Phasen der Partnerschaft

25. Januar 2009 – 09:40

Jede Partnerbeziehung durchläuft nach den Phasen der Verliebtheit und der darauffolgenden Entmystifizierung des Gegenübers eine Phase des Machtkampfs mit dem damit verbundenen Wechselspiel zwischen Dominanz und Unterwerfung. Gelingt die Beziehung kommt man auf einem Weg der „Rückbesinnung auf sich selbst“ zu einer „reifen Liebesbeziehung“.
Einer psychologische Studie zufolge neigen Frauen vor allem zu Beginn einer Partnerschaft zu einem verklärten Blick auf ihre Beziehung, während Männer diese nüchterner betrachten. Befragt wurden Paare vor und einige Zeit nach ihrer Hochzeit, wie sie sich den idealen Partner, die ideale Beziehung und das ideale Verhalten bei Konflikten vorstellen. Auch bei Frauen weicht die anfängliche die Verklärung schnell einem Pragmatismus und schon ein Jahr nach der Eheschließung blieb von den meisten Idealen wenig übrig und statt alles gemeinsam zu machen, gehen die Paare immer öfter getrennte Wege, was aber die Beziehung keineswegs belasten muss. Gefährlich ist es nur, wenn man sich so stark auseinanderlebt, dass man überhaupt keine Übereinstimmung mehr findet.
Nirgends ist der Mensch seinem Kindsein ähnlicher als in der Liebe und nirgends ist er so schutzlos ausgeliefert. Ohne therapeutischen Beistand in die Selbstreflexion zu gelangen ist in der Regel nahezu unmöglich. Die kindliche Hoffnung, mit der man oft über Jahre in Beziehungshöllen verharrt, da man immer noch glaubt, irgendwann wird sich der andere noch ändern, muss scheitern und die fortgeschrittene Dauer innerhalb einer krankhaften Paarkonstellation erhöht die Verstrickungsgefahr und reduziert die Chance zur Entflechtung.
Häufigstes Anfangsindiz für einen schleichenden Vergiftungsprozess ist ein einsetzendes Ungleichgewicht der Zuwendung, die man als „paradoxe Leidenschaft“ bezeichnet. Wenn ein von starken Verlustängsten geprägter Mensch, der in seiner Kindheit durch mangelnde Zuwendung traumatisiert wurde, seinen Partner zu „überlieben“ beginnt, indem er ständig Kontrolle über ihn zu erlangen versucht, kommt das Objekt der Liebe automatisch in eine Machtposition. In dem Moment ist der Überliebte dazu verführt, die Grenzen auszuloten. Im Extremfall ruft die wachsende Angst des Verlustes beim vermeintlichen „Opfer“ einer solchen paradoxen Konstellation krankhafte Eifersucht und Besitzansprüche hervor, die durch die unbewusste Provokation des sich entziehenden Partners am Pulsieren gehalten werden.
Übrigens verhindert eine liebevolle und lebendige Paarbeziehung  das Risiko für Altersdemenz erheblich, wie Krister Håkansson (Karolinska Institut) in einer Bevölkerungsstudie der 60er- und 70er-Jahre feststellte, die er auf Faktoren für das Auftreten von Demenzleiden untersuchte. Falls der Betroffene bis ins Alter in einer glücklichen Partnerschaft lebt, halbierte sich das Risiko, war der Betroffene geschieden, verdreifachte sich das Demenzrisiko. Eine Versiebenfachung wurde für den überlebenden Teil eines Paares ermittelt, wenn der Partner schon in mittleren Jahren verstorben war. Lebenslange Singles schnitten ebenfalls deutlich besser ab als geschiedene oder durch Tod getrennte Paare, aber auch schlechter als bis ins Alter zusammenlebende Paare.

Phasen der Ehe bzw. Partnerschaft nach Liberty Kovacs

  • Schwärmerei: Die Partner betrachten sich gegenseitig als nahezu ideal, sie sind bereit, sich auf den anderen ganz einzulassen, sie wollen die Wünsche des anderen erfüllen, die Sehnsucht nach Nähe, das Verliebtsein, steht im Mittelpunkt.
  • Verschiedenheiten und Schwächen treten zu Tage. Die Partner kümmern sich wieder mehr um ihre eigenen Interessen, die Alltagspflichten und Gewohnheiten gewinnen mehr an Kraft. Bald kommt es zu ersten Enttäuschungen und Ernüchterungen. Das Glücksgefühl, im siebten Himmel zu schweben, wird brüchig.
  • Veränderungswunsch: Einer versucht den anderen zu verändern, ihn nach seinen Erwartungen zu formen. Dabei kommt es zu Misstrauen und Schuldzuweisungen.
  • Das verflixte siebente Jahr: Dabei fühlen sich ein oder beide Partner eingeengt und verspüren den Drang, die Partnerschaft zu lösen.
  • Wenn sich diese Irritation auflösen lässt, kommt es zu einer Versöhnung, oder es werden Arrangements getroffen, Kompromisse eingegangen. Die Partner nähern sich wieder einander an, weil sie akzeptiert haben, dass der andere eben nicht zu hundert Prozent den eigenen Erwartungen entsprechen kann oder muss. Sie erkennen, dass eine Beziehung aus Geben und Nehmen besteht.
  • Gleichgewicht zwischen Nähe und Selbstständigkeit. Voraussetzung dafür ist ein Reifungsprozess, der beiden zeigt, dass Krisen und Unzufriedenheit normale Begleiterscheinungen in einer Partnerschaft sind. Wichtig ist, dass sich jeder Partner weiterentwickeln kann und muss.

Jüngere Paare wissen in manchen Bereichen mehr über den Partner als ältere

Man würde vermuten, dass langjährige Paare in ihren Kenntnissen über den andern mit der Zeit näher zusammenrücken und mehr über die Vorlieben und Neigungen des anderen wissen. Scheibehenne & Mata (2020) hatten in einer Studie mit 58 älteren und jüngeren Paare versucht, die Vorlieben und Abneigungen der Partners in drei Bereichen (Essen, Filme, Küchenmöbel) vorherzusagen, wobei Jüngere häufiger ins Schwarze trafen als die Senioren. Die Genauigkeit der Vorhersagen über die Partner betrug durchschnittlich 40,2%, wobei die älteren Paare mit 36,5% schlechter abschnitten als die jüngeren mit 42,2%. Dies erschien den Forschenden überraschend, da die Älteren im Verlauf ihrer Beziehung doch viel mehr Zeit und Möglichkeiten hatten, mehr über die Präferenzen des andern zu erfahren. Unabhängig von Alter war zudem die Genauigkeit der Vorhersage umso besser, je relevanter der Bereich im Alltag ist, lag also beim Essen (45,8%) höher als bei den Filmen (41,5%) und den Küchenmöbeln (33,1%); auch sehr starke Vorlieben und Abneigungen wurden hier besser vorausgesagt. Vermutlich verbessert sich die Kenntnis ihres Partners besonders am Anfang einer Beziehung, wenn sie am stärksten motiviert sind, ihn kennenzulernen. Möglicherweise verschlechtert sich das Wissen über den andern mit den Jahren deshalb, weil man sich in seiner Beurteilung des andern vertraut und Änderungen seiner Einstellungen weniger bemerkt. Auch ist in langjährigen Beziehungen ein objektives Bild des Partners gar nicht besonders wichtig ist, um die Partnerschaft zu erhalten, da das Gegenüber als idealer oder als ähnlich zu einem selbst angesehen wird, sodass man über dessen tatsächlichen Präferenzen wenig weiß. Die genausten Vorhersagen gaben übrigens jene Paare ab, bei denen die Vorlieben beider Partner ähnlich waren, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass Menschen ihre eigenen Präferenzen oft auf jene des andern übertragen. Die geringere Vorhersagegenauigkeit der älteren Paare wird damit aber nicht erklärt, denn diese waren sich in ihren Vorlieben sogar etwas ähnlicher als jüngere.

Quellen

http://www.profil.at/articles/0904/560/231772/

schlagende-verbindungen-wenn-liebe-partnerschaft-dauerdrama (09-01-25)
http://www.welt.de/wams_print/article4104676/Meldungen.html (09-07-12)
Psychologie heute 2010.
Scheibehenne, Benjamin, Mata, Jutta & Todd, Peter M.  (2010). Older but not wiser—Predicting a partner’s preferences gets worse with age.  Journal of Consumer Psychology. In press.

Siehe dazu auch Schlechtes Streiten in der Partnerschaft
und
Goldene Regeln des Streites – Wie man jeden Konflikt gewinnt?



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  1. 2 Responses auf “Phasen der Partnerschaft”

  2. Was für ein interessanter Bericht. Der Aspekt, wie emotional unterschiedlich Männer und Frauen eine neue Liebe betrachten, war mir zwar nicht neu, aber interessant, dass eine Studie das jetzt auch gezeigt hat.

    By Stromberg on Dez 17, 2010

  3. Schöner Überblick, auch wenn ich ein wenig merkwürdig finde eine Partnerschaft in Phasen aufzuteilen. Das wirkt so klinisch und hat überhaupt nichts romantisches…

    By Phasenstrom on Dez 17, 2010