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Psychologische Theorien zur Entstehung der Geschlechtsunterschiede

Frauen Männer

Es gibt verschiedene psychologische Theorieansätze, die zu erklären versuchen, warum Buben und Mädchen schon im Kindergarten unterschiedliche Verhaltensrepertoires, Interessen und Beschäftigungsvorlieben haben, wobei das Schwergewicht dabei auf der Entwicklung in der Kindheit und der Rolle der Eltern bei der Geschlechtsrollenentwicklung liegt. Die Bekräftigungstheorie postuliert, dass Buben und Mädchen schon ab dem Kleinkindalter für Verhalten, dass ihrem Geschlecht angemessen erscheint, belohnt werden, was durch Lob, Anerkennung und direkte Belohnung erfolgt, während ihrem Geschlecht unangemessene Verhaltensweisen nicht verstärkt, sondern sogar manchmal sogar bestraft, missbilligt oder einfach ignoriert werden. Die Bekräftigungstheorie basiert also darauf, dass bestimmte dem Geschlecht entsprechende Verhaltensstereotype existieren und Eltern ihre Kinder diesen Stereotypen gemäß erziehen, d.h., dass Eltern ihre Kinder unterschiedlich behandeln. Die Imitationstheorie postuliert, dass Kinder geschlechtstypisches Verhalten durch die Beobachtung gleichgeschlechtlicher Modelle bzw. die Nachahmung und Übernahme deren geschlechtsangemessenen Verhaltens erwerben. Dabei sind vor allem die Bezugspersonen im Hinblick auf erfolgreiches oder erfolgloses Verhalten ihre Vorbilder, d.h., nachgeahmt wird vorwiegend erfolgreiches Modellverhalten überwiegend am gleichgeschlechtlichen Vorbild. Die der Imitationstheorie nahe Identifikationstheorie nimmt an, dass durch die Primärbeziehungen geschlechtsspezifisches Verhalten gefördert bzw. erlernt wird, also durch die Beziehungen zu den wichtigsten Bezugspersonen gemeint, mit denen sich in den ersten Lebensjahren eine intensive gefühlsmäßige Beziehung und Bindung entwickelt hat, wodurch sich ein Kind mit dieser Person identifiziert, also Mädchen mit der Mutter und Buben sich mit dem Vater identifizieren, da Buben und Mädchen sich innerlich mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil als ähnlich oder gar identisch erleben, wodurch auch Einstellungen, Werthaltungen und äußere Verhaltensweisen übernommen werden. Die kognitive Theorie knüpft an die allgemeine Theorie der kognitiven Entwicklung nach Piaget an, wonach sich die geistige Entwicklung des Menschen von innen heraus und in mehreren Stadien vollzieht. Das sich aktiv mit seiner physikalischen und sozialen Umwelt auseinandersetzende Kind erwirbt demnach Wissen und ein immer differenzierteres Urteilsvermögen auch über geschlechtsbezogene Merkmale und Inhalte, die für seine Kultur typisch sind, wodurch ein Kind sich selbst und andere Personen dem weiblichen oder männlichen Geschlecht eindeutig zuzuordnet. Während in der früheren Kindheit diese Zuordnung vor allem durch äußere Merkmale wie Frisur, Kleidung oder Körperbau erfolgt, kommen später Verhaltensweisen, Beschäftigungsvorlieben oder Einstellungen und Haltungen hinzu. In der psychoanalytischen Theorie der Geschlechtsrollenentwicklung ist der anatomische Unterschied zwischen Buben und Mädchen ausschlaggebend. Während Knaben einen Penis besitzen und Mädchen nicht, sodass sie sich als verstümmelt und minderwertig empfinden und das andere Geschlecht deshalb beneiden. Mädchen fühlen sich daher sich zum Vater hingezogen, um ihren kastrierten Zustand zu beenden, während Buben sich zur Mutter hingezogen fühlen und den Vater als Rivalen erleben. Diese auf das andere Geschlecht bezogenen Wünsche spielen sich unbewusst während der ödipalen Phase ab. Zu diesen psychologischen Theorien kommen biologische, kulturelle und soziologische Einflussfaktoren hinzu, die eine zusätzliche Rolle bei der Herausbildung geschlechtstypischen Verhaltens spielen.

 


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