[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Männliche Dummheit bereitet mir größtes Vergnügen,
Gott sei Dank ist das eine schier unerschöpfliche Quelle der Unterhaltung.
Mary Wortley Montagu

Geschlecht und Intelligenz

Frauen Männer

Unterschiede im intelligenten Denken und Gedächtnis

Frauen und Männer mit dem gleichen Intelligenzquotienten aktivieren unterschiedliche Gehirnregionen. Besonders die graue und weiße Gehirnsubstanz sind unterschiedlich verteilt: So verfügen Frauen über zehn Mal mehr weiße Masse als Männer, in den Hirnen letzterer ist hingegen sieben Mal mehr graue Substanz als in jenen von Frauen. Die graue Substanz besteht überwiegend aus den Zellkörpern, die weiße Substanz dagegen aus den Ausläufern der Nervenzellen. Auch räumlich sind die Aktivitätszentren bei den beiden Geschlechtern unterschiedlich verteilt: Frauen aktivieren hauptsächlich den Frontallappen, während Männer neben dem Frontal- auch den Parietallappen beanspruchen. Es gibt also nicht eine einzige neuro-anatomische Grundlage für Intelligenz.
Quelle: science.ORF.at vom25.1.05.

Frauen lösen häufig sprachliche oder Gedächtnisaufgaben besser, Männer sind dagegen im Schnitt bei der Raumvorstellung und bei Rechenaufgaben leicht im Vorteil. Frauen mittleren Alters haben im Durchschnitt ein besseres Erinnerungsvermögen als gleichaltrige Männer, was sich einer Studie mit Frauen und Männern zwischen 45 und 55 Jahren mit verschiedenen Gedächtnistests zeigte. Es zeigte sich nämlich, dass ein Absinken des weiblichen Geschlechtshormons Östradiol (eine Form des Östrogens) bei Frauen nach der Menopause mit schlechteren Testergebnissen beim erstmaligen Erlernen sowie beim Abrufen zuvor gelernter Informationen verbunden ist, doch waren Probandinnen Probanden auch nach der Menopause noch in allen Gedächtnistests überlegen. Vor allem neu Gelerntes konnten sich Frauen mit einem niedrigen Östradiolspiegel schlechter merken, wobei von den hormonellen Veränderungen insbesondere Bereiche in frontalen Regionen des Hirns betroffen sein dürften, die für das Kurzzeitgedächtnis eine wichtige Rolle spielen.
Quelle: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-20819-2016-11-10.html (16-11-11)

Lebensstandard und Bildungsniveau haben Einfluss auf Leistungsunterschiede zwischen Männern und Frauen

Daniela Weber et al. (2014) haben Daten von über 50-jährigen Männern und Frauen aus 13 europäischen Ländern ausgewertet, die an Tests zu Kurzzeitgedächtnis, Alltagsmathematik- und sprachlichen Fähigkeiten teilgenommen hatten. Es zeigte sich, dass unterschiedliche Fähigkeiten zwischen den Geschlechtern mit dem Alter, dem Herkunftsland, den Lebensumständen und den Bildungschancen im Jugendalter zusammenhängen. Wo sich die Bedingungen verbessert hatten, waren die Frauen den Männern in Gedächtnisfunktionen überlegen, während sich der Vorteil der Männer bei der Mathematik verringerte.

In den südlichen Ländern Griechenland, Spanien und Italien lagen beim Kurzzeitgedächtnis vor allem Männer älterer Jahrgänge vorn. In Nordeuropa (Dänemark und Schweden) hatte aber die Frauen aller Jahrgänge die Männer bereits überflügelt, und dieser Abstand hat sich bei den Jüngeren sogar noch vergrössert. In Mitteleuropa (Schweiz, Österreich, Belgien, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Niederlande und Polen) waren bereits Frauen ab dem Jahrgang 1932 im Vorteil. Bei den mathematischen Fähigkeiten schnitten Männer über alle drei Grossregionen besser ab, doch dieser Vorteil verringerte sich, je jünger die Geburtenkohorten werden, doch gab es keinen Trend dahin, dass der Unterschied ganz verschwindet. Hingegen verschwanden die Unterschiede beim Arbeitsgedächtnis und der Antwortgeschwindigkeit, also wenn es etwa galt, in einer Minute möglichst viele Tiere zu nennen. Hatten im Süden die Männer noch die Nase vorn, lagen in Mitteleuropa die Jüngeren schon gleichauf und in Nordeuropa fand sich kein Unterschied.

Die Resultate dieser Metastudie legt nahe, dass Verschiebungen daher rühren, dass Frauen mehr als Männer davon profitieren, wenn sich Lebensstandard und Bildungsniveau verbessern und damit ihre kognitiven Fähigkeiten stärker erhöhen als Männer.

Unterschiede in der Wahrnehmung von Gegenständen

Für eine Studie sollten sich männliche und weibliche Probanden Bilder von Blättern, Eulen, Schmetterlingen, Watvögeln, Pilzen, Autos, Flugzeugen und Motorrädern einprägen. Danach mussten sie diese Bilder unter ähnlichen, aber unbekannten Bildern derselben Kategorien wiedererkennen. Nach dem gleichen Prinzip führten die Forscher anschließend Wiedererkennungstests mit Gesichtern durch, bei denen sich zeigte, dass die besten Autoerkenner und Vogelspezialistinnen gleichzeitig auch die erfolgreichsten Kandidaten bei Wiedererkennungstests von Gesichtern waren. Dies ist nach Ansicht der Wissenschaftler insofern überraschend, da bisher angenommen worden war, dass die Wahrnehmung von Gesichtern anders funktioniert als die von Objekten. Man vermutet hinter den geschlechtsspezifischen Wahrnehmungsfähigkeiten Grundinteressen, in denen sich Männern und Frauen unterscheiden.

Unterschiede im Tastsinn: Frauen haben mehr Fingerspitzengefühl

Frauen haben nach neueren Erkenntnissen mehr Fingerspitzengefühl, da ihre Hände bzw. Finger im Durchschnitt kleiner sind, und je kleiner die Fingerspitze, desto feinere Strukturen können auf einer Oberfläche erkannt werden. Auf den Fingerspitzen gleichaltriger Menschen ist die Zahl der Merkel-Zellen (Nervenzellen, die den Druck wahrnehmen und um die Schweißporen verteilt sind) ähnlich hoch, damit sitzen diese Sensoren auf kleinen Fingern besonders dicht beieinander und liefern dem Gehirn daher mehr detaillierte Eindrücke.

Unterschiede in mathematischen Fähigkeiten?

Eine Reanalyse PISA-Studie von 2003, in der die Ergebnisse von 270.000 SchülerInnen zeigte, dass Mädchen in der Mathematik insgesamt durchschnittlich etwas schlechtere Leistungen erbracht hatten als die Jungen, aber die Resultate spiegelten vor allem den Einfluss kultureller Unterschiede wider: Auf dem letzten Platz landete die Türkei, wo die Mädchen in der Mathematik 22,6 weniger Punkte erreichten, in den skandinavischen Ländern war praktisch kein Unterschied mehr vorhanden, und in Island schnitten die Mädchen sogar um 14,5 Punkte besser ab. Der Vergleich mit Indices zur Chancengleichheit in den verschiedenen Ländern zeigte eine deutliche Korrelation: Je emanzipierter die Frauen in einem Staat, desto besser können die Mädchen rechnen. Eine aktuelle Untersuchung aus den USA von Janet S. Hyde (University of Wisconsin, University of California) verglich die Leistungsdaten von mehr als sieben Millionen SchülerInnen aus zehn verschiedenen US-Staaten. Das Resultat: Mädchen und Jungen sind praktisch gleich gut in Mathematik.

Nicole Else-Quest analysierte 2009 ebenfalls die beinahe 500000 Datensätze der TIMSS- und der Pisa-Studie von 2003 aus 69 Ländern, wobei die Ergebnisse zeigen, dass Mädchen die gleiche Leistung bringen wie Knaben, wenn sie die richtige pädagogische Unterstützung bekommen und sich an weiblichen Vorbildern orientieren können. Männliche Jugendliche bringen zwar in der Regel bessere Leistungen, was aber an den stärkerem Selbstbewusstsein und der Überzeugung, dass Mathematik später für den Beruf wichtig sei, liegt. Unterschiede zwischen den Geschlechtern differierten von Land zu Land erheblich, da die Stellung der Frau in der Gesellschaft und ihr Lebensstandard eine große Rolle spielen. In Ländern, in denen Frauen wichtige Funktionen im Bereich der Wissenschaft übernehmen, zeigen auch Mädchen bessere mathematische Fähigkeiten. Die Analyse von englischsprachigen wissenschaftlichen Arbeiten zwischen 1990 und 2007, in denen mathematische Fähigkeiten von Männern und Frauen verschiedenen Alters, von der Grund- bis zur Oberschule und darüber hinaus, vergleichen worden waren, und die Ergebnisse mehrerer Langzeitstudien ergab, dass die Unterschiede in den Rechenleistungen zwischen den Geschlechtern sehr gering waren. Offensichtlich haben beide Geschlechter annähernd gleiche mathematische Fähigkeiten, doch dringt diese Erkenntnis nur langsam zu LehrerInnen und Eltern durch, denn diese senden unterschwellige Botschaften, welche Leistungen sie von jungen Mädchen oder Buben in welchen Fächern erwarten, was einen ernormen Einfluss auf ihre eigene Meinung von ihren Fähigkeiten hat.

Es ist übrigens ein Vorurteil, dass Schülerinnen in Mathematik ängstlicher und gehemmter sind als ihre Mitschüler, denn in einer Studie mit 700 Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 5 bis 11 mussten die Jugendlichen einen Fragebogen zur Angst vor Mathematikprüfungen ausfüllen. In einem zweiten Teil der Studie wurden sie zur Angst vor dem Mathematikunterricht gemessen, indem sie während des Unterrichts ihr Feedback zur ihrer gegenwärtigen Angst über einen kleinen Handcomputer eingaben. Während der Fragebogenteil zwar frühere Befunde bestätigte, dass Mädchen über stärkere Mathematikangst als Buben äußern, doch in der echten Prüfungs- oder Unterrichtssituation fühlten sie sich jedoch keineswegs ängstlicher als ihre Mitschüler. Der Schluss daraus: Mädchen haben nicht mehr Angst, sondern sie glauben nur, mehr Angst zu haben. Auch geben Mädchen nicht einfach offener ihre Angst zu als Buben, sondern man vermutet, dass die Angst der Mädchen im stärkeren Glauben an Stereotypen wurzelt, d. h., Mädchen vertrauen weniger auf ihre Fähigkeiten als die Buben, unabhängig von ihren tatsächlichen Leistungen, und bewerten deshalb ihre Angst vor dem Fach höher. Das ist vermutlich ein wichtiger Grund dafür, dass Frauen weniger häufig als Männer in mathematikintensive Berufsfelder gehen, sodass Mädchen ganze Berufsfelder auf Grund von ungerechtfertigten Fehleinschätzungen meiden. Lehrerinnen könnten diese selbstabwertenden Einstellungen korrigieren, indem sie ihre Schülerinnen darauf hinweisen, dass sich ihre Leistungen und Ängste nicht von denen ihrer Mitschüler unterschieden (vgl. Goetz et al., 2013).

Literatur

Else-Quest, Nicole M., Hyde, Janet Shibley & Linn, Marcia C. (2010). Cross-national patterns of gender differences in mathematics: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 136, 103-127.

Goetz, T., Bieg, M., Lüdtke, O., Pekrun, R., & Hall, N. C., (2013). Do girls really experience more anxiety in mathematics? Psychological Science.

Weber, D., Skirbekk, V., Freund, I. & Agneta Herlitz, A. (2014). The Changing Face of Cognitive Gender Differences in Europe. Proceedings of the National Academy of Science. PNAS Early edition www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1319538111.


Unterschied beim räumlichen Orientierungsvermögen zwischen den Geschlechtern auch bei Hunden

Müller et al. studierten am Beispiel Hund, ob es bei Säugetieren geschlechtsbedingte Wahrnehmungsunterschiede gibt. Dafür ließen sie in einem Experiment 50 Hunde (je 25 weibliche und 25 männliche) zwischen den Beinen ihres Herrchens Platz nehmen. Während die Hundebesitzer mit verbundenen Augen dasaßen, konnten die Tiere beobachten, wie ein blauer Ball vor ihren Augen dahinrollte, kurz hinter einem Sichtschirm verschwand und jedes zweite Mal gegen einen doppelt so großen ausgetauscht wurde. Männliche Hunde schauten im Durchschnitt 17 Sekunden dem wiederaufgetauchten Ball nach, ganz egal, ob er nun seine Größe änderte oder nicht. Hündinnen hingegen schenkten dem normalen Ball nur etwa 11 Sekunden Aufmerksamkeit, war der Ball doppelt so groß, schauten sie ihm 35 Sekunden nach.
Quelle: Müller, C. A., Mayer, C., Dörrenberg, S., Huber, L. & Range, F. (2011). Female but not male dogs respond to a size constancy violation. Biol Lett 2011 : rsbl.2011.0287v1-rsbl20110287.

Geschlechtsunterschiede in der Gehirngröße bei Singvögeln

Bisher dachte man, dass die Geschlechtsunterschiede beim Gesangsverhalten sich im Gehirn der Tiere widerspiegeln, wobei man dies bei den Arten, bei denen sich auch das Gesangsverhalten stark unterscheide bzw. bei denen nur die Männchen singen, auf Strukturunterschiede im Gehirn von Männchen und Weibchen zurückführte. Bei Untersuchungen zeigte sich aber ein vom sozialen Status abhängiger Geschlechtsunterschied, denn die dominanten Männchen hatten ein fast dreimal so großes Gesangszentrum wie die weiblichen Tiere. Verglichen sie jedoch subdominante Männchen mit Weibchen, die beide denselben Duettgesang singen, so war der männliche Gehirnabschnitt immer noch doppelt so groß wie der weibliche. Die Größenunterschiede kommen hauptsächlich durch eine höhere Anzahl von Nervenzellen in diesen Arealen zustande, wobei sich keinerlei Geschlechtsunterschiede in jener Region feststellen ließ, die beim Gesangslernen eine Rolle spielt.
Quelle: http://www.mpg.de/4337884/gehirngroesse_bei_singvoegeln?filter_order=L (11-06-11)


‹berblick Arbeitsblätter "Geschlechtsunterschiede ;-)"



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