[werner.stangl]s arbeitsblätter tests

Persönliche Wunschvorstellungen (PW)

Theoretische Grundlagen

Unter den psychologischen Theorien, die Strukturmerkmale sozialer Beziehungen zu erklären versuchen, versucht die Ressourcentheorie von Edna B. Foa & Uriel G. Foa (1976) mit möglichst einfachen Annahmen eine geschlossene theoretische Behandlung von sozialen Beziehungen zu ermöglichen. Sie erhebt den Anspruch, ein allgemeines und einfaches Klassifikationsschema für alle nur denkbaren Formen des sozialen Austausches zur Verfügung zu stellen. Nach der "Resourcentheorie sozialer Beziehungen" ist zwischenmenschliches Verhalten (soziale Interaktion) stets gekennzeichnet durch den Austausch, d.h. das Geben und Nehmen von einer oder von mehreren Ressourcen, die den an der Interaktion beteiligten Menschen dabei zur Verfügung stehen. Eine Ressource ist eine Gegebenheit, ein Merkmal, ein Objekt oder eine Beziehung und umfasst daher ganz unterschiedliche Dinge wie einen Kuss, einen Geldbetrag, ein Weihnachtsgeschenk oder auch eine Hilfeleistung. Dabei gibt es keine objektive bzw. absolute Bestimmbarkeit (etwa im Sinne von objektiver Bedeutung) dieser Ressourcen, vielmehr erhalten diese erst während der sozialen Interaktion durch subjektive Interpretionen der Beteiligten ihre Bedeutung (meaning).

Foa & Foa (1976, S. 101) erläutern: "A 'resource' is defined as anything that can be transmitted from one person to another. This definition is broad enough to include things as different as a smile, a check, a haircut, a newspaper, a reproachful glance, and a loaf of bread (...) ..., some resources are more alike than others in terms of their meaning, their use, and the circumstances of their exchange".

Die zentralen Annahmen der Theorie beziehen sich einerseits auf die Definition von Ressourcen und deren qualitative und quantitative Beschreibung, andererseits auf die Verteilung dieser Ressourcen über die Teilnehmer an Interaktionssystemen. Für alle austauschbaren Ressourcen gelten drei Aussagen:

Die Liste zugeschriebener oder gesuchter Ressourcen stellt die Antwort auf die Fragen dar: Wer besitzt etwas, das für mich wichtig ist? Kann er darüber verfügen und kann ich ihn dabei beeinflussen?

Da Ressourcen zugeschrieben und bewertet werden, sind intra- und interindividuelle Unterschiede zu erwarten. Sie stellen keine objektiven Gegebenheiten dar. Daher können sowohl falsche als auch falsch bewertete Zuschreibungen aufgrund ihrer Subjektivität ein hohes Ausmaß an Kommunikations- und Interaktionsrelevanz besitzen. Hier spielt z.B. der Vertrautheitsgrad mit dem Interaktionspartner bzw. der Situation eine Rolle, d.h. die (gemeinsamen) Erfahrungen bestimmen das Ausmaß an möglichem Konfliktpotential hinsichtlich der Definition (Bedeutung) der Ressourcen.

Ein wichtiges Merkmal der Ressourcentheorie ist nicht nur die statische Betrachtung von sozialen Beziehungen sondern auch die Analysemöglichkeit des Austauschprozesses. Eine solche Annahme ist z. B.: je höher die Ressourcenkorrelation, desto stabiler ist der Beliebtheitsstatus bzw. die soziometrische Struktur einer Gruppe, wenn diese sich im Verlaufe der Zeit verschiedenen Aufgaben zuwendet (vgl. Feger 1984, S. 11). Dadurch ergeben sich starke Implikationen für die psychologische Aufgaben der Veränderung bzw. Beeinflussung sozialer Beziehungen. Will man vorhandene soziale Beziehungen ändern, so kann man: "(1) materielle Bedingungen ändern, die voraussichtlich zu Änderungen der Zuschreibungen und Bewertungen führen (die "Freunde", die der plötzlich Reichgewordene bekommt, sind sprichwörtlich; der Funktionsverlust der Ritter im ausgehenden Mittelalter führte zu Einbußen an Macht), (2) ohne direkte Änderung der materiellen Basis kann man Zuschreibungen und Bewertungen beeinflussen (der Einfluß der Ordinarien schwand nicht erst durch die neuen Hochschulgesetze), (3) man kann die Ressourcenkorrelation zu ändern versuchen, etwa durch ein "project headstart", (4) man könnte die Übereinstimmung beeinflussen, etwa durch selektive Information, usw." (Feger 1984, S. 11). Die Ressourcentheorie kommt sicherlich nicht ohne Berücksichtigung von Moderatorvariablen aus, wenn sie nicht an die Grenzen ihrer Generalisierbarkeit stoßen möchte. Allerdings gibt es bislang noch keine systematischen empirischen Arbeiten, die aufgrund dieser Annahmen die situativen und personalen Randbedingungen aufzeigen. Wie ein Vergleich der Annahmen der Ressourcentheorie mit den Annahmen anderer Theorien zeigt (Balancetheorie, Austauschtheorie, Dissonanztheorie), gibt es deutliche Überschneidungen.

Nach der Ressourcentheorie spiegelt die Kongruenz bzw. Diskrepanz zwischen eingesetzten und erhaltenen Ressourcen in sozialen Interaktionen den momentanen Zustand der sozialen Anpassung eines Individuums wider. Eine ausgeglichene Bilanz führt demnach zu einer hohen Zufriedenheit, während eine unausgeglichene Bilanz zu Anpassungsschwierigkeiten bzw. zum Erleben eines unbefriedigenden Sozialkontaktes führt. Das kann einerseits dazu führen, dass sich die Person von der Umwelt zurückzieht (also Sozialkontakte meidet), andererseits dazu, dass eine Person von ihrer Umwelt abgelehnt wird (also von anderen Sozialkontakte mit dieser Person vermieden werden).

Allerdings bedarf die Ressourcentheorie bei ihrer Anwendung auf praktische Fragestellungen zusätzlicher theoretische Rahmenbedingungen. Die wichtigsten zusätzlichen Begriffe bzw. Merkmale des hier verwendeten Modells sollen im folgenden kurz besprochen werden.

Um das Verhalten einer Person in einer konkreten sozialen Interaktionssituationen zu untersuchen (zu beschreiben, zu erklären bzw. vorherzusagen), ist es notwendig, Informationen über die Person, die Situation und die Wechselwirkungen zwischen Person und Situation zu besitzen.

Informationen über die Person betreffen etwa im Gedächtnis fixierte oder aktualisierbare individuelle Personmerkmale (Dispositionen) und Ziele (Intentionen) dieser Person (als anzustrebende Sollzustände). Sie umfassen etwa Aspekte der intellektuellen Leistungsfähigkeit, aber auch Einstellungen und Erwartungen im Hinblick auf das Ergebnis eigenen Verhaltens. Die Auswahl von Ressourcen ist daher von den jeweiligen Intentionen (Zielen) der Person mitbestimmt. Die Erwartungen in sozialen Interaktionssituationen betreffen aber auch die Ressourcen des jeweiligen Interaktionspartners, die er gegenüber dieser Person in einer gegebenen Situationen einsetzen sollte bzw. vermutlich einsetzen wird. Sie stellen daher einen "Vorgriff" auf die Wechselwirkung zwischen eigener Person und Umwelt dar, sie sind gewissermaßen latente "Vorläufer" des (folgenden) overten Verhaltens. Erwartungen an die soziale Umwelt sind weitgehend das Ergebnis der individuellen Lerngeschichte der einzelnen Personen. Sie geben daher einen Einblick in die bisherigen Erfahrungen der handelnden Personen.

Erwartungen sind daher in diesem Modell stets zweiwertig: einerseits gibt es Erwartungen hinsichlich des eigenen Verhaltens, andererseits aber auch Erwartungen hinsichtlich des Verhaltens des Interaktionspartners. Die Antizipation des Verhaltens des Interaktionspartners wird sich vermutlich ebenfalls auf die Auswahl der eigenen Verhaltensalternativen auswirken. Generell können diese personalen Merkmale auch unter dem Begriff "need" (Murray) subsummiert werden.

Informationen über die Situation betreffen zwei für die Analyse zu trennende Aspekte: einerseits die "objektive" Gesamtsituation mit ihren situativen Bedingungen (etwa im Sinne der "geographischen Umwelt" von Koffka (1935) oder der "a-Situation" von Murray (1951)) und die wahrgenommene Situation (etwa im Sinne der "Verhaltensumwelt" von Koffka (1935), dem "Lebensraum" von Lewin (1936), dem "unmittelbaren Verhaltensraum" von Tolman (1951), der "psychologischen Situation" von Rotter (1955) oder der "b-Situation" von Murray (1951)).

Für die Betrachtung psychologischer Phänomene wie der individualen soziale Anpassung ist dabei vorwiegend der zweite Aspekt von Bedeutung, da vor allem die individuellen Wahrnehmungsmuster (etwa im Sinne von "internen Modellen der Umgebung"; Boneau 1974) der Person bzw. die Bewertungen, die sie in einer Situation durchführt, verhaltensrelevant sind bzw. werden.

Zu diesen subjektiven Aspekten bei der Beurteilung einer sozialen Interaktion gehören das Problem der Vertrautheit mit einer solchen Situation (etwa im Sinne der Sicherstellung einer gemeinsamen Situationsdefinition) und unter testtheoretischer Perspektive auch das Problem der Relevanz einer Situation für die jeweilige Person. Des weitern gehören dazu auch die wahrgenommenen Verhaltensalternativen des Interaktionspartners bzw. deren antizipatorischen Bewertungen. Zusammengefasst können diese subjektiven Merkmale der Situation auch unter dem Begriff "press" (Murray 1951) zusammengefasst werden.

Die Wechselwirkungen, also das eigentliche (latente und overte) Verhalten, betreffen die Operationen (Einsatz von Ressourcen), die von einer Person zur Erreichung eines Zielzustandes (im Vergleich mit einem Sollzustand) eingesetzt werden. Das Verhalten einer Person wird in dieser Arbeit mit dem Einsetzen von Ressourcen definiert, die eine Person in einer konkreten Situation investiert bzw. investieren wird (s.o). Zum latenten Bereich des Verhaltens gehören etwa individuelle Präferenzhierarchien, das Verhaltensrepertoire und vorauslaufende Handlungsentwürfe.

Die Auswahl der Verhaltensweisen spiegelt Erwartungen und Bewertungen der Person wider, welche Ressourcen in der jeweiligen Situation eingesetzt werden sollen, um diese Situation optimal für diese Person zu gestalten, d. h. für die Erreichung eines bestimmten Ziels als geeignet eingeschätzt werden, andererseits liegt im Verhalten der Person zugleich auch ein Schlüssel für die Beurteilung der jeweiligen Situation. Im overten Bereich des Verhalten (Handlungen) einer Person liegt aber unter psychologischer Perspektive die einzige Möglichkeit, Informationen über die Person bzw. die von ihr wahrgenommene Situation zu erhalten. Die Aufgabe eines entsprechenden psychologischen Modells ist daher, diese Informationen zu trennen bzw. analytisch die Anteile am Verhalten zu beschreibend und erklärend zu bestimmen. Aus der Ressourcentheorie kann abgeleitet werden, dass Interaktionen immer dann befriedigend verlaufen, wenn der Austausch von Ressourcen konsistent ist, d.h., dieselben oder die nach dem Modell gleichwertigen Ressourcenklassen betreffen. Beim Austausch von "ungleichen" Resourcen müssen in der Bilanz wesentlich höhere Kosten in Kauf genomen werden, die letztendlich zur Unzufriedenheit mit der Interaktionssituation führen.

Die Dimensionalisierung

Nach Foa & Foa (1976, S. 101) gibt es nur sechs Hauptkategorien von solchen Ressourcen, die in einem zweidimensionalen Schema mit den Dimensionen particularism und concreteness einordnen lassen. Der erste Buchstabe kennzeichnet das im Folgenden manchmal verwendete Kürzel, danach folgt die ursprüngliche englische Originalbezeichnung des Faktors und das deutsche Äquivalent:

Diese sechs Ressourcentypen für den zwischenmenschlichen Austausch stehen in einem Austauschschema (Hexagon, siehe die Abbildung rechts) einander gegenüber, in dem sich immer zwei Klassen räumlich und auch inhaltlich diametral gegenüberstehen- also z.B. Liebe und Geld oder Waren und Prestige-, während benachbarte Ressourcen miteinander enger zusammenhängen als mit den entfernteren. Dieses zweidimensionale Schema wird durch die Dimensionen "particularism" und "concreteness" aufgespannt: Auf der Dimension "concreteness" variieren die Ressourcen von "handdgreiflich" bis "symbolisch", auf der Dimension "particularism" von "spezifisch, personenbezogen" bis "unspezifisch, unversell".

Nähe und Nachbarschaft bedeutet in diesem Modell, wie diese Ressourcen in einer Austauschbeziehung stehen, also dass z.B. Waren leicht durch andere Waren oder durch Geld abgegolten werden können, während es ungleich schwieriger ist, Waren mit Prestige oder gar Liebe auszugleichen. Daher gilt, dass Ressourcen, die in diesem Modell eng beieinander liegen, leichter wechselseitig ausgetauscht und ersetzt werden können als solche, die im aufgespannten Raum weiter voneinander entfernt liegen. Diese Abbildung macht daher nicht nur die Beziehungen zueinander deutlich, sondern zeigt zugleich, wie am ehesten zufriedenstellende Austauschbeziehungen aussehen sollten.

Mit anderen Worten: Bei sozialen Austauschprozessen sollte auf das Geben einer bestimmten Ressource wenn möglich mit einem Äquivalent aus derselben oder einer sehr naheliegenden Klasse geantwortet werden. Dadurch wird die Zufriedenheit der Interaktionsteilnehmer gewährleistet. In diesem Prinzip äußert sich ein Gleichgewichtsgedanke, der in allen Austauschtheorien einen zentralen Platz einnimmt. Bei einem Austausch gleichwertiger bzw. gleichbewerteter Ressourcen ist die Zufriedenheit der Interaktionsteilnehmer wesentlich höher, als wenn ungleich bewertete Ressourcen ausgetauscht werden. Solche Ungleichheiten führen häufig zu Spannungen, deren Ursachen den Beteiligten oft nicht klar sind - so gibt es bekanntlich Beziehungen, die in ihrem Verhalten nach außen hin einen "perfekten" Eindruck erzeugen, während aufgrund eines fehlenden äquivalenten Austauschs der Bruch schon vorgezeichnet ist.

Konkrete menschliche Handlungen umfassen stets mehrere Ressourcen, d.h., sie sind im wesentlichen aus mehreren Ressourcen zusammengesetzt, wobei aber ebenfalls das Prinzip der Nähe gilt, d.h., dass solche Ressourcen meist miteinander auftreten, die auch im Schema benachbart sind. So geht es etwa beim Austausch von Waren immer auch um den Austausch von Geld oder Informationen, bei einer Liebes- oderFreundschaftsbeziehung sind neben der Liebe wohl auch Respekt (Prestige) und gegeseitige Hilfe (Dienstleistung) üblich.

Die Ressourcentheorie bietet grundsätzlich auch die Möglichkeit zur Analyse von Situationen, die nach ihrem "Aufforderungsgehalt" hinsichtlich bestimmter Ressourcen klassifiziert werden können - ein bis heute weitgehend ungelöstes Problem der Sozialpsychologie.

Die Entwicklung von Ressourcen

Foa & Foa (1976) postulieren deshalb auch, dass es erst im Verlauf der sozialen Entwicklung eines Individuums zu einer Ausdifferenzierung der sechs Ressourcenkategorien kommt, wobei dieser Prozess - in etwas idealisierter Weise dargestellt - in vier Stufen verläuft:

Auf diesen vier Entwicklungsstufen werden die Ressourcen bzw. ihre Bewertungen und Bedeutungen in einem sozialen Lernprozess gelernt. Zu Beginn der Entwicklung fallen alle Ressourcen, im wesentlichen love und services noch in einem vom Säugling bzw. Kleinkind undifferenzierten "Paket" zusammen. Dabei muss beachtet werden, dass hier aus der Perspektive des betroffenen Subjekts argumentiert wird und nicht aus der eines Beobachters, der vermutlich sehr wohl unterscheiden kann, welche speziellen theoretischen Kategorien die Ressourcengaben bzw. -austauschhandlungen jeweils betreffen. Foa & Foa (1976, S. 103) schreiben dazu: "The flowing milk, the warmth and softness of his mother's body, and her care for him are all experienced simultaneously".

Die Differenzierung zwischen love und services wird erst in einem Alter möglich, in welchem das Kind bestimmte psychomotorische Fertigkeiten entwickelt hat und bestimmte Aufgaben schon selber durchführen kann. Wenn das Kind einmal selbständig essen, sich waschen und anziehen kann, ist es für die Mutter möglich, ihm love, etwa in Form von Lob und Ermunterung, zu geben, ohne ihm konkret zu helfen. Wie in den bekannten Versuchen mit Mütterattrappen von Harlow (1958) gezeigt werden konnte, sind auch Primaten zu solchen Differenzierungen in der Lage, indem sie die milchspendende Attrappe (service) jeweils nur zur Befriedigung ihres Hungers aufsuchten, während sie die fellige und weiche Attrappe (love) auch als Zuwendungsobjekt wählten, d.h., ihr Verhalten ressourcenspezifisch im Sinne des theoretischen Konzepts ausrichteten. Hier kann vermutet werden, dass diese erste Differenzierung in hohem Ausmaß noch auf genetischen Programmen beruht.

Auf einer nächsten Entwicklungsstufe wird die Differenzierung von goods und services erworben. "Goods for consumption, like food, are difficult to differentiate from services because they are presented as a service and are used only once. It is only when the child realizes that some objects disappear (understands the notion of 'all gone') while others can be used again and again that the differentiation between services and goods become feasible" (Foa & Foa 1976, S. 104). Die Differenzierung der Bedeutung von love und status verlangt bereits eine ausgeprägte Sprachbeherrschung beim Kind, denn die meisten Formen der Achtung und Wertschätzung werden verbal zum Ausdruck gebracht. Einen Beweis für diese explizite Differenzierung von love in die zwei genannten Aspekte kann auch in Tierbeobachtungen gefunden werden. Wie Lorenz (1966) beschrieben hat, enthalten Unterwerfungsgesten von Hunden bestimmte Elemente, die direkt aus den Beziehungen des jungen Hundes zu seiner Mutter abgeleitet werden können, während bei Pavianen solche Gesten eher aus der Aufforderung von Weibchen zum sexuellen Verkehr abgeleitet werden können.

Die Differenzierungen schließlich auf der letzten (höchsten?) Stufe verlangen vom Kind schon ein hohes Ausmaß an spezifischer kultureller Sozialisation. Während ein zweijähriges Kind Geld (aber auch vergleichbare Austauschobjekte wie etwa die in der Psychologie so beliebten tokens) entweder als glitzernden oder bunten Gegenstand bzw. als nutzloses Stück Papier betrachtet, wird ein vielleicht Vierjähriger seine Bedeutung schon erkannt haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist die Unterscheidung von money und goods an die Fähigkeit des Kindes zum Belohnungsaufschub geknüpft, wie in zahlreichen Untersuchungen zur Verhaltensmodifikation nachgewiesen werden konnte.

Die bewertende Unterscheidung zwischen information und status findet etwa während derselben Entwicklungsphase statt. "Parents usually expect their two-year-old child to repeat the information they give him. They may point at an object, call it by name, and ask the child to repeat the name. A successful repetition usually elicits praise. Thus information is almost always paired with status, and for the young child, these two classes are hardly distinguishable" (Foa & Foa 1976, S. 104). Erst wenn das Kind seine sozialen Beziehungen auch auf andere, etwa auf Gleichaltrige, ausdehnt, entdeckt es sehr bald, dass körperliche Stärke zwar mit einem bestimmten Status verbunden ist, während die wiederholte verbale Drohung (information), diese Stärke auch einzusetzen, mit der Zeit wohl kaum mehr die gewünschten Auswirkungen hat.

Die hier geschilderten Differenzierungen von Ressourcen sind sicherlich in hohem Ausmaß auch von kulturspezifischen Bedingungen abhängig, doch dürften sie zumindest für unsere westliche Welt einigermaßen typisch sein. Gergen (1980, S. 263) beschreibt diese Problematik - allerdings in bezug auf Austauschtheorien generell und nicht nur in bezug auf die hier diskutierte Ressourcentheorie - sehr präzise: "In short, the exchange patterns upon which the contemporary formulation is based may be considered historically, culturally, and situationally specific. In like manner, whether one repeats an action for which he or she has been rewarded is also historically situated. One need not do so (unless the concept of reward or reinforcement is entirely circular), and there would appear to be numerous occasions in which people do not. … In no case do the patterns, norms, or endpoints of exchange seem genetically programmed. To the extent that theories of social exchange are dependent on observed regularities within the culture, they are essentially documenting social history. They primarily reflect the recurring patterns favored by the peculiar interplay of contemporary circumstance". Damit wird auch die Sprach-, Analytizitäts- und Metaphernproblematik angesprochen. Allerdings zeigen zahlreiche Untersuchungen zur Ressourcentheorie (vgl. Foa & Converse 1989), dass nicht nur historische und kulturelle, sondern möglicherweise auch allgemeine phylogenetische Entwicklungsphänomene - zumindest auf den ersten Differenzierungsebenen - wirksam sein können.

Foa & Foa (1976) betonen, dass die beschriebenen Ausdifferenzierungen nicht zu einer völligen Unabhängigkeit der sechs Klassen führt, sondern dass die "Wurzeln" weitgehend erhalten bleiben, wobei diese zu den schon oben geschilderten Beziehungen zwischen ihnen führen. Es konnten von mir in eigenen Untersuchungen (Stangl 1989, 1993) eine deutliche Beziehung der individuellen Ressourcenbewertungen zu Persönlichkeitsmerkmalen nachweisen, wobei wir hier auf die dazu notwendigen Lernerfahrungen verwiesen sind, die schließlich zu ganz persönlichen Bewertungen und Bedeutungen von bestimmten Ressourcen führen. Gerade diese gelernten, d.h., letztlich individuellen, Beziehungen zwischen den Bewertungen von Ressourcen werden bei der alltäglichen aber auch der wissenschaftlichen Analyse sozialer Austauschbeziehungen oft übersehen, wobei unterschiedliche Bewertungen - vielleicht auch "Missverständnisse" in bezug auf die jeweiligen Bewertungen des anderen - oft zur Unzufriedenheit und letztlich zu Konflikten führen (vgl. Donnenwerth & Foa 1974). Es muss bei der Analyse von Ressourcen nämlich beachtet werden, dass neben rationalen Komponenten vor allem auch irrationale bei individuellen Bewertungen eine entscheidende Rolle spielen. Durch diese latente Zwei"wert"igkeit sind Ressourcen dem Kognitionsbegriff des Radikalen Konstruktivismus, der Ratio und Emotion bzw. Rationalität und Irrationalität miteinander verbindet, eng verwandt

Die Testverfahren

Der PW ist als Verfahren zur Ermittlung von individuellen Ressourcenpräferenzen eine Übertragung des IWIR (Inventory of Wishes for Interpersonal Resources (Foa & Bosman 1979). Durch die Betonung der subjektiven Bedeutsamkeit bzw. individualen Bewertung von Ressourcen im jeweiligen situativen Kontext wurde dabei ein konstruktivistischer Ansatz verfolgt, der schon anderen Testverfahren des Autors zugrunde lag.

Die Papier&Bleistift-Version

Der PW besteht aus einer verbal beschriebenen Probesituation (Elternfamilie) und sechs Alltagssituationen (Partnerschaft, Friseurbesuch, Warenhaus, Versicherung, Schule oder Ausbildung, Berufstätigkeit) mit jeweils sechs Verhaltensalternativen, die den sechs theoretischen Ressourcenklassen zugeordnet sind. Als Beispiel die Probesituation:

Wie wünschenswert sind die folgenden Vorstellungen für die Elternfamilie? Wenn Sie nicht mehr bei Ihren Eltern wohnen, dann denken Sie an diese Zeit zurück:

Jede der sechs Wunschvorstellungen sind einzeln auf einer fünfstufigen graphisch repräsentierten Skala von "gar nicht wünschenswert" bis "sehr wünschenswert" zu bewerten. Die Vorgabe erfolgt mit einer standardisierten Instruktion für den Einzelversuch, wodurch eine den Standards psychologischer Testverfahren entsprechende Objektivität gegeben ist. Die Konsistenzen der Skalen (jeweils sechs Items) liegen zwischen Cronbach-Alpha 0.54 und 0.66, die Retestreliabilitäten (Abstand ein Monat, Stichprobe N=30) zwischen 0.81 und 0.94. Die betragsmäßig geringen Konsistenzen dürfen unter dem Aspekt des Testkonzepts, das situational übergreifende Präferenzen postuliert, nicht mit denen anderer - etwa verbaler - Skalen verglichen werden. Bei einer Stichprobe (N=183) wurden jeweils zusätzlich zum PW ein Persönlichkeitstestverfahren vorgelegt, wobei die gefundenen korrelativen Zusammenhänge die inhaltliche Validität bestätigen. Eine Hauptkomponentenanalyse (N=447) der 6 Ressourcenklassen ergab die erwartete Sekundärstruktur. Des weiteren konnten die zentralen theoretisch-strukturalen Annahmen (Beziehungen der Ressourcenpräferenzen innerhalb einer Situation bzw. situational übergreifende Beziehungen) bestätigt werden.

Der Test kann im Einzel- und im Gruppenversuch durchgeführt werden. Es liegen zwei ähnlich konstruierte Verfahren ("Alltagssituationen" - Teil A und Teil B) vor, die zur Messung der sozialen Anpassung konstruiert wurden. Diese können jedoch nur bedingt als Parallelversionen betrachtet werden. Der Fragebogen ist auf keine Altersgruppe beschränkt, wobei die Formulierungen etwa ab 14 Lebensjahren keine Verständnisschwierigkeiten bereiten. Die Auswertung erfolgt mithilfe eines Auswertungsblattes, in das die sechs mal sechs Einzelangaben in einen Zifferncode (1 bis 5) übertragen, die einander entsprechenden Ressourcenklassen in den sechs Situationen aufsummiert und in einem Präferenzprofil dargestellt werden. Die Durchführungsdauer beträgt etwa 6 und 10 Minuten, die Auswertungsdauer mittels eines Auswertungsbogen 5 Minuten. Der Test liegt in Form eines beidseitig bedruckten DIN-A4 Testbogens vor, wobei zu Beginn eine Probesituation beurteilt wird, die von der Berechnung der Präferenzscores ausgeschlossen bleibt. Die Instruktion liegt standardisiert vor. Zusätzliche Angaben sind erfahrungsgemäß nicht notwendig. 

Die Online-Version

Für die Online-Version (v 1.0) wurde die Instruktion dem Medium angepasst, wobei auch aus Gründen der Kürzung das Probeitem weggelassen wurde. Beim Einstieg in die Testseite wird mittels eines noscript-Bereiches geprüft, ob Javascript aktiviert ist. Falls das nicht der Fall ist, wird vor dem eigentlichen Test ein Hinweistext ausgegeben, der auf darauf hinweist, dass ohne diese Einstellung im Browser keine Testdurchführung möglich ist, und mittels einer Informationsseite über die richtigen Einstellungen bei den gängigsten Browsern informiert. Nach der standardisierten Instruktion auf der Testseite werden die 6 Situationen abgearbeitet. An demographischen Merkmalen werden Geschlecht, Alter, Land und Beruf erhoben. Die Durchführungsdauer liegt zwischen 5 - 10 Minuten.

Die insgesamt 36 Scores werden durch einen Klick auf den Ergbebnisbutton mittels Javascript und PHP ausgewertet und in einem alert in Form der prozentualen Verteilung der sechs Faktoren ausgegeben. Mittels script bzw. alert wird auch die Ausgabe des Testergebnisses bei unvollständiger Eingabe verweigert. Durch einen Klick auf einen weiteren button gelangt der Proband zur Interpretationsseite, auf der durch ein session-cookie die Prozentwerte des Testergebnisses weitergeleitet und tabellarisch dargestellt werden. Eine einfach formulierte Beschreibung der sechs Faktoren bzw. der theoretischen Intention des Verfahrens bildet die Grundlage für die eigene Interpretation. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zu einem schriftlichen Feedback zum Test.


Der Test - Interpretation - comments - Testforum

Literatur

Donnenwerth, G.V. & Foa, U.G. (1974). Effect of resource class on retaliation to injustice in interpersonal exchange. Journal of Personality and Social Psychology, 29, 785-793.

Feger, H. (1984). Ressourcentheorie sozialer Beziehungen. Manuskript für den 34. Kongress der DGfP. Wien.

Foa, U.G. & Bosman, J.A.M. (1979). Differential factors in need for love. In: M. Cook & G. Wilson (Hrsg.), Love and attraction. Oxford: Pergamon Press.

Foa, U.G. & Converse Jr., J. (Hrsg.) (1989). Resource theory: Explorations and applications. Hillsdale, N.J.: Erlbaum.

Foa, U.G. & Foa, E.B. (1974). Societal structures of the mind. Springfield, Ill.: Thomas.

Foa, U.G. & Foa, E.B. (1976). Resource theory of social exchange. In: J.W. Thibaut, Spence, J.T. & Carson, R.C. (Hrsg.), Contemporary topics in Social Psychology. Morristown, N.J.: General Learning Press.

Gergen, K.J. (1980). Exchange theory. The transient and the enduring. In: K.J. Gergen, M.S. Greenberg & R.H. Willis (Hrsg.), 261-280.

Harlow, H.F. (1958). The nature of love. American Psychologist, 13, 673-685.

Lorenz, K. (1966): On aggression. New York: Har-court, Brace & World.

Stangl, W. (1989). Personality and structure of resource preferences. Two studies in resource theory. In: Foa, U.G. & Converse Jr., J. (Hrsg.), Resource theory: Explorations and applications. Hillsdale, N.J.: Erlbaum.

Stangl, W. (1989). Die Psychologie im Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. Braunschweig: Friedr. Vieweg & Sohn.

Stangl, W. (1993). Personality and the structure of resource preferences. Journal of Economic Psychology 14 1-15.


 

 




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