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Gewohnheit und Entscheidung

Literatur
Betsch, Tilmann (2005). Wie beeinflussen Routinen das Entscheidungsverhalten? Psychologische Rundschau, 56, 261-270.

Routinen sind sich wiederholende Entscheidungssituationen, die beeinflusst werden durch handlungsbezogenes Wissen und angelernte Gewohnheiten. Der Mensch findet alternative Lösungen für Entscheidungssituationen und -probleme oder greift auf seine Routine zurück, die er sich durch vorhergegangene Entscheidungen angeeignet hat. Die Wahl ob man auf eine Routine zurückgreift hängt einerseits von der Art des Informationsinputs und vom Zeitdruck ab jedoch auch wie stark ausgeprägt die Routinen des Einzelnen sind.

Die Rolle der Routine in der Entscheidungsforschung

Ab den 80er Jahren begann auch die Forschung sich immer mehr für dieses Thema zu interessieren. Eines der ersten Erkenntnisse war das Kontingenzmodell von Beach und Mitchel (1978), welches sagt, dass die Wahl der Strategie, welche wiederum zwischen Informationsinput und Entscheidungsregel unterscheidet, unter Berücksichtigung des Zusammenhangs (Kontexts) stattfindet. Bei den Modellen der Strategiewahl wurde auch die Handlungserfahrung nicht ganz außer acht gelassen, jedoch änderte sich erst mit Beginn der 90er Jahre die Rolle der Routine als zentrale Entscheidungsfindung (vgl. Betsch 2005, S.262f).

Die Wirkung von Routinen auf den Entscheidungsprozess

Neue Entscheidungsprozesse stellen uns vor das Problem der Lösung. Um diese zu erhalten müssen wir verfügbare Alternativen finden, diese vergleichen und bewerten um so eine Wahl treffen zu können. Bei routinierten Entscheidungen gehen wir jedoch von der Frage aus, ob wir unser bisheriges Verhalten beibehalten oder es verändern sollen. Weiterhin wird nach den Einflussfaktoren geforscht, die uns genau vor die Entscheidungen stellen, ob wir eine Routine benutzen oder uns für einen neuen Weg entscheiden (vgl. Betsch 2005, S.263).

Der Weg der Information zur Suchstrategie

Die Menge an Informationen vor der Entscheidung verringert sich mit zunehmender Routinisierung. Die routinierten Entscheidungen werden somit oft als oberflächlich bewertet und geben Anlass zu falschen Nachforschungen. So zeigte der Versuch von Betsch und Kollegen (Betsch, Glöckner, Haar & Fiedler, 2001, Exp. 2), dass Personen mit starker Routine zu Informationen in der Informationsbeschaffung greifen die ihre Routine bestärken und gleichzeitig Beweise gegen die alternativ angebotenen Lösungsvorschläge suchen (vgl. Betsch 2005, S.264).

Vergleich der Alternativen unter Zeitdruck

Zwischen kompensatorischen und non-kompensatorischen Suchkriterien wird gewechselt, wenn der Entscheidungsträger abhängig vom Zeitdruck ist. Unter geringem oder keinem Zeitdruck wird beim Entscheider eine eher kompensatorische Strategie angewandt. Das bedeutet, dass zu den einzelnen Alternativen unterschiedliche Eigenschaften mit den Vor- und Nachteilen gesucht werden um sein Gesamtbild über die Qualität der Alternative zu vervollständigen. Ist dieser Vorgang abgeschlossen, widmet er sich erst dann dem nächsten Vorschlag bis er am Schluss alle seine Ergebnisse vergleichen kann. Steht er jedoch unter Zeitdruck konzentriert er sich auf wenige Eigenschaften pro Alternative und vergleicht sie direkt. Zum Beispiel wird hier nur der Preis und nicht die Qualität der Produkte verglichen. Solche, unter Zeitdruck gefällten Entscheidungen, werden oftmals in der Routine getroffen, da die dagegensprechenden Kriterien nicht analysiert werden (vgl. Betsch 2005, S.265).

Neuartigkeit vs. Routine

Durch Betsch und Kollegen (Betsch et al., 2001) wurde bewiesen, das eine in der Vergangenheit häufig angewendete Routine gegenüber neuen, widersprechenden Informationen an Einfluss gewinnen.

Weiters haben Betsch, Fiedler und Birkenmann (1198) untersucht, dass bei der Neuartigkeit der Entscheidungssituation also bei unbekannten Situationen, ebenfalls in die Routine ausgewichen wird. Dieses Verhalten wird zusätzlich verstärkt, wenn auch noch Zeitdruck gegeben ist (vgl. Betsch 2005, S.265f).

Negative Erfahrungen

Negativ beeinflusst werden Routinen durch bereits gemachte negative Erfahrungen. Besonders trifft dies zu, wenn die Entscheidung für die Routine bereits mehrmals zu Misserfolgen geführt hat. Dies führt meistens zu der bewussten Entscheidung von einer Routine abzuweichen bzw. schaltet sich hier auch die Bildung ein, die uns dazu bringt, einen neuen Handlungskurs zu verfolgen (vgl. Betsch 2005, S.266).

Feedback

Durch die Konsequenzen ihrer Entscheidungen lernen Menschen aus ihren positiven oder negativen Erfahrungen. Wichtig ist hierfür auch ein Feedback der Umwelt des Entscheiders. Fehlt dieses oder ist dieses uneindeutig, so kann es zu einer Aufrechterhaltungen der negativen oder falschen Routine führen und in der Folge zu weiteren Fehlentscheidungen (vgl. Betsch 2005, S.267).



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