindliche Entwicklungs- und Verhaltensstörung (vgl. Österreichisches Wörterbuch 1998, S.203)

Siehe auch http://lexikon.stangl.eu/68/autismus/

Verwendete Literatur
Clauß, G.  (1995). Fachlexikon ABC Psychologie. Frankfurt/Main: Verlag Harri Deutsch.
Köck, P. & Ott, H. (1994). Wörterbuch für Erziehung und Unterricht. Donauwörth: Verlag Ludwig Auer.
Fröhlich, W. (1993). dtv-Wörterbuch zur Psychologie. dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
Michel, C.&Novak F. (1995) Kleines psychologisches Wörterbuch. Verlag :Herder
Fussy, H. (1998) Österreichisch



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    By erwin van den Hout on Sep 22, 2011