Die Erwartungen an Arbeitslose sind häufig inkompetent und riskant

24. Mai 2011 – 10:14

Studien der Universitäten Dresden und Leipzig zeigen, dass die Anforderungen an Erwerbslose häufig unrealistisch und gesundheitsgefährdend sind, denn von den Arbeitslosen werden Veränderungen verlangt, die auch viele Menschen in stabilen Verhältnissen kaum zu leisten in der Lage sind: finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen, Veränderungen der Lebensführung vorzunehmen, Veränderung zentraler Rollen, Umzüge, Trennung von der Familie bei wohnortfernen Arbeitsangeboten und unsicherer Perspektive. Daher sind die Forderungen, viele Bewerbungen zu unternehmen, eine hohe Arbeitsorientierung und eine starke Konzessionsbereitschaft zu haben und auch noch viel Optimismus an den Tag zu legen, eher kontraindiziert. Vor allem der Rat, eine möglichst hohe Zahl an Bewerbungsschreiben nachzuweisen, auch wenn die Erfolgschancen gering sind, entmutigt die Arbeitssuchenden immer mehr, schädigt ihr Gefühl der Selbstwirksamkeit und kann damit die emotionalen bzw. gesundheitlichen Voraussetzungen einer Erwerbsfähigkeit zerstören. Demnach geht eine mittlere Arbeitsorientierung mit einer besseren psychischen Gesundheit einhergeht als eine hohe, da dann erfolglose Bewerbungen besser bewältigt werden können. Auch sollten Motivationstrainings nicht eine zu hohe Arbeitsorientierung in den Vordergrund stellen, was eine bessere Anpassung an die gegenwärtige Lebenssituation bedeutet und vor allem bei Langzeitarbeitslosen als Teil einer positiven Bewältigungsstrategie bewertet werden sollte. Ist der Arbeitslose bei einer Arbeitsplatzwahl zu hohen Konzessionen bereit, besteht die Gefahr einer beschleunigten Abwärtsspirale, da ein erheblicher Teil dieser Wiedervermittelten innerhalb eines Jahres wieder arbeitslos werden, sodass eine hohe Konzessionsbereitschaft und Arbeitsorientierung als Risikofaktor für eine gelingende Bewältigung von Arbeitslosigkeit betrachtet werden muss.



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