[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Unangemessene Generalisierungen im voroperatorischen Stadium

Beispiel:

Mit 4 Jahren und 2 Monaten auf einem Berg: "Man hat sie dahin getan, die Felsen. Das sind sehr starke Leute, die sie hingesetzt haben. "Hätte ich es gekonnt, ich?" "Nein, du nicht, aber sehr starke Leute. Sie (die Felsen) waren zunächst klein, dann sind sie groß geworden."

Das Konzept des Wachsens ist hier schon verfügbar. Das Kind verwendet diesen Begriff an, um die Entstehung eines Felsmassivs zu erklären. Hier findet eine fehlerhafte Assimilation statt, also die Aufnahme eines Gegenstandes (Fels) in das falsche geistige Schema (Wachsen). Piaget nennt die Wahrnehmung unbelebter Gegenstände als belebte animistische Deutungen.

Um fehlerhafte Assimilation handelt es sich auch, wenn die Existenz von Naturerscheinungen (Steine) aus ihrem Zweck erklärt wird, als ob es sich um menschliche Handlungen handelte (finalistische Erklärungen):

"Steine sind da, damit Häuser gebaut werden können, Bäume sind da, damit sie Schatten spenden."

Werden Gegenstände in das Konzept der Anfertigung, des Machens falsch assimiliert, so spricht Piaget von artifizialistischen Naturdeutungen: "starke Leute haben den Berg gemacht."

Der Egozentrismus des Kindes

Der Egozentrismus des KindesDen Begriff Egozentrismus verwendet Piaget zur Bezeichnung der Unfähigkeit, sich in die Rolle eines anderen hineinzuversetzen, den Blickwinkel eines anderen einzunehmen oder die eigene aktuelle Sichtweise (Wahrnehmung oder Meinung) als eine unter mehreren Möglichkeiten zu begreifen. Piaget nennt nun die animistische, finalistische und die artifizielle Denkweise des Kindes egozentrisch.

Piaget verwendet den Begriff Egozentrismus vielfältig, so z.B. zur Bezeichnung der Unfähigkeit, sich in die Rolle eines anderen hineinzuversetzen, den Blickwinkel eines anderen einzunehmen oder die eigene aktuelle Sichtweise als eine unter mehreren Möglichkeiten zu begreifen. Ein Kind dieses Alters zweifelt noch nicht daran, ob der Gesprächspartner verstanden hat, was es sagt, es fragt nicht nach. Das Kind weiss noch nicht, dass der andere die Dinge vielleicht nicht so versteht und sieht, wie es selbst. Es fühlt sich deshalb auch nicht dazu veranlasst, seine Ansichten zu rechtfertigen oder zu begründen. Durch die Entwicklung von Kompetenzen zur Perspektiven- und Rollenübernahme wird dieser kommunikative Egozentrismus allmählich überwunden. Mit der Zeit gelingt es dem Kind, die Perspektive anderer zu erkennen und sich in seinem eigenen Handeln und Sprechen auf die Verständnismöglichkeiten des Gegenübers einzustellen. So gelingt Kommunikation unter Berücksichtigung der Verständnismöglichkeiten unterschiedlicher Partner.

Dieser kommunikative Egozentrismus wird überwunden durch die Entwicklung von Kompetenzen zur Perspektiven- und Rollenübernahme. Kommunikation gelingt dann unter Berücksichtigung der Verständnismöglichkeiten unterschiedlicher Partner.

Die Überwindung des Egozentrismus wird nach Piaget möglich durch sozialen Austausch, durch Widerspruch und Konflikt des "Ansichten", der Erfahrung und Speicherung unterschiedlicher Ansichten.

Auch der Erwachsene muß egozentrische Sichtweisen ständig neu überwinden (Vorurteile und unreflektierte Ideologien).

Zentrierung auf einen oder wenige Aspekte

Ein grundlegendes Kennzeichen des voroperatorischen Denkens nennt Piaget die Zentrierung der Aufmerksamkeit auf ein Merkmal des Gegenstandes und das Außerachtlassen anderer. Das Umschütten einer Flüssigkeit von einem Gefäß bedeutet für das kleine Kind eine Veränderung der Menge, weil die Flüssigkeit nicht mehr das gleiche Aussehen hat. Das Kind kann die Dimensionen Höhe und Umfang nicht gleichzeitig "ins Auge fassen" und in einem Urteil integrieren. Einige Daten dazu!

Der Egozentrismus des Kindes

Abb.: Versuch zur Prüfung der Einsicht in die Invarianz der Menge bei Operationen des Umfüllens.

Weiterer Versuche zu den Konzepten Zeitdauer und Alter

Kinder beobachteten zwei Autos, die zur gleichen Zeit losfahren und stoppen. Ein Auto fuhr schneller. Die Kinder glauben das schnellere Auto sei länger gefahren.

Vierjährige Kinder glauben ihrer älteren Geschwister im Alter überholen zu können.

Zentrierungen findet man auch im moralischen Urteilen: Einem Kind fallen versehentlich 10 Tassen zu Boden, ein anderes Kind wirf wütend eine Tasse zu Boden. Kinder bis zum fünften Lebensjahr zentrieren häufig auf den Handlungsausgang und bewerten die 10 zerbrochenen Tassen moralisch negativer.

Eingeschränkte Beweglichkeit

Wenn ein Kind eine zweite Dimension ins Auge faßt (Dezentrierung o. Umzentrierung) verliert es oft die erste wieder. Piaget spricht von fehlender Beweglichkeit des Denkens, wenn er auf solche Grenzen der Informationsverarbeitung stößt.

Abb.: Matrix Form & Farbe

Die Beweglichkeit wird mit zunehmendem Alter größer im Sinne systematischer Erfassung. Die gleichzeitige Verfügbarkeit verschiedener Informationen erfordert Verarbeitungsstrukturen, die das nächste Entwicklungstadium kennzeichnen.

Zentrierung auf Zustände

Das Kind betrachtet einen Zustand nicht als Ergebnis einer Transformationskette. Das Umschütten einer Flüssigkeit wird nicht als eine Transformation begriffen. Statt dessen wird der neue Zustand als Gegenstand für sich genommen, der als solcher beurteilt wird. Damit fehlt allerdings eine unverzichtbare Voraussetzung für ein korrektes Urteil.

Fehlendes Gleichgewicht

Kinder sind sich widersprechenden Aussagen nicht bewußt.

Abb.: Material zur Prüfung der Einsicht in die Klasseninklusion

Zeichnungen von Klaus Lorenzen (Universität Wuppertal): http://www.stud.uni-wuppertal.de/~ya0023/hotlist.htm

     



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