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Begeisterung ist Dünger für das Gehirn.

Quellen:
Schallberger, U. & Pfister, R. (2001). Flow-Erleben in Arbeit und Freizeit. Zeitschrift für Arbeits- u. Organisationspsychologie, 45, 176-187.

Zur Definition siehe Flow

Das FLOW-Erleben in Arbeit und Freizeit

Flow ist laut Definition von Csikszentmihalyi die zentrale Quelle von Freude und Glück. Das Interesse daran nimmt nun auch mehr und mehr in der Arbeits-, Betriebs-, und Organisationspsychologie Einzug, begründet durch das zunehmende Interesse an positiven Emotionen im Arbeitsprozess und deren Zusammenhang mit dem Flow-Konzept. Der Artikel setzt sich das Ziel das Paradox, das Arbeit mehr Flow-Erleben zulässt als Freizeit, zu replizieren und ein besseres psychologisches Verständnis durch das Circumplex-Modell zu erarbeiten.

Theoretischer und methodischer Hintergrund von Csikszentmihalyi und LeFevre

Csikszentmihalyi und LeFevre bedienten sich 1989 der Experience Sampling Methode (empirische Untersuchung) um die Qualität des Erlebens unmittelbar beim Arbeiten und in der Freizeit zu untersuchen. Erstaunlicherweise ergab diese Untersuchung, dass wesentlich mehr Flow-Erlebnisse in der Berufsarbeit auftauchen als in der Freizeit, jedoch sich die befragten 46 berufstätigen Erwachsenen wünschten etwas anderes zu tun anstatt zu arbeiten, dies traf jedoch nicht in der Freizeit zu.

Dieses Paradoxon erklärten Csikszentmihalyi und LeFevre so: „Apparently, the obligatory nature of work masks the positive experience it engenders. In whether they wish to work or not, people judge their desires by social conventions rather than by the reality of their feelings.” was in Kurzform soviel bedeutet wie: Leute beurteilen ihre Wünschen/Sehnsüchte nach kulturellen Vorurteilen und weniger anhand der Realität des Erlebens.

Um das Paradoxon besser verstehen zu können, ist es unumgänglich die Wurzeln des Flow-Konzepts zu ergründen. Diese liegen in der Motivation und den Anreizen einer Tätigkeit selbst, nicht an den daraus resultierenden Handlungsergebnissen oder Ergebnisfolgen. Csikszentmihalyi nannte diese Tätigkeiten autotelisch d.h. diese Tätigkeiten werden um ihrer selbst willen ausgeführt, und charakterisierte diese „the state of total involvement in an activity that requires complete concentration“.

Zur näheren Definition wurde eine Liste an Merkmalen verwendet, die den Flow-Zustand der erlebten Tätigkeit beschreiben:

  1. Die Tätigkeit hat klare Ziele und liefert unmittelbares Feedback über den Erfolg des Tuns
  2. Die Tätigkeit ist anforderungsreich, wobei man sich den Anforderungen gewachsen fühlt
  3. Handeln und Bewusstsein verschmelzen
  4. Man ist voll auf die Tätigkeit konzentriert
  5. Alles andere, auch Sorgen und Ängste, haben im Bewusstsein keinen Platz
  6. Der Zustand ist auch verbunden mit Selbst- und Zeitvergessenehit
  7. Tätigkeiten, welche mehrere dieser Erlebnismerkmale vermitteln, machen Freude und werden autotelisch ausgeführt.

Um das Flow-Erlebnis direkt im Alltag untersuchen zu können wurde die Experience Sampling Methode entwickelt. Hierbei handelte es sich um eine signalkontingente Zeitstichprobe. Dies bedeutet, das Untersuchungspersonen während eines Zeitraums mehrmals täglich durch ein Signal aufgefordert wurden die aktuelle Tätigkeit und das aktuelle Befinden mittels der oben genannten Liste an Merkmalen niederzuschreiben. Im Anschluss an die ersten Versuche wurden zusätzliche Befindlichkeitsskalen hinzugefügt um die flowähnlichen Züge verdeutlichen zu können. Erst wenn Anforderungen und Können als überdurchschnittlich erlebt wurden, konnten Flow-Erlebnisse festgestellt werden. Diese Verhältnisse zwischen erlebten Anforderungen, erlebtem Können und den vier Erlebniszuständen führte zum Quadrantenmodell nach Csikszentmihalyi.

 

Flow Erleben

Abbildung 1: Quadrantenmodell nach Csikszentmihalyi (Vgl. Schallberger & Pfister 2001, S. 178)

Eine wichtige Voraussetzung für das Zustandekommen einer Flow-Erfahrung ist also, dass die Anforderungen und Fähigkeiten zueinander passen, denn wenn eine Aufgabe zu schwierig wird, besteht andauernd die Gefahr von Fehlern. Der Handlungsfluss wird dann häufig unterbrochen, man beschäftigt sich gedanklich mit einem möglichen Misserfolg, wodurch Angst oder Ärger entstehen aber kein Flow. Im umgekehrten Fall, also einer Unterforderung durch eine zu leichte Aufgabe, lassen Interesse und Konzentration nach und es entsteht Langeweile. Nun sind natürlich bei sehr primitiven Tätigkeiten Anforderungen und Fähigkeiten ebenfalls im Gleichgewicht, aber niemand käme auf den Gedanken, hier von einer besonders intensiven Erfahrung zu sprechen. Wenn Fähigkeiten und Anforderungen gering sind, kommt es zu keiner besonderen Erfahrung oder Emotion. Was "keine Kunst" ist erzeugt keinen Flow. Flow entsteht daher nur, wenn Anforderungen und Fähigkeiten hoch und einigermaßen im Gleichgewicht sind.

Theoretischer und methodischer Hintergrund vom Circumplex Modell

Im Artikel bediente man sich des Circumplex Modells (adaptiert nach Larsen & Diener, 1992, und Russel & Caroll, 1999), das an 5 zufällig ausgewählten Zeitpunkten 46 Personen mittels einem Fragebogen von 45 Fragen über Situation, Tätigkeit und momentane Befindlichkeit befragte. Das Ergebnis konzentrierte sich auf 4 Hypothesen:

  1. 1 Hypothese: relative Häufigkeit des Flow-Quadranten in Arbeit und Freizeit, diese wird klar bestätigt
  2. 2 Hypothese: Unterschiede der Befindlichkeit in Arbeit und Freizeit, diese wird im Wesentlichen auch bestätigt (die Arbeit wird klar negativer erlebt als die Freizeit)
  3. 3 Hypothese: der Unterschied der Befindlichkeit zwischen Flow-Quadrant und Nonflow-Quadrant in der Arbeit und Freizeit. Der Flow-Quadrant wird durchwegs positiv erlebt hingegen ist ein deutlicher Unterschied im Nonflow-Quadranten zugunsten der Arbeit festzustellen.
  4. 4 Hypothese: bezieht sich auf die Neuformulierung des Paradoxes der Arbeit. Quelle zum Vergleich Arbeit und Freizeit bieten vor allem positive und negative Aktivierungen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die heutigen Menschen vor allem in der Arbeit mit überdurchschnittlichen Anforderungen konfrontiert werden. Somit ist der Berufsalltag eine Hauptquelle positiver Gefühle und Herausforderungen zwischen Anforderungen und Können. Csikszentmihalyi und LeFevre haben jedoch vergessen, dass Arbeit auch eine zweite Seite hat und konnten in ihrer Studie nicht festhalten das Arbeit auch die Hauptquelle von negativen Gefühlen ist. Womit die Arbeit der Freizeit klar unterliegt und somit erklärt sich auch warum in der Arbeit der stärkere Wunsch etwas anderes zu tun herrscht. Mit dem Circumplex Modell konnte nun ein besseres Verständnis erzielt werden, sodass das Erleben im Flow-Quadranten sehr viel differenzierter charakterisiert werden konnte und exaktere Verhältnisse zwischen dem beschriebenen Erlebten im Flow-Quadranten und dem Flow als spezifische Form des Tätigkeitserlebens aufzeigt. Als nennenswert ist die Erkenntnis nicht immer nur die positiven oder negativen Aktivieren zu betrachten, sondern bei Untersuchungen auf beide Seiten der Medaille zu achten.



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