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Locus of Causality (LoC) - Ergebnisse 2003

Die hier mitgeteilten Ergebnisse beruhen auf einer Stichprobe von 364 ProbandInnen, davon, 61 Prozent weiblich und 39 Prozent männlich mit einem Durchschnittsalter von 36,2 Jahren. Der auch bei anderen Testverfahren dieser Site hohe Frauenanteil verweist wieder auf die spezifische Besucherstruktur, die sich von der "normalen" Webpopulation ziemlich deutlich unterscheidet. Der 40 Prozent-Anteil der Frauen unter den Internet-Usern hat sich über die vergangenen Jahre stetig vergrössert - im Langzeitvergleich von 1997 (22 Prozent) bis 2002 bedeutet dies einen Anstieg um 86 Prozent -, und stabilisiert sich aber offenbar (2002 lag er in Österreich bei 41 Prozent), womit der Anteil weiterhin unter dem Frauen-Anteil in der Gesamtbevölkerung liegt. Aufgrund der geringen Datenbasis muss darauf hingewiesen werden, dass die Interpretationen nur vorläufig sein können und an einer größeren Stichprobe noch bestätigt werden müssen. Bei einer durchschnittlichen Frequenz von etwa 10 Tests pro Tag kann davon ausgegangen werden, dass etwa in drei Monaten mit dem Vorliegen gerechnet werden kann.

Anmerkung: In den folgenden Grafiken und im Text werden manchmal die Kurzbezeichnungen E für extern, I für intern, S für stabil, V für variabel, E für ein erfolgreiches Ergebnis, M für Misserfolge verwendet, wobei ein P am Codeende nur zum Ausdruck bringt, dass es sich um Prozentwerte handelt - also bedeutet EVEP extern-variabel-erfolgreich-Prozent.

Auch in dieser Internetstichprobe lassen sich die theoretisch erwarteten jeweils unterschiedlichen Attribuierungsmodi bei Erfolg bzw. Misserfolg bestätigen:

 

 

Betrachtet man die Attribuierungsmodi im Geschlechtsvergleich, dann fällt auf, dass Männer signifikant mehr extern-stabil attribuieren als Frauen. Nach einer Studie von Accenture an 2200 Führungskräften aus dem mittleren und oberen Management sehen Frauen eher die eigene Persönlichkeit (intern, stabil) und mangelnde Leistung als Ursache für mangelnden beruflichen Erfolg (intern, variabel), während Männer äußere Umstände wie schlechte Konjunktur (extern, stabil) oder schlichtweg Pech (extern, variabel) als Grund für den ausbleibenden Erfolg nennen.

Vergleicht man die Geschlechter im Hinblick auf die Modi und Erfolgs- bzw. Misserfolgserlebnissen, dann fällt auf, dass Männer den Erfolg eher bei ihren stabilen Kompetenzen suchen als Frauen und zugleich dem Zufall weniger Einfluss einräumen. Das ändert sich jedoch im Misserfolgsfall: hier sind es die Frauen, die sich am ehesten selber die Schuld daran zuschreiben.

 

Diese vier bzw. acht Persönlichkeitsmerkmale legen es nahe, nach einer Typologie von Personen zu suchen, die durch ganz bestimmte Attribuierungsmuster gekennzeichnet ist. Das in letzter Zeit zugenommene Interesse an ideographischen Ansätzen in der psychologischen Forschung hat auch zu einer Renaissance des typologischen Ansatzes in der Psychologie geführt, da die ausschließlich variablenzentrierten Zugänge einen vor allem im Alltag wesentlichen Aspekt bei der Beurteilung von Mitmenschen, nämlich die Konfiguration der Eigenschaften innerhalb einer Person, vernachlässigen.

Während die variablen-zentrierten Zugänge einen bedeutsamen Aspekt der Persönlichkeit, nämlich die Konfiguration der Eigenschaften innerhalb einer Person vernachlässigen, steht genau dieses Zueinander der Eigenschaften im Zentrum der typologisch orientierten Ansätze. Dabei scheinen sich drei Persönlichkeitstypen heraus zu kristallisieren. Der resiliente Typ ist durch geringe Neurotizismuswerte und hohe Werte auf den Skalen Extraversion, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit gekennzeichnet. Der überkontrollierte Typ zeichnet sich durch hohe Neurotizismuswerte und geringe Extraversionswerte aus, der unterkontrollierte Typ durch geringe Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit.

Eine Clusterung erbrachte sechs recht gut interpretierbare "Typen", die das theoretische Modell gut stützen. In der folgenden Grafik sind die sechs Typen als Profil

 

Der erste Typus "Gleich-Attribuierer" bildet mit 98 ProbandInnen die größte Gruppe, wobei hier ein ausgewogenes Verhältnis zwischen allen Zuschreibungsmodi herrscht. Vermutlich landen in dieser Gruppe auch jene Personen, die den Test nur oberflächlich bearbeitet oder durch einfaches Durchkreuzen bis zum Ende diesen nur testen wollten.

Der Typus "Extern stabil" geht von einer unveränderlichen Umwelt aus und leugnet den Zufall. Mit 34 Jahren sind diese 48 ProbandInnen auch die jüngsten von allen. In dieser Gruppe finden sich viele Personen mit Interesse an Daten, wie Mathematiker, Finanzmakler, Programmierer, Webdesigner oder Bürkauffrau.

Der Typus "Intern variabel" ist in seinem Attributionsmuster komplementär zum Typus "Stabil" und zum Typus "Gleich-Attribuierer". Das Profil dieser 81 Personen ist insgesamt allerdings eher durchschnittlich ausgeprägt. Hier finden sich Berufe wie Lehrer, Diplompsychologe, Personalmanagement, Unternehmensberater, aber auch KünstlerInnen wie Maler oder Musikerin.

Der Typus "Extern" hat mit 50 ProbandInnen die geringste Besetzung und orientiert sich offensichtlich an Merkmalen der Umwelt, während er wenig individuelle Gestaltungsmöglichkeiten sieht. Der Frauenanteil ist mit beinahe 70 Prozent in diesem Cluster weitaus am höschsten und auch die Bearbeitungszeit des Tests von durchschnittlich 720 Sekunden (Durchschnitt 540) verweist auf weniger Selbstvertrauen und Zögerlichkeit. Hier sind mit 41 Jahren offensichtlich auch die ältesten ProbandInnen versammelt. In dieser Gruppe finden sich viele Sozialberufe wie Krankenschwester, Legasthenietrainer, Horterzieherin, Sozialarbeiterin, Heilpädagogin oder Lehrerin. Extern attribuierende Personen hatten der Theorie nach in Leistungsexperimenten bedeutend schlechtere Resultate als andere.

Der Typus "Stabil" geht sowohl von einer stabilen Umwelt als auch seiner eigenen stabilen Persönlichkeit aus - der Männeranteil unter diesen 54 Personen ist hier überdurchschnittlich hoch und auch die Bearbeitungszeit von nur 490 Sekunden unterstreicht diese Charakterisierung. Auch in dieser Gruppe fanden sich viele Sozialberufe, insbesondere LehrerInnen und TherapeutInnen.

Der Typus "Intern" ist hingegen ein eher weiblicher, wobei neben dem Vertrauen in die eigenen Kompetenzen auch ein Bewusstsein der eigenen Launenhaftigkeit vorhanden ist. Diese 53 ProbandInnen fühlen sich vermutlich für viele Ereignisse verantwortlich, auch wenn diese letztlich nicht von ihnen beeinflusst werden können. Aus Untersuchungen zum Leistungsverhalten weiss mann, dass internal Überzeugte aktiver, reger und direkter sind, da sie davon ausgehen, durch ihr Handeln die Umwelt manipulieren zu können. Von internal Kontrollierten sind daher in Krisensituationen mehr Bewältigungsversuche zu erwarten. Person-lokalisierende Individuen hatten in Lerntests bessere Resultate, so dass man in der Konsequenz folgern kann, dass man durch internale Zuweisung effektiver lernt und seine kognitiven Fähigkeiten erweitert.

Es soll hier abschließend betont werden, dass diese hier versuchte Typisierung aufgrund der schmalen Datenbasis natürlich nur exemplarischen Charakter hat und anhand größerer Stichproben bestätigt werden muss. Insbesondere ist die Nennung von einigen Berufsgruppen eher illustrierend als empirisch abgesichert. Bei der Interpretation sollte auch berücksichtigt werden, dass Menschen vermutlich weniger logisch denken, als dies von Attributionstheoretikern angenommen wird. Um ihr Selbstwertgefühl zu bestätigen oder zu steigern verzerren Individuen ihr Attributionen , da sie glauben, dass andere dieselben Entscheidungen treffen würden wie sie selbst auch. Sie schlussfolgern daraus, dass das abweichende Verhalten anderer auf deren "Persönlichkeitseigenschaften" zurückzuführen ist und nehmen deshalb zufallsbestimmte Ereignisse als fähigkeitsabhängig wahr. Im Detail dazu siehe die Ausführungen zur Theorie dieses Tests.


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