Isometrische Übungen zur Konzentrationssteigerung

Bei einer isometrischen Übung drückt oder zieht man kurzfristig mit aller verfügbaren Kraft gegen einen eingebildeten (oder tatsächlichen) Widerstand. Damit werden die betroffenen Muskelpartien im Besonderen und der Kreislauf im Allgemeinen aktiviert. Dadurch wird Ermüdungszuständen begegnet bzw. die Aktivität und damit die Aufnahmefähigkeit erhöht.

Die einfachste Möglichkeit, unsere Aktivierung zu beeinflussen, ist die bewußte Veränderung der Muskelspannung. Diese simple Methode, die wohl nicht zufällig seit Jahrtausenden von verschiedensten Völkern als Meditations- und Entspannungshilfe angewendet wird, ist ein besonders wirksames Verfahren zur Aktivierungssteuerung.

Übung zur Aktivierungssteuerung

Diese einfache Übung kann dabei helfen, die am Beginn von Lernphasen oft auftretenden Phasen mangelnder Konzentration besser zu überwinden. Für die Durchführung mit einer Lerngruppe kann diese Entspannungsübung mit Musikunterstützung und von einem Tonband unterstützt eingesetzt werden.

Mit diesem Wechselspiel von Aktivierung und Desaktivierung haben wir uns in einen Zustand vertiefter Entspannung geschaukelt, in dem wir etwa 2 Minuten lang verweilen und dabei alle Gedanken ausschalten - das Gehirn "ausleeren". Dieses "Hirnausleeren" garantiert, daß wir uns nach der anschließenden Rückkehr in den konzentrierten Wachzustand längere Zeit hindurch in erhöhter Aufnahmebereitschaft befinden werden.

Jede Entspannung wird durch ein Wechselspiel von Spannung und Lösung erreicht und wenn die Entspannungsphasen zeitlich überwiegen, erfolgt eine hohe Desaktivierung. Wenn die Entspannung erreicht ist, bleibt man ein bis zwei Minuten in diesem Zustand und erst in der letzten Minute wird der Körper durch isometrische Übungen stark aktiviert. Obwohl die Aktivierung nur einen kleinen Teil dieses Abschnittes einnimmt, wird erst durch die auf die Entspannung erfolgte muskuläre Spannung ein mittlerer Bereich der Aktivierung erreicht werden, der die ideale Voraussetzung für einen folgenden Lernprozeß darstellt.

Der Zusammenhang zwischen Lernleistung und Aktivierung folgt dem Yerkes-Dodson-Gesetz: Beim Anstieg der Aktivierung steigt die Lernleistung stark an, bei zunehmender Aktivierung wächst aber auch das Hemmpotential, steigt die Aktivierung über den optimalen Wert an, sinkt die Lernleistung stark. Daher ist nur bei einem mittleren Aktivierungsniveau eine optimale Lernleistung gegeben.

Es ist überaus nützlich, jede Intensivlernphase auf diese Weise zu beginnen. Allerdings sollte man das gesamte Vorbereitungsritual höchstens zweimal an einem Tag einsetzen und für denjenigen Teil des Lernstoffes reservieren, mit dem man die größten Schwierigkeiten hat. Ihn wird man grundsätzlich sofort nach dem "Auftauchen" aus dem Entspannungszustand bearbeiten.  

Siehe dazu eine Entspannungsübung in ausführlicher Form, eine Übung aus dem Yogakreis oder eine einfache 5-Minuten-Meditation.

Isometrische Übungen in Lehrveranstaltungen

Geeignet sind isometrische Übungen im Sitzen. Beispiel: Verhaken Sie die Finger vor der Brust "krallenförmig". Ziehen Sie die Arme waagrecht auseinander; Anspannung steigern; dabei ruhig weiteratmen; etwa 10 Sekunden lang; dann entspannen. Hände und Arme ausschütteln. Zweimal wiederholen. Im Folgenden werden sechs Übungen beschrieben, die im Sitzen ausgeführt werden und daher auch für große Hörsäle geeignet sind, in denen die StudentInnen nicht aufstehen können. Vor der ersten Übung sollte eine kurze Einführung gegeben werden, damit die StudentInnen Sinn und Zweck dieser Übungen einsehen und mitmachen (Einheit von Körper und Geist, geistige Arbeit ist körperliche Beanspruchung, ständiges Sitzen, Aktivierung des Kreislaufs, Hinweis auf fernöstliche Länder, wo körperliche Übungen normal sind). Der zeitliche Abstand zwischen den Übungen sollte 20-30 Minuten sein. Beobachten Sie die Aufmerksamkeit und Konzentration der StudentInnen, wann eine Unterbrechung in den Vortrag passt.

Vor jeder Übung gibt man ein klares Signal, dass jetzt eine isometrische Übung folgt. Man macht die Übung zunächst vor und fordert alle auf, mitzumachen. Die Übungen werden langsam und deutlich vorgesprochen. Wenige, aber präzise Worte sind am besten.

1. Übung: Faust

Beschreibung: Bilden Sie mit der rechten Hand eine Faust, und legen Sie sie in die linke Handfläche. Drücken Sie sie jetzt so fest Sie können gegeneinander. Atmen Sie ruhig weiter. Spannen Sie Ihre Muskeln sechs Sekunden lang mit maximaler Kraft an. Danach loslassen und entspannen. - Führen Sie die Übung drei Mal durch, jedesmal Arme und Hände ausschütteln und links-rechts wechselnd. Diese Übung können Sie stehend vorführen. Ansage:

2. Übung: Oberschenkel drücken

Beschreibung: Sitzen. Ihre Füße ruhen auf dem Boden. Legen Sie Ihre Hände auf die Oberschenkel in der Nähe der Knie - nicht auf die Knie, damit man die Kniescheibe nicht rausdrückt - und drücken Sie die Hände fest nach unten. Spannen Sie Ihre Muskeln sechs Sekunden mit maximaler Kraft an. Gleichmäßig weiter atmen. Lassen Sie danach sofort die Muskeln los und entspannen Sie. - Wiederholen Sie die Übung zwei Mal. Nicht vergessen: Zum Vorführen einen Stuhl bereitstellen. Ansage:

3. Übung: Handflächen pressen

Beschreibung: Legen Sie die Handflächen gegeneinander und pressen Sie die Hände vor der Brust zusammen, Ellbogen nach außen. Anspannung steigern, ruhig atmen, nach 10 Sekunden entspannen. Hände ausschütteln. - Zweimal wiederholen. Diese Übung können Sie stehend vorführen. Ansage:

4. Übung: Nacken drücken

Beschreibung: Verschränken Sie die Hände hinter dem Nacken, legen Sie den Kopf leicht nach hinten, drücken Sie die Hände nach vorne. Anspannung steigern, dabei ruhig weiteratmen, etwa 10 Sekunden lang. Dann entspannen. Hände und Arme ausschütteln. - Zweimal wiederholen. Diese Übung können Sie stehend vorführen. Ansage:

5. Übung: Krallen

Beschreibung: Verhaken Sie die Finger vor der Brust "krallenförmig", ziehen Sie die Arme waagrecht auseinander. Anspannung steigern, dabei ruhig weiteratmen, etwa 10 Sekunden lang. Dann entspannen. Hände und Arme ausschütteln. - Zweimal wiederholen, dabei den Einhak-Sinn wechseln. Diese Übung können Sie stehend vorführen. Ansage:

6. Übung: Stuhl hochziehen

Beschreibung: Sitzen. Fassen Sie mit den Händen seitlich unter den Stuhl. Ziehen Sie kräftig nach oben. Steigern Sie die Zugkraft. Atmen Sie ruhig weiter. Etwa 10 Sekunden lang, dann entspannen. Hände und Arme ausschütteln. - Zweimal wiederholen. Nicht vergessen: Zum Vorführen einen Stuhl bereitstellen. Ansage:

Quelle: Hans-Christoph Bartscherer, Technische Universität München, Carl von Linde-Akademie/PROLEHRE, www.prolehre.tum.de

Weitere Quellen

http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/LERNTECHNIKORD/Aktivierung.html (02-11-08)
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/LERNTECHNIKORD/Aktivierung2.html (02-11-08)


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