[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Themeneingrenzung & Schreibprobleme

Die Probleme mit schriftlichen Arbeiten beginnen häufig damit, dass die Themen unklar oder so weit gestellt sind, dass sie eingegrenzt oder präzisiert werden müssen. Angesichts der Literaturfülle bereitet dies vielen Studierende Schwierigkeiten; sie haben Angst davor, durch eine Eingrenzung wichtige Inhalte der Literatur unberücksichtigt zu lassen. Somit wird die Entscheidung für eine Beschränkung des Themas hinausgezögert, was zur Folge hat, dass die Arbeit an Literatur ziellos verläuft. Dies und die Angst, etwas Wichtiges zu überlesen, führen dazu, dass das Lesen zuviel Zeit einnimmt und der Beginn des Schreibens immer weiter hinausgeschoben wird.

Ein weiterer Grund für das Hinauszögern des Schreibbeginns oder des Erstellens einer Gliederung ist das mangelnde Vertrauen in eigene Gedanken und Ideen. Sie erscheinen den Studierenden angesichts dessen, was in der Literatur gesagt wird, unwichtig. Manche befürchten, dass eigene Ansätze schlicht falsch sein könnten. Der Prozeß der Loslösung von der Literatur verschiebt sich somit immer wieder.

Eine mögliche Ursache für das beschriebene mangelhafte Vertrauen in eigene Ideen ist sicher das übermäßig hohe Anspruchsniveau vieler Studierende. Es hat sich gezeigt, dass sie an ihre Arbeit in der Überzeugung herangehen, etwas mit der gelesenen Literatur Vergleichbares produzieren zu müssen. Sie berücksichtigen dabei in keiner Weise, dass die meisten dieser Autoren lange Jahre Erfahrungen im Verfassen wissenschaftlicher Texte haben.

Außerdem haben Studierende häufig den Eindruck, die Texte seien auf Anhieb in der vorliegenden Form zu Papier gebracht worden. Den Schriftstücken ist nicht mehr anzusehen, dass sie das Ergebnis eines häufig langwierigen Schreibprozesses sind, der neben dem eigentlichen Schreiben beispielsweise Prozesse des Strukturierens, des Gliederns, des Analysierens, oder des Interpretierens miteinschließt. Die Ansicht, einen perfekten Text auf Anhieb schreiben können zu müssen, hindert sie meist daran anzufangen. Da Studierende die Texte, die sie lesen, als Vorbilder ansehen und sie im Vergleich mit den eigenen Produkten des Schreibens stark verunsichernd wirken, hat ferner seinen Grund darin, dass Studierende wenig Wissen darüber besitzen, welchen Kriterien eine wissenschaftliche Arbeit genügen muß und wie der Prozeß des Entstehens einer wissenschaftlichen Arbeit verläuft. Diese Unsicherheit kann über die Arbeit hinausgehend zu einer generellen Abneigung der Wissenschaft führen.

Die geschilderten Probleme führen in den meisten Fällen dazu, dass zumindest die Beschäftigung mit eigenen schriftlichen Arbeiten mit negativen Emotionen verbunden ist. Die intrinsische Motivation, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sinkt. Durch die Arbeit ausgelöste Selbstzweifel verstärken sich. Vor allem Studierende aus den höheren Semestern leiden darunter, die glauben, das wissenschaftliche Arbeiten mittlerweile beherrschen zu müssen. Die Bereitschaft über Schreibproblem zu sprechen, ist bei ihnen besonders gering, was zur Folge hat, dass sie sich mit dem Problem alleine fühlen, nichts ahnend, dass es vielen anderen möglicherweise ebenso ergeht.

Das Anfertigen schriftlicher Arbeiten wird zu einer Beschäftigung, bei der die Personsich weitgehend isoliert erfährt. Sie bekommt folglich keine Rückmeldungen über eigene Leistungen. In Phasen der Arbeit, in denen Schreibende Gefahr laufen, die Distanz zur Arbeit zu verlieren, sich mit unrelevanten Einzelheiten aufzuhalten oder in denen massive Unsicherheit aufkomt, ob der eingeschlagene Weg sinnvoll ist, wird diese Isolierung als besonders belastend empfunden.

Quelle:
Elbing, Eberhard & Schorre, Christa (1997). Anliegen und Konzeption des Projektes: "Beratung zu Grundlagen wissenschaftlichen Schreibens".
WWW: http://www.paed.uni-muenchen.de/~ppb/texte/konzept3.htm (99-07-01)

 

Siehe dazu auch Free Writing, Mind Writing





inhalt :::: kontakt :::: news :::: impressum :::: autor :::: copyright :::: zitieren ::::
navigation: