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Jean Piaget - Kurzbiographie

Fernuniversität Hagen Kurs 03250 Einführung in die Psychologie

Jean Piaget wurde am 9. August 1896 in Neuenburg geboren. Er ist das erste Kind von Arthur Piaget, Professor für mittelalterliche Literatur, und Rebecca Jackson. Er tritt mit zehn Jahren in das Collège Latin ein und intensiviert seine naturwissenschaftlichen Interessen. Des weiteren beschäftigte er sich außerhalb der Schule im Museum für Naturgeschichte, wo er bei einer Arbeit über Land- und Süßwassermuscheln und -schnecken mitarbeitete. Er wird in diesem Bereich noch vor Ende seiner Sekundarschulzeit zu einem regelrechten Spezialisten. Piaget wird sein Leben lang an diesem Wissensbereich interessiert bleiben. In den vier Jahren, in denen er dort arbeitete, konnte Piaget ein enormes Wissen auf dem Fachgebiet der Malakologie sammeln und veröffentlichte schon mit 15 Jahren eine Reihe von Aufsätzen über Mollusken. Diese Artikel gelten als Ausgangspunkt seiner brillanten wissenschaftlichen Karriere, er selbst sieht diese Arbeiten als einen "Schutzmittel gegen den Dämon der Philosophie". Diese Einstellung war es sicherlich auch, die Piaget in "philosophische Krisen" stürzte. Die erste Krise durchlebte er erstmals in der Konfrontation mit der Religion. Dabei hatte er vor allem das Problem, die religiösen Dogmen mit den Erkenntnissen der Biologie zu verbinden. Eine weitere konfliktreiche Phase entstand als Piaget das Buch "Schöpferische Entwicklung" des Philosophen Henri Bergsons las, welches sein Leben entscheidend beeinflußte. Piaget gewann durch diese neue Perspektive einen neuen Untersuchungsgegenstand hinzu, nämlich das "Problem der Erkenntnis", dessen Lösung er vor allem durch biologische Erklärungen erreichen wollte.

Durch diesen Kontakt mit der Philosophie, die ihn nicht vollständig befriedigen konnte, erwachte sein Interesse an andere Autoren wie Kant, Spencer, Comte und Durkheim. Der Gedanke, der in Piaget durch diese Einflüsse entstand, daß das Handeln in sich eine Logik hat und daß die Logik infolgedessen ihren Ursprung in einer Art spontaner Organisation der Handlungen hat, blieb auch für seine späteren Arbeiten zentral, ebenso wie die "Entdeckung", daß in der Erkenntnis Gesamtheiten vorkommen, die sich qualitativ von ihren Teilen unterscheiden und ihnen eine Organisation aufzwingen. Also genau wie in den organischen und sozialen Bereichen sind die einzelnen Elemente nicht voneinander isoliert, sondern in Strukturen organisiert.

Nach seiner Matura schreibt sich Piaget an der naturwissenschatlichen Fakultät der Universität Neuenburg ein, wo er auch zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert. Er publiziert in dieser Zeit zwei philosophische Schriften, die, obwohl später von ihm selbst als "Jugendsünden" bezeichnet, für die Entwicklung seines Denkens wegweisend sind. Die Verbindung von philosophischen und biologischen Erkenntnissen, sowie die Ablehnung der philosophischen Methoden der Reflexion und der Spekulation, die Piaget durch die wissenschaftliche und experimentelle Untersuchung ersetzen wollte, bildeten das Grundgerüst seiner Arbeiten über die Entstehung und die Entwicklung der Erkenntnis. Aus diesen Überlegungen heraus kam er erstmals in Kontakt mit der Psychologie. Nachdem er 1918 dissertierte, reiste er nach Zürich, um in den psychologischen Laboratorien von Gottlob Friedrich Lipps und Arthur Wreschner und in Eugen Bleulers Psychiatrischer Klinik zu arbeiten. Er entdeckte in dieser Zeit die Psychoanalyse, lehnte diese jedoch ab und war in dieser Zeit relativ unproduktiv bezüglich seiner eigenen erkenntnistheoretischen Arbeit. Als er jedoch 1919 nach Paris umzog, begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Er arbeitete mit Théodore Simon zusammen an der Standardisierung von Intelligenztests des Briten Cyril Burt für Pariser Kinder, wobei er sich nicht nur mit der Statistik dieser Arbeit begnügte, sondern sich auch mit den Denkprozessen der Kinder beschäftigte, die hinter ihren wahren, vor allem aber hinter ihren falschen Antworten stehen. Piaget konnte in diesem Zeitraum drei wichtige Erkenntnisse herausarbeiten:

Piaget entdeckte mit dieser Arbeit sein eigentliches Forschungsgebiet indem er versuchte die Philosophie, die Biologie und die Psychologie miteinander zu verbinden. Die Entwicklung des Begriffs vom Teil, das symbolische Denken und die Entstehung des formalen Denkens bildeten die Schwerpunkte seiner Untersuchungen. 1921 wird er von Edouard Claparède und Pierre Bovet an die Universität Genf berufen, um die Stelle eines Forschungsleiters zu übernehmen. 1924 heiratet er Valentine Châtenay, mit der er zwei Töchter und einen Sohn bekommt. Seine Arbeit bekommt in dieser Zeit eine Wende, indem er in teilnehmender Beobachtung und mit Experimenten versucht, konkrete Informationen über die Ursprünge und die früheste Entwicklung des Erkenntnisverhaltens, der Begriffsentwicklung und der symbolischen Verhaltensweisen (Nachahmung und Spiel) zu sichern.. Diese Ergebnisse, die vor allem dadurch gewonnen werden konnten, daß er sich auf den handelnden Umgang des Kindes mit Teilen seiner Umwelt konzentrierte, bildeten die Basis für seine drei folgenden Veröffentlichungen, in denen er feststellte, daß durch das sensomotorische Handeln das Stadium der intellektuellen Operationen vorbereitet wird und zwar ohne Verwendung von Sprache. An seinen Kindern beobachtet er die Entwicklung der Intelligenz, von der Geburt bis zum Spracherwerb.

Am J.-J. Rousseau Institut in Genf fand er günstige Bedingungen für seine weiteren kinderpsychologischen Experimente vor und widmete sich anfangs dem kindlichen Denken und dessen Ursprung im Bewußtsein, um sich dann mit dem Denken allgemein zu beschäftigen und eine psychologische und biologische Epistemologie zu entwickeln. Zwischen 1924 und 1933 veröffentlichte er die ersten fünf bedeutenden Bücher, die er selbst als "unfertige" Vorarbeiten einschätzte und zu einem späteren Zeitpunkt mit neuen Erkenntnissen abschließen wollte. Dennoch erfuhren diese Werke eine große Resonanz und werden als abgeschlossene Arbeiten anerkannt. Er erhält Einladungen zu Gastvorträgen und Diskussionen aus Europa und Übersee.

Piaget war sich zweier Mängel seiner Arbeiten bewußt, die ihn seine Untersuchungen zur Entwicklung am Lebensanfang fortsetzen ließen:

Piaget kam in dieser Zeit in Kontakt mit der Gestaltpsychologie und war von den Experimenten beeindruckt, erkannte jedoch, daß der Gestaltbegriff nicht dem Strukturtypus entspricht, der die logischen Operationen kennzeichnet, einer gleichsam höheren Form des Gleichgewichts, in dem sich die Teile und das Ganze wechselseitig erhalten. Eine Differenzierung dieses Gleichgewicht schien für Piaget die logische Folgerung daraus zu sein und er versuchte nun, mit einem eher genetischen Ansatz die Strukturtypen zu untersuchen.

Nachdem Piaget eine wichtige Arbeit über die Mollusken abgeschlossen hatte, die auch für seine Erkenntnistheorie und seine psychologische Theorie wichtig war, kehrte er 1929 zurück nach Genf und übernahm dort pädagogische Aufgaben. Er wurde Direktor des Bureau International de l'Éducation,. 1933 arbeitete er zusätzlich als Direktor des Instituts für Erziehungswissenschaften in Genf.

Piaget wird in der Folge als Professor für Psychologie, Soziologie und Philosophie der Wissenschaften an der Universität Neuenburg wirken (1925 bis 1929), dann von 1929 bis 1939 als Professor für die Geschichte der Wissenschaften an der Universität Genf, von 1929 bis 1967 als Direktor des Bureau International d'Education, welches versuchte, die damaligen Unterrichtsmethoden zu verbessern. Als erste internationale Ehrung bekam Piaget den Ehrendoktor der Harvard Universität, worauf später 29 weitere Ehrendoktorate folgen sollten. Er übernahm 1939 einen Lehrstuhl für Soziologie in Genf und erhielt 1940 den Lehrstuhl für experimentelle Psychologie. Er wird Herausgeber der "Archives de Psychologie", gründete die Zeitschrift "Revue Suisse de Psychologie" und wurde Vorsitzender der Schweizer Gesellschaft für Psychologie. Seine wissenschaftliche Arbeit bestand in dieser Zeit vor allem darin, die Beziehung zwischen Wahrnehmung und Intelligenz zu untersuchen, indem er sich der Wahrnehmungsentwicklung beim Kind widmete. Desweiteren untersuchte er die kindlichen Vorstellungen und ihre Entwicklung bezüglich Zeit, Bewegung und Geschwindigkeit. Er veröffentlicht 1947 das Buch "Psychologie der Intelligenz", in dem er seine bisherigen Erkenntnisse zur geistigen Entwicklung systematisch vorbrachte.

Er engagierte sich ebenfalls auf pädagogischem Gebiet und wurde Präsident der schweizerischen Kommission der UNESCO und verfaßte u.a. eine Broschüre mit dem Titel "Das Recht auf Erziehung" (1948; dt. 1975). Weitere pädagogische Aufgaben lehnte Piaget jedoch zugunsten seiner wissenschaftlichen Forschungen ab, da er sich nunmehr auf die Entwicklung des räumlichen Denkens, der Geometrie des Kindes und der Entwicklung des Zufallskonzepts konzentrieren wollte. Sein ursprüngliches Anliegen, nämlich die Entwicklung einer genetischen Epistemologie, wurde mit einem drei-bändigen Werk weiter verfolgt. Piaget beschäftigte sich mit dem Verhältnis der geistigen Strukturen zu den Stadien der Nervenentwicklung, um zu einer allgemeinen Theorie zu gelangen, die die Strukturen ausreichend erklären konnte. Um dieses Anliegen abzusichern versucht er, ein interdisziplinäres Forschungszentrum aufzubauen, das ihm 1965 mit dem Centre International d' Épistémologie gelang. Diese Errichtung sah Piaget als den Abschluß seiner wissenschaftlichen Lebensaufgabe, arbeitete aber dennoch noch an seinen Untersuchungen weiter und veröffentlichte mehrere Bücher, wobei alte Themen mit neuen Methoden und Konzepten behandelt wurden. Aber auch neue Themen wurden angegangen und interdisziplinär untersucht, wie z.B. das Gedächtnis, Vorstellungsbilder usw. Piaget konnte damit seine theoretische Arbeit teils bestätigen, teils erweitern und differenzieren. Zeitgleich wurde seinen Werken, von den USA ausgehend, international immer mehr Beachtung geschenkt. Dies fand vor allem in der Psychologie statt, beeinflußte aber auch andere Disziplinen wie die Soziologie, Pädagogik und Philosophie.

Piaget ist der einzige Schweizer Professor, der an die Sorbonne eingeladen wurde (1952 bis 1963). 1955 gründet er das Centre International d'Epistémologie Génétique, das er bis zum seinem Tode am 16. September 1980 in Genf leiten wird. Das Werk Piagets auch heute noch die Forschung in so unterschiedlichen Bereichen wie jenen der Psychologie, der Soziologie, der Erziehungswissenschaften, der Erkenntnistheorie, der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an.

 

Siehe auch: Ernst von Glasersfeld: Homage to Jean Piaget 

Die Stimme von Jean Piaget:

 


Siehe dazu auch: Die strukturalistische kognitive Entwicklungstheorie

Arten des Wissens nachPiaget

 

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Quellen:
Fatke, Reinhard (1979). Jean Piaget. In Hans Scheuerl (Hrsg.), Klassiker der Pädagogik, Bd. 2 (S. 290-314). München: Beck Verlag.
http://www.unige.ch/piaget/biod.html (98-09-23)

http://www.piaget.org/ (98-09-23)

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