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Politisches Interesse von Jugendlichen *)

Quellen:

Buhl, Monika (2003). Jugend, Familie, Politik. Opladen: Leske/Budrich.

Burdewick, Ingrid (2003). Jugend – Politik – Anerkennung. Opladen: Leske/Budrich.

Gille, Martina, Krüger, Winfried & de Rijke, Johann/ Willems, Helmut (1998). Politische Orientierung, Wertehaltung und die Partizipation Jugendlicher Veränderung und Trends in den 90er Jahren. IN Palentien, Christian & Hurrelmann, Klaus (Hrsg.) (1998), Jugend und Politik (S. 148-177). Berlin: Luchterhand.

Preiser, Siegfried (2002). Jugend und Politik. In Oerter, Rolf & Montada, Leo (2002), Entwicklungspsychologie (S. 874-884). Weinheim: Beltz.

Schneekloth, Ulrich (2004). Demokratie, ja – Politik, nein? Einstellung Jugendlicher zur Politik. In Hurrelmann, Klaus & Albert, Mathias (2002), Jugend 2002 – 14. Shell Jugendstudie (S. 91-138). Frankfurt am Main: Fischer.

Schneider, Helmut (1995). Politische Partizipation – Zwischen Krise und Wandel. In Hoffmann-Lange, Ursula (1995), Jugend und Demokratie in Deutschland (S. 275-336). Opladen: Leske/Budrich.

Zentner, Manfred (2003). Gesellschaftspolitisches Engagement Jugendlicher. In 4. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich – Teil A: Jugendradar 2003 (S. 209-228). Wien: Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generation und Konsumentenschutz.

Der Stellenwert, den junge Menschen dem Lebensbereich Politik zuschreiben, muss in Zusammenhang gesehen werden mit dem Ausmaß, in dem sich Jugendliche von der Politik angesprochen fühlen. Auf Grund fehlender politischer Lösungsansätze bzw. deren mangelnde Durchsetzbarkeit für zukunftsrelevante gesellschaftliche Probleme wie Massenarbeitslosigkeit, nachhaltige Umweltbelastung oder Überbevölkerung scheint es der Politik immer weniger zu gelingen, gegenüber der nachwachsenden Generation mit Handlungsfähigkeit zu überzeugen und entsprechend die Beteiligungsbereitschaft der Jugend zu fördern (vgl. Buhl 2003, S.26).

Die zurückgehende Unterstützung der Jugendlichen kann anhand von gesellschaftlichen Entwicklungen erklärt werden:

So kann nicht von einem grundsätzlichen Desinteresse der jungen Menschen an Politik ausgegangen werden, sondern das es vielmehr der Politik nicht gelingt, auf die Interessen und Bedürfnisse junger Menschen einzugehen. Die Jugendlichen reagieren darauf mit neuen, ihnen eigenen politischen und sozialen Partizipationsmöglichkeiten (vgl. Buhl 2003, S. 26ff.).

Nils (12) antwortet auf die Frage, ob er sich allgemein für Politik interessiert recht zögerlich und unentschlossen: "Ja das ist wichtig, eigentlich, was die [Politiker] auch sagen oder so. Ja doch, weil es eben wichtig ist, irgendwie. Also ich guck mir solche Verhandlungen [im Bundestag] nicht unbedingt an. Aber das ist schon manchmal interessant, was dabei rauskommt. Und es kommt auch oft Müll raus." (Burdewick 2003, S. 102).

Nils, der Mitglied des Jugendparlaments ist, misst den Aussagen der Politiker eine große Bedeutung bei, gibt aber gleichzeitig auch zu verstehen, dass er politische Debatten nicht verfolgt. Weiters äußert er, dass er die Ergebnisse manchmal interessant findet, aber zum größten Teil diese Ergebnisse für ihn nicht zufrieden stellend sind. Nils bringt hier zum Ausdruck, dass er sich mit traditioneller Politik nur schwer identifizieren kann (vgl. Burdewick 2003, S. 102f). Die Aussage von Nils spiegelt die Denkweisen vieler Jugendlicher und junger Erwachsener wider, die vor allem immer weniger an traditioneller Parteipolitik interessiert sind.

Das politische Interesse Jugendlicher und junger Erwachsener wird auf den folgenden Seiten spezielle durch die Indikatoren politische Selbsteinschätzung der Jugendlichen, die Wahlbeteiligung als Ausdruck des politischen Interesses und das Vertrauen der Jugendlichen in staatliche Institutionen charakterisiert.

Politische Selbsteinschätzung

In der Literatur findet man in nahezu allen Studien zur Thematik "Jugend und Politik" die Frage nach der politischen Selbsteinschätzung mit dem Hintergrund der Selbstbewertung des politischen Interesses. Das Interesse an Politik ist ein wesentlicher Faktor und eine Vorraussetzung für das politische Engagement (vgl. Schneider 1995, S.279). Auch in dieser Studie soll die Frage "Wie sehr interessierst du dich für die Politik" als Einstieg und Kategorisierung verwendet werden. Die Frage ist bewusst sehr allgemein gehalten und nimmt auch keinerlei Bezug auf aktuelle politische Themen.

In diesem Zusammenhang wurde jedoch auch ein gewisses Problem identifiziert. In einigen bisher veröffentlichten Studien, so z.B. im DJI-Jugendsurvey wurde das Politikinteresse mittels fünf Anwortvorgaben inklusive einer Mittelkategorie erfasst. In andere Studien hingegen wurden zwei oder vier Antwortmöglichkeiten vorgegeben und somit auf die Mittelkategorie verzichtet. Ein Beispiel hierfür ist die letzten Shell Jugendstudie aus dem Jahre 2002. Um das politische Interesse eindeutig zuordnen zu können wird in dieser Arbeit der Weg der Shell Jugendstudien gewählt und den untersuchten Jugendlichen wurden vier Antwortmöglichkeiten vorgegeben (vgl. Schneekloth 2004, S. 92). Als Antwortkategorien sind "starkes Interesse, Interesse, wenig Interesse und gar keine Interesse (Desinteresse)" vorgegeben.

Neben der Kategorisierung des Politikinteresses erlaubt die Frage nach dem Politikinteresse auch eine Zusammenhangsanalyse nach sozialen und persönlichen Merkmalen. Dadurch lässt sich zum Beispiel das politische Interesse nach Geschlecht, Alter, Bildungsstatus, politisches Interesse der Eltern oder nach geographischen Gegebenheiten analysieren. Als erster Schritt wird nun auf die Ergebnisse einiger Studien zum Thema politisches Interesse im Allgemeinen eingegangen. In weiterer Folge werden die Zusammenhänge zwischen ausgewählten sozialen und persönlichen Merkmalen und dem politischen Interesse dargestellt.

In zahlreichen Studien wurde belegt, dass sich das politische Interesse der Jugendlichen in Grenzen hält. In der 14. Shell-Jugendstudie aus 2002 bezeichnen sich nur 4% der befragten Jugendlichen als stark interessiert und 26% als interessiert. Im Gegensatz dazu bezeichnen sich 40% als wenig und 30% als gar nicht an der Politik interessiert (vgl. Schneekloth 2004, S. 92).

Fasst man die Kategorien "stark interessiert" und "interessiert" zusammen so erhält man die Prozentzahl jener Jugendlichen die sich für Politik interessieren. 2002 waren dies 30% der Jugendlichen im Alter von 12-25 Jahren. Fasst man die beiden Kategorien "wenig interessiert" und "gar nicht interessiert" zusammen, so erhält man die Prozentzahl jener Jugendlichen die an Politik nicht interessiert sind. In der 14. Shell-Jugendstudie waren dies 70% der befragten Jugendlichen. Mehr als zwei Drittel aller Jugendlichen in Deutschland sind an den traditionellen Formen der Politik nicht oder wenig interessiert.

Auf Grund der Homogenität der 14.Shell-Jugendstudie mit den früheren Shell-Jugendstudien kann auch ein längsschnittlich angelegter Vergleich durchgeführt werden. Dieser Vergleich ist allerdings nur für Jugendliche der Altersgruppe von 15-25 Jahren möglich, da die Altersgruppe 12 - 14 Jahren erstmals in der 14.Shell-Jugendstudie untersucht wurde (vgl. Schneekloth 2004, S. 415). Die untenstehende Zeitreihe veranschaulicht, dass das politische Interesse der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren seit 1984 deutlich zurückgegangen ist. 

Ein weiterer interessanter Aspekt für die Bundesrepublik Deutschland ist die Entwicklung des Politikinteresses von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Ost-West-Vergleich. Kurz nach dem Fall des eisernen Vorhangs zeigten die Jugendlichen in den neuen Deutschen Bundesländern ein deutlich stärkeres Politikinteresse im Vergleich zu den Jugendlichen aus den alten Deutschen Bundesländern. Dieser Trend lässt sich jedoch für die Folgejahre nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil dazu, fiel die Prozentzahl jener Jugendlichen aus Ost-Deutschland die sich stark für Politik interessieren von 22% im Jahr 1992 auf 17 % im Jahr 1997. Bei den West-Deutschen Jugendliche und junge Erwachsene hingegen erhöhte sich dieser Prozentsatz von 21% im Jahr 1992 auf 25% im Jahr 1997 (vgl. Gille, Krüger &de Rijke 2000, S.211f).

Dieser Rückgang des politischen Interesses lässt sich aber keineswegs als dramatisch oder stark charakterisieren und daher kann man noch nicht von einer generellen "Politikverdrossenheit" sprechen. In erster Linie erscheint dieser Rückgang des politischen Interesses in Ostdeutschland eher als Normalisierung, da es nach der Vereinigung Deutschlands im Oktober 1990 zu einer starken Erhöhung des Politikinteresses der Ostdeutschen Jugendlichen gekommen ist. Der Hauptgrund dafür liegt in der besonderen politischen Sensibilisierung und Mobilisierung durch die Wende (vgl. Gille, Krüger, de Rijke & Willems 1998, S.152).

Die gegenläufigen Trends im Hinblick auf die Entwicklung des Politikinteresses im West-Ost-Vergleich werden zum Teil durch die Ergebnisse des ALLBUS bestätigt. Auch hier wird sichtbar, dass das Interesse der Westdeutschen Jugendlichen (18 bis 29 Jahre) zwischen 1994 und 1996 zunimmt. Gegenteiliges lässt sich für die Ostdeutschen Jugendlichen (18 bis 29 Jahre) berichten. In den neuen Bundesländern nimmt das politische Interesse weiter ab. Ein neuer Trend zeichnet sich aber aus den Ergebnissen von 1998 ab: Es kam zu einem starken Anstieg des Interesses der Ostdeutschen Jugendlichen und jungen Erwachsen, was nahezu zu einer Angleichung der beiden Populationen führte. (vgl. Gille, Krüger & de Rijke 2000, S.212f).

Für Österreich ist ein sehr ähnliches Bild erkennbar. Der "4. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich, Teil A: Jugendradar 2003", wurde im Auftrag des Bundesministeriums für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz, Abteilung Jugendpolitik, vom Marktforschungsinstitut "SPECTRA Marktforschungsges.m.b.H." und von jugendkultur.at (Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung) erstellt und 2003 veröffentlicht. Untersucht wurden, im Rahmen dieser repräsentativen Erhebung, 1549 österreichische Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 30 Jahren. Gefragt nach dem Interesse an der Politik zeigten 37% Interesse (8% interessiert mich sehr; 29% interessiert mich etwas) und 61% der Befragten zeigten kaum oder gar kein Interesse (31% interessiert mich kaum; 30% interessiert mich gar nicht). 2% der Befragten konnten sich nicht entscheiden (vgl. Zentner 2003, S. 225).

Etwas erfreulichere Ergebnisse hinsichtlich des Politikinteresses in Österreich kann die "Österreichische Jugend – Wertestudie 1990 – 2000" belegen (Stichprobenumfang: n=1000 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 24 Jahren). 11 Prozent der befragten Jugendlichen äußerten ein "sehr starkes" Interesse an der Politik, weitere 34% gaben an "etwas" an der Politik interessiert zu sein. Der Großteil der jugendlichen Österreicher (53 % der Befragten) zeigten jedoch "kaum" (27%) oder "gar kein" (26%) Interesse an der Politik. Verglichen mit den Daten von 1990 zeigt sich eine Stagnation des politischen Interesses der Jugendlichen auf einem niedrigem Niveau (vgl. Österreichische Jugend – Wertestudie 1990 – 2000 (2000) Pressedossier, S. 6).

Mit dem politischen Interesse der Jugendlichen in Oberösterreich beschäftigte sich Marilyn Sarah Sebinger im Rahmen ihrer Diplomarbeit "Jugend und Politik". Insgesamt wurden in dieser repräsentativen Studie 1156 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 20 Jahren befragt (vgl. Sebinger 2002, S. 8). Auf der sechsstufigen Skala (1 = gar kein Interesse … 6 = großes Interesse) gaben 47,6% der Befragten an eher an der Politik interessiert zu sein. 52,6% der Befragten tendierten eher zu Desinteresse. Tendenziell lässt sich in dieser Untersuchung erkennen, dass etwa die Hälfte der Befragten ihr Interesse im mittleren Teil der Skala (3 und 4) einstuft (52,4 Prozent). Rechts und Links davon verteilen sie sich zu zwei relativ gleich großen Gruppen (vgl. Sebinger 2002, S. 21). Sebinger erklärt sich diese Abweichung zu anderen Studien (im Bezug auf höheres politisches Interesse) auf Grund des Stichprobenmerkmals "Schulbesuch" (vgl. Sebinger 2002, S. 21).

Abschließend muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass sowohl die aktuellen politischen Diskussion als auch Geschehnisse sich in der Entwicklung des politischen Interesses bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen widerspiegeln (vgl. Gille, Krüger & de Rijke 2000, S. 212). Ein Beispiel dafür ist die bereits erwähnte starke Erhöhung des Politikinteresses der Ostdeutschen Jugendlichen durch den Falles des Eisern Vorhanges.

Geschlechtsunterschiede

Die 14. Shell-Jugendstudie von 2002 zeigt, dass 37% der 12- bis 25jährigen Burschen und Männer stark interessiert oder interessiert an der Politik sind. Damit liegen die Burschen und jungen Männer sieben Prozentpunkte über dem Durchschnitt. Im Gegensatz dazu zeigten sich nur 23% der 12- bis 25jährigen Mädchen und Frauen politisch interessiert. Die Mädchen und jungen Frauen liegen demnach sieben Prozentpunkte unter dem Durchschnitt. Durchschnittliche zeigen sich 30% der befragten Jugendlichen sehr interessiert oder interessiert an der Politik (vgl. Schneekloth 2004, S. 93). Auch nach der 2. DJI-Jugendsurvey ist das politische Interesse junger Frauen deutlich geringer als jenes junger Männer. 1992 bekundeten 28% der männlichen Befragten im westen Deutschlands ein starkes politisches Interesse. Im Gegensatz dazu waren nur 13% der jungen Frauen politisch stark interessiert. Dies ergibt eine Geschlechterdifferenz von 15 Prozentpunkten bei den westdeutschen Jugendlichen im Jahr 1992. Diese Differenz ist im Osten Deutschlands mit 12 Prozentpunkten etwas geringer. Hier bekundeten wiederum 28% der männlichen Probanden ein starkes Interesse an der Politik. Im Gegensatz zu den jungen Frauen aus Westdeutschland interessierten sich im Osten jedoch 16% stark für die Politik. Es ergibt sich hier eine geringere Geschlechterdifferenz im Osten Deutschlands. 1997 betrug die Geschlechterdifferenz im Westen 14 Prozentpunkte (32% der Männer äußerten ein starkes politisches Interesse bzw. 18% der jungen Frauen) und im Osten 10 Prozentpunkte (22% der Männer waren stark an der Politik interessiert und 12% der befragten Frauen). Zu beachten ist hierbei allerdings, dass die ostdeutschen Frauen im Vergleich zu den westdeutschen und zu den Männern ein deutlich niedrigeres Niveau an politischem Interesse aufweisen (vgl. Gille, Krüger & de Rijke 2000, S. 213f). Sauer (zit. nach Gille, Krüger & de Rijke 2000, S. 214) spricht von einer eher männlichen Codierung des öffentlichen und politischen Raumes und davon, dass die "politisch interessierte Frau" möglicherweise einen Politikbegriff assoziiert, der Frauen weniger Identifikationsmöglichkeiten bietet, da dieser Politikbegriff Frauen, in seiner gesellschaftlichen Definition, eher ausschließt. Sauer spricht weiters von einer Trennung von privaten und öffentlichen Lebenswelten und dadurch kristallisieren sich ein vorpolitischer Frauenbereich und ein politischer Bereich der Männer heraus. Aus diesem Grund kann das geringer politische Interesse der Frauen nicht auf als ein Defizit der Frauen an sich interpretiert werden, sondern vielmehr handelt es sich dabei um ein strukturelles Defizit der politischen Kultur.

Politikverdrossenheit

Die wissenschaftliche sowie öffentliche Diskussion war in den letzten Jahren stark gekennzeichnet von der These, die jüngeren Generationen heute seien im Vergleich zu den vorherigen Jugendgenerationen durch eine stärkere Politikverdrossenheit und Politikmüdigkeit gekennzeichnet. Jugendliche und junge Erwachsene seien weniger an politischen Themen interessiert, beteiligen sich nicht mehr im gleichen Maße an politischen Verfahren und zeigten größere Distanz zu den traditionellen politischen Organisationen. In Zusammenhang mit Informationen zur gleichzeitig gestiegenen Bedeutung anderer Lebensbereiche wie Freizeit, Beruf, Familie für junge Menschen, wurde oft vorschnell konstatiert, dass sich eine a-politische Ich-Generation, die mehr an der beruflichen Karriere und einer hedonistischen Freizeitkultur orientiert sei und weniger Engagement für das gesellschaftliche Gemeinwohl aufbringt, entwickelte (vgl. Gille, Krüger, de Rijke u. Willems 1998, S.148). Ob diese These mit aktuellen Studien übereinstimmt wird in Folge noch behandelt werden. Hier soll zunächst der Begriff „Politikverdrossenheit“ näher definiert werden:

Preiser versteht unter Politikverdrossenheit einen „umgangssprachlichen Begriff, der Misstrauen, Unzufriedenheit und Interesselosigkeit gegenüber dem politischen System beinhaltet. Sie äußert sich in Desinteresse, sinkender Wahlbeteiligung, fehlendem Nachwuchs für die Parteien und nachlassender Bindung an Parteien.“ (Preiser 2002, S. 875).

Weiters lassen sich zwei Formen unterscheiden: Politiker- und Parteienverdrossenheit als aktuelle Unzufriedenheit einerseits und Politik- oder Staatsverdrossenheit als generelle Unzufriedenheit mit dem politischen System und den demokratischen Institutionen andererseits (vgl. Preiser 2002, S. 875).

Wie vielfache Umfrageergebnisse bescheinigen sind Jugendliche vor allem immer weniger an traditioneller Parteipolitik interessiert. Sie sehen sich mit einer Parteipolitik konfrontiert, in der sie zu wenig Gehör finden und deren hierarchische Strukturen sie ablehnen. Wobei dieser Trend nicht nur unter Jugendlichen zu beobachten ist. Weiters lässt auch das Vertrauen der Bevölkerung in politische und gesellschaftliche Institutionen nach. Im Gegensatz zu diesen Trends interessieren sich Jugendliche jedoch sehr wohl für gesellschaftliche und politische Fragen, wenngleich sie andere Wege als die traditionellen gefunden haben (unkonventionelle Partizipationsformen), um sich zu engagieren (vgl. Gille, Krüger, de Rijke u. Willems 1998, S. 148).

Quelle: Entstanden unter Verwendung der Studie von Josef Holzinger (2006): Jugend und Politik. Johannes Kepler Universität Linz. PPP der jku.



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