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Nonverbale Kommunikation: Lächeln & Lachen

Man hört nicht auf zu lachen, wenn man alt wird, aber man wird alt, wenn man aufhört zu lachen.
Jean Nohain

Lachen

Lachen ist eine sehr alte Form der nonverbalen Kommunikation, denn Primaten und sogar Ratten lachen, denn Lachen hat ursprünglich vermutlich die Bedeutung eines Belohnungssignals, das die Bereitschaft von Eltern oder Geschwistertieren steigert, mit dem Nachwuchs zu spielen und damit auf spätere Aufgaben vorzubereiten. Menschen haben verschiedene Formen des Lachens entwickelt, hinter denen oft sehr komplexe Absichten stecjen können, denn Lachen ist in der sozialen Interaktion ein sehr deutlich sichtbaeres Signal. Wenn man etwa freudig angelächelt wird, fühlt man sich aufgenommen, wenn man hingegen Opfer eines höhnischen Lachens wird, fühlt man sich z. B. aus einer Gruppe ausgeschlossen. Dabei werden bei den verschiedenen Formen des Lachens auch unterschiedliche Gehirnregionen aktiviert. Bei einem fröhlichen oder höhnischen Lachen werden jene Bereiche aktiviert, die eine Rolle dabei spielen, wenn man die Absichten eines anderen Menschen einschätzen will, wobei dann je nach vermuteter Intention des Lachenden jeweils unterschiedliche Verbindungen zu anderen Gehirnbereichen aktiviert werden.

Zwar kommt man mit Freundlichkeit sowohl im Berufsleben als auch im Privatleben, etwa im Kundengespräch oder in heiklen Konfliktsituationen, meist weiter als mit Unfreundlichkeit, aber Experten raten eher zum dosierten Einsatz von Lächeln und netten Gesten. Ein Lächeln um jeden Preis - wer kennt sie nicht, die Dauergrinser und Dauergrinserinnen - wirkt auf den ersten Blick oft zwar positiv, doch sollte es nie angestrengt oder übertrieben sein, und muss vor allem der Situation angemessen sein. Freundlichkeit um jeden Preis ist verkehrt und kann sogar nach hinten losgehen, indem man andere damit nervt, wenn sie merken, dass das Lächeln nicht ehrlich gemeint ist.

Wenn Freundlichkeit nur aus taktischen Gründen eingesetzt wird und nicht zur Stimmung passt, ist sie nicht wirkungsvoll, denn Menschen haben feine Antennen dafür, wenn sie widersprüchliche Signale empfangen. Beim Freundlichsein muss man glaubhaft wirken, was oft auch eine Frage der Stimme und der Körpersprache ist, d.h., die nonverbale Ebene entscheidet mehr über gelungene Kommunikation als das, was gesagt wird. Zwar kann ein leicht geneigte Kopf in Konfliktsituationen entschärfend wirken, aber ist das Gegenüber schon in Rage und schüttet kräftig Adrenalin aus, kann das den anderen sogar provozieren (vgl. Heimann 2009). Man kann das an anderen Menschen recht gut dadurch beobachten, dass diese etwa bei einer Begrüßung ein breites Lächeln aufsetzen, im Augenblick des Abwendens aber dieses Lächeln abrupt verlieren.

Augenbrauen, die in schnellem Tempo gesenkt und gehoben werden, sind das Einverständnis zu sozialer Kontaktaufnahme. Ausdruck für Überraschung und Verwunderung zeigt man, indem man die Augenbrauen hebt und eine Zeitlang gehoben hält. Tränen und Lachen sind Ausdrucksmöglichkeiten, von denen wir annahmen, dass sie mit Leichtigkeit zu deuten sind. Tränen sind jedoch Ausdruck für mehrere unterschiedliche Gefühlszustände: für Kummer, Freude und Wut. Lachen kann Zeichen für Freude und Freundlichkeit sein, aber auch für Verachtung und Sarkasmus.

Die Blickrichtung vieler Menschen wird nach Untersuchungen von Benedict Jones et al. (University of Aberdeen) vor allem dann von anderen Menschen in ihrer Umgebung bestimmt, wenn dieses Gegenüber ausgeprägte maskuline und damit dominant wirkende Gesichtszüge aufweist. Man vermutet, dass dies ein unbewusster Reflex ist, denn auch Makaken orientieren sich an der Blickrichtung dominanter Affen. Diese Verhaltensweise ist vermutlich deshalb erhalten geblieben, da es vorteilhaft ist zu wissen, was prominente Gruppenmitglieder gerade beschäftigt, aber auch um potenzielle Bedrohungen schneller zu erkennen.

Wir können auch lachen, wenn wir ängstlich werden, oder wenn wir etwas sehr Unangenehmes erleben. Es gibt zahlreiche Menschen, die in bedrohlichen Situationen aus Unsicherheit heraus lächeln. Da Lachen unter anderem den Stressabbau fördert, das Immunsystem stärkt und entspannend wirkt, leistet es einen wichtigen Beitrag für eine bessere Gesundheit. Lachen ist aber anstrengend, denn im Körper werden dabei etwa zweihundert verschiedene Muskeln in Bewegung versetzt, dazu steigt der Puls, die Atmung wird schneller und das Blut staut sich im Gehirn, da im Brustkorb Druck aufgebaut wird. Als Folge bekommt der heftig Lachende häufig einen roten Kopf. Innere Verletzungen können aber - entgegen der oft geäußerten Vermutung, man könne sich totlachen - in Folge dieser starken Beanspruchung eher nicht auftreten, denn beim Niesen etwa wird der Körper viel heftiger erschüttert. Auch ersticken kann man bei einem Lachanfall nicht, denn wenn man keine Luft mehr bekommt, wird ein Schutzmechanismus im Gehirn aktiviert, der dem Körper befiehlt, zu atmen. Die Gefahr, sich beim Lachen zu verschlucken, ist ebenso gering, denn beim Lachen atmet man eher aus als ein. Hingegen ist diese Gefahr viel größer, wenn man sich erschreckt, da dabei plötzlich eine große Menge Luft eingesogen wird.

Übrigens zeigen Untersuchungen (Gray et al., 2015), dass man Menschen, mit denen man zuvor gemeinsam gelacht hat, eher persönliche Details aus seinem Leben verrät. Man ließ Studenten in Vierergruppen einen Film betrachten, wobei manche Gruppen den Auftritt eines Stand-up-Comedian zu sehen bekamen, andere eine Naturdokumentation oder ein Golflehrvideo. Dabei maß man, wie oft die Studenten lachten und befragte sie danach nach ihrem Gemütszustand. Schließlich mussten die Versuchspersonen einem anderen Teilnehmer noch eine Nachricht schreiben, in der sie etwas von sich erzählen sollten, mit dem Ziel, sich miteinander bekannt zu machen. Bei der Auswertung der Texte zeigte sich, dass Botschaften dann deutlich persönlicher waren, wenn die Probanden zuvor gemeinsam den lustigen Auftritt angeschaut und miteinander gelacht hatten. Man führt diesen Effekt darauf zurück, dass beim Lachen vermehrt Endorphine ausgeschüttet werden, die nicht nur euphorisch machen sondern auch Hemmungen lösen.

Sweetening - das künstliche Lachen bei Filmen und TV-Serien

Als Sweetening bezeichnet man die vor allem in amerikanischen TV-Komödien eingesetzte Methode, authentisch klingende Reaktionen eines realen oder fiktiven Publikums bei der Ausstrahlung von Sendungen einzusetzen und somit die Tonspur nachzubearbeiten. Manchmal was das Gelächter echt, manchmal wurden Lachkonserven eingesetzt. Vor einem Live-Publikum konnten dessen authentische Reaktionen aufgenommen und dann mit der Sendung als Gesamtpaket ausgestrahlt werden. Solche Laugh Track stammen bei vielen Sitcoms daher von einem echten Studiopublikum, das über spezialisierte Plattformen für die Aufzeichnungen eingeladen wird. Doch meist wird die Lach-Tonspur nachbearbeitet, d. h., Lacher werden versetzt, hinzugefügt, gekürzt, ein- oder ausgeblendet. Nach Untersuchungen (Baranowski et al., 2017) hat das Lachen aus der Konserve einen die ZuhörerInnen einen größeren Einfluss als oft angenommen wird. Gelächter führte dazu, dass eine Handlung als lustiger bewertet wird, und zwar unabhängig davon, ob es von echtem Publikum oder von einer Tonspur kommt. Sozialer Druck beeinflusst die menschliche Wahrnehmung offenbar massiv, was vor allem für Situationen gilt, die nicht ganz eindeutig definiert sind, sodass Menschen sehr sensibel bezüglich der emotionalen Reaktion anderer sind. Neben Lachen funktionieren auch bei Horrorfilmen auch Schreie, das jedoch nur, wenn sie ein echter Ausdruck von Angst sind. Das kommt daher, dass Lachen ein Zeichen von Bindung an andere Menschen ist, während Angst ein Zeichen von Warnung, sodass die Angstreaktion spezifischer ausfällt. Übrigens: Viele Film wirken im Kino fast immer besser als zu Hause, da auch hier das Lachen des Publikums ansteckend wirkt.

Ein Lächeln ist die kürzeste Entfernung zwischen zwei Menschen.
Victor Borge

Lächeln

Lächeln wird in der Kommunikation oft auch ganz bewusst als soziales Signal eingesetzt, etwa um eine Entschuldigung anzubringen oder eine positive Atmosphäre zu schaffen, bzw. stellt Lächeln meist eine Einladung zur Kommunikation dar. Die Mimik des Gegenübers beeinflusst daher unser soziales Zusammenleben, denn empfängt man ein freundliches Lächeln, finden automatisch Prozesse im Gehirn statt, die das Wohlbefinden steigern, d.h., es findet eine Art unbewusster Emotionsübertragung statt. Sogar ein strahlendes Lächeln, das man sich selber nach dem Aufstehen im Spiegel zuwirft, kann den restlichen Tag positiv beeinflussen. Ein echtes Lächeln kennzeichnet meist eine offene, spontane Persönlichkeit, darum empfindet man lächelnde Menschen fast immer als positiv, denn ein Lächeln signalisiert Gesundheit, Vitalität und Offenheit, also Werte, die in der heutigen Gesellschaft positiv konnotiert sind. Oft wird ein Lächeln in sozialen Stresssituationen auch bewusst eingesetzt, um mit einem positiven Signal die aktuellen Spannungen abzubauen, wobei das Lächeln einerseits nach außen eine positive Einstellung zum Angelächtelten signalisiert, während es andererseits nach innen das Selbstbewusstsein unterstützt. Lächeln hat auch aggressionshemmende Wirkung und kann negative Spannungen auflösen, denn mit jemandem, den man anlächelt, wird man wohl eher nicht einen Streit beginnen. Bei Kleinkindern wurde beim “Drei-Monats-Lächelns” gezeigt, dass das Lächeln eines Erwachsenen vom Kind mit einem Lächeln beantwortet wird. Wird das Lächeln des Kindes nicht mit einem entsprechenden Lächeln des Erwachsenen beantwortet, beginnt es instinktiv zu weinen.

Allerdings muss ein Lächeln immer die Augen miteinbeziehen. Ein Mund, der lacht, ohne dass die Augen mitlachen, ist ein gekünsteltes und unaufrichtiges Lächeln. Der Neurophysiologe Duchenne hatte schon 1862 vermutet, dass ein Lächeln, das nur die Mundmuskeln aktiviert, nicht dieselbe Wirkung hat wie eines, das die um die Augen befindlichen Muskeln erregt. Nach Duchenne kann nur das Lächeln, das die Augen in Falten legt, die - wie er es nannte - “süßen Gefühle der Seele” ins Spiel bringen. Paul Ekman gelang es , den Zusammenhang zwischen Lächeln und dem allgemeinen Wohlbefinden nachzuweisen, indem er die Gehirnwellen von Menschen beim Lächeln registrierte. Die Ergebnisse zeigten, dass das Lächeln Duchennes sehr stark ein mit der linken Gehirnhälfte verbundenes Areal stimuliert, das Neurophysiologen als Ort der Wahrnehmung und des Ausdrucks von Gefühlen kennen, während ein Lächeln, das nur die Mundwinkel anhebt, nicht zur Stimulierung dieses Areals führt.

Lächeln ist ein elementarer Bestandteil der menschlichen Körpersprache, wobei unklar ist, ob es sich dabei eher um einen unwillkürlichen Ausdruck der eigenen Gefühlslage oder ein Kommunikationsmittel handelt. Im Rahmen eines Versuchs (Centorrino et al., 2014) mussten jeweils zwei Probanden zusammenarbeiten, um verschieden hohe Geldbeträge zu erhalten. Eine Versuchsperson spielte den „Treuhänder“, d. h., dieser stellte sich in einem kurzen Videoclip vor und bat seinen Mitspieler mit vorgegebenem Text, ihm einen von den Forschern zur Verfügung gestellten Geldbetrag (vier oder acht Euro) zu schicken. Anhand dieses Videos entschied der „Sender“, ob er dem „Treuhänder“ das Geld überlassen wollte. Tat er dies, wurde der Betrag für den „Treuhänder“ verdreifacht. Dieser konnte nun wählen, ob er dem „Sender“ ein Drittel oder die Hälfte des Betrags zurückschickte oder diesen vollkommen leer ausgehen ließ. Die Probanden mussten angeben, für wie attraktiv, intelligent und vertrauenswürdig sie die Person in dem Video hielten, und ob sie deren Lächeln als authentisch empfanden. Es zeigte sich, dass die Probanden, deren Lächeln als echt empfunden wurde, auch als vertrauenswürdig beschrieben wurden. Offensichtlich schätzten die „Sender“ anhand des Lächelns die Wahrscheinlichkeit ein, mit der die „Treuhänder“ mit ihnen teilen würden. Und tatsächlich lohnte es sich, dem authentischen Lächeln zu vertrauen, denn die entsprechenden Teilnehmer schickten im Schnitt mehr Geld an ihre Partner zurück. Man kann daraus schließen, dass ein authentisches Lächeln ein ehrlich gemeintes Signal ist, das die eigene Kooperationsbereitschaft anzeigt und zur Zusammenarbeit animieren soll. Interessanterweise lächelten die „Treuhänder“ in ihren Videos häufiger authentisch, wenn es um einen höheren Einsatz von acht statt vier Euro ging. Da ein ehrliches Lächeln unbewusst entsteht und als nicht willentlich beeinflussbar gilt, nehmen die Wissenschaftler an, dass es leichter ist, ehrlich zu lächeln, wenn eine höhere Belohnung winkt und natürlich, wenn man es ehrlich meint.

Übrigens ob ein lächelnder Mensch auf andere eher intelligent oder eher dumm wirkt, kann von Land zu Land unterschiedlich wahrgenommen werden. So werden vielen Ländern Menschen als intelligenter eingeschätzt, wennsie lächeln, so etwa in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Großbritannien, in Ägypten und auf den Philippinen. In Frankreich, Russland, Iran, Japan, Indien und Südkorea hingegen werden lächelnde Menschen eher als wenig intelligent wahrgenommen. Krys et al. (2015) haben in einem Versuch Studenten in 44 Ländern jeweils Bilder von acht Menschen gezeigt, wobei es von allen acht abgebildeten Menschen je ein Bild mit lächelndem und eines mit neutralem Gesichtsausdruck gab. In 18 Ländern wirkte sich das Lächeln im Durchschnitt positiv auf die eingeschätzte Intelligenz aus, in sechs Ländern hingegen negativ, während in den übrigen Ländern kein statistisch signifikanter Effekt nachgewiesen werden konnte. Ursache dafür sind vermutlich kulturelle Unterschiede, denn in jenen Ländern, in denen die Menschen eher pragmatisch orientiert sind und sich auf eine ungewisse Zukunft einstellen, erscheint ein Lächeln vielleicht als eher ungerechtfertigtes Zeichen von Sicherheit, das sie mit geringer Klugheit in Verbindung bringen. Neben der Intelligenz sollt eübrigens auch beurteilt werden, wie ehrlich ihnen die Personen auf den Fotos erscheinen, wobei in den meisten Ländern lächelnde Menschen als aufrichtiger wahrgenommen werden.

In einer Studie haben Didier Grandjean et al. (2014) Testpersonen verschiedene Arten von Lächeln präsentiert, wobei diese durch computeranimierte Avatare simuliert wurden. Es zeigte sich, dass die gleichen Muskeln aktiviert werden, wenn eine Person das Lächeln anderer wahrnimmt und seine Echtheit abschätzt wie bei einem Avatar, wobei an einem als echt empfundenen Lächeln die Augen-, die Wangen- und die Mundmuskulatur beteiligt waren. Die Untersuchung zeigte aber auch, dass das Unbewusste eine Rolle dabei spielt, denn die schwachen Muskelaktivierungen, die das lächelnde Gegenüber bei den Testpersonen auslöste, waren nicht sichtbar, konnten jedoch mittels Elektromyografie gemessen werden, d. h., das Gehirn entschlüsselt und interpretiert diese schwachen Signale.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass das menschliche Gehirn sehr gut in der Lage ist, zwischen einem echten und einem vorgetäuschten Lachen zu unterscheiden, denn bei einem falschen Lachen werden jene Gehirnareale aktiviert, die für die Entschlüsselung von Emotionen verantwortlich sind, während ein herzliches Lachen jene Regionen anregt, die für positive Gefühle zuständig sind. Dabei können die meisten Menschen schon von ihrer Kindheit an vorgespiegelte Gefühle von echten Emotionen unterscheiden, was sowohl für Lachen wie für Weinen gilt. Man vermutet auch, dass manche Menschen deshalb besser mit Kindern umgehen können als andere, weil diese authentischer sind, d. h., ihre Gefühle passen besser zu ihrem Verhalten, wobei besonders Kinder in der Lage sind, die Echtheit der Gefühle zu spüren. Menschen, die von einer psychischen Störung wie etwa der Borderline-Persönlichkeitstörung betroffen sind, erlernen diese Unterscheidung oft nicht, was bedeutet, dass die Betroffenen nicht fähig sind, echte von falschen Gefühlen zu unterscheiden und diese richtig zuzuordnen bzw. zu benennen.

Übrigens ist die Echtheit des Lächelns ein wichtiger Faktor, denn Untersuchungen von Verkaufs- und Beratungsgesprächen (Brach et al., 2014) zeigen, dass stark ausgeprägte Kundenorientierung gepaart mit einem echten Lächeln zwar für die höchste Zufriedenheit sorgte, doch war hingegen die Beratung kompetent, die Freundlichkeit aber nur aufgesetzt, beschrieben sich die Kunden eher als nicht zufrieden. Offensichtlich ist krampfhaft aufgesetzte Freundlichkeit nicht zielführend, denn der Kunde hat anscheinend nichts von der unechten Fröhlichkeit und für den Mitarbeiter sorgt das ständige Vortäuschen von positiven Gefühlen zusätzlich für Stress und Erschöpfung.

Das Fotolächeln

Ein Vergleich historischer Porträtfotos zeigt, dass die Mundwinkel im Laufe der vergangenen hundert Jahre kontinuierlich nach oben wanderten. Ginosar et al. (2015) werteten Porträtfotos aus Jahrbüchern amerikanischer Highschools aus den Jahren 1905 bis 2013 aus und fertigten aus den Fotos Durchschnittsgesichter der jeweiligen Jahre an, um die Veränderung des Gesichtsausdrucks deutlicher zu machen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts blickten die amerikanischen SchülerInnen noch mit fast versteinerter Miene in die Kamera, und erst im Lauf der Zeit wich der ernste Ausdruck einem sanften Lächeln und steigerte sich schließlich zum Fotogrinsen, wie man es heute kennt. Die Lächelfunktion stieg in allen Jahrzehnten an, nur in den 50er und 60er Jahren gaben die Mundwinkel ein wenig nach, um danach wieder nach oben zu wandern. Kotchemidova (2005) versuchte zu rekonstruieren, woher das heute allgegenwärtige Lächeln stammt und kam zu dem Schluss, dass sich Menschen in der Frühzeit der Photographie noch an der Malerei orientierten und daher einen Gesichtsausdruck wählten, der über längere Zeit ohne Anstrengung beibehalten werden konnte, schließlich dauerte die Belichtung in der Regel einige Zeit. Im 19. Jahrhundert musste ein schönes Gesicht auch einen geschlossenen Mund haben, denn die Zähne zu zeigen galt als ungehobelt, wobei Grinsen Kindern und Betrunkenen vorbehalten blieb. Das änderte sich, als die Fotografie vor allem durch die Firma Kodak zum Massenprodukt wurde, die das Knipsen mit der Kamera als eine Tätigkeit bewarb, die allen Beteiligten Spaß macht. In der Folge wurden lächelnde Gesichter auch auf Plakatwänden sukzessive zur sozialen Norm.

Übrigens: In einem Experiment fand man heraus, dass Menschen unabhängig vom tatsächlichen Alter mit einem lächelnden Gesicht als älter eingeschätzt werden, obwohl man im Allgemeinen denkt, dass lächelnde Gesichter jünger wirken sollten. Man vermutet, dass dieser Alterungseffekt beim Lächeln dadurch entsteht, da Lächeln die kleinen Fältchen im Gesicht betont und manchmal erst richtig sichtbar werden, insbesondere die Fältchen rund um die Augen und um den Mund. Daher sollte man bei Fotos, auf denen man jung erscheinen möchte, eher nicht Lächeln sondern eher ein erstauntes Gesicht machen ;-)

Übrigens: 1998 wurde von Madan Kataria, dem Gründer der weltweiten Yoga-Lachbewegung, der Weltlachtag ins Leben gerufen. Die Feier des Weltlachtags, die jährlich am ersten Sonntag im Mai begangen wird - soll den Weltfrieden verkörpern und hat das Ziel, ein globales Bewusstsein der Brüderlichkei und der Freundschaft durch das Lachen zu erreichen.

Ein kurioses Forschungsergebnis zum Lächeln

Matthew Martenstein (Universität Indiana) analysierte das Lächeln auf Familienfotos von ProbandeInnen am Ende ihrer Schulzeit und fragte, ob sie bereits eine Scheidung hinter sich hätten. Die Intensität des Lächelns wurde auf einer Skala von eins bis zehn bewertet, wobei man sowohl auf den Ausdruck in den Augen als auch auf die Muskelanspannung beim Lachen achtete. Anhand der Intensität des Lächelns konnte vorausgesagt werden, ob die Ehe des Probanden zu irgendeinem Zeitpunkt in seinem Leben geschieden wird oder nicht. Für Jugendlichen mit dem schwächsten Lächeln war die Wahrscheinlichkeit geschieden zu werden drei Mal so hoch wie bei jenen, die auf dem Foto grinsen. Man vermutet daher, dass fröhliche Menschen eher bereit sind an den Problemen in Partnerschaft und Ehe zu arbeiten als weniger glückliche. Außerdem suchen sich Menschen mit einem sonnigen Gemüt oft einen Partner, der ihre positive Lebenseinstellung teilt.

Literatur

Baranowski, Andreas M., Teichmann, Rebecca & Hecht, Heiko (2017). Canned Emotions. Effects of Genre and Audience Reaction on Emotions. Art & Perception, 5, 312-336.

Brach, S., Walsh, G., Hennig-Thurau, T. & Groth, M. (2014). A dyadic model of customer orientation: Mediation and moderation effects. British Journal of Management.

Centorrino, S., Djemai, E., Hopfensitz, A., Milinski, M. & Seabright, P. (2014). Honest signaling in trust interactions: Smiles rated as genuine induce trust and signal higher earning opportunities. Evolution and Human Behavior.

Czepel, Robert (2015). Warum wir in die Kamera grinsen.
WWW: http://science.orf.at/stories/1765309 (15-12-13)

Ginosar, Shiry, Rakelly, Kate, Sachs, Sarah, Yin, Brian & Efros, Alexei A. (2015). A Century of Portraits: A Visual Historical Record of American High School Yearbooks. arXiv:1511.02575.

Gray, Alan W., Parkinson, Brian & Dunbar, Robin I. (2015). Laughter’s Influence on the Intimacy of Self-Disclosure. Human Nature, 25, 1-16.

Kotchemidova, Christina (2005). Why We Say “Cheese”: Producing the Smile in Snapshot Photography. Critical Studies in Media Communication, 22, 2-25.

Krys, K. et al. (2015). Be Careful Where You Smile: Culture Shapes Judgments of Intelligence and Honesty of Smiling Individuals. Journal of Nonverbal Behavior, 40, doi: 10.1007/s10919-015-0226-4.

Überblick: Was ist nonverbale Kommunikation?



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