[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Frauen Männer

Frauen lernen schnell und Männer glauben, sie wissen schon alles.

Der Mensch gliedert sich in zwei Teile:
Einen Weiblichen, der nicht denken kann,
und einen Männlichen, der nicht denken will.
Kurt Tucholsky

Frauen geben Fehler leichter zu als Männer. Deshalb sieht es so aus, als machten sie mehr.
Gina Lollobrigida
Ein Mann erwartet von einer Frau, dass sie perfekt ist und dass sie es liebenswert findet, wenn er es nicht ist.
Catherine Zeta-Jones


Literatur

Kasten, H. (2003). Weiblich - Männlich. Geschlechterrollen durchschauen. München: Reinhardt.

Rustemeyer, R. & Thrien, S. (2001). Das Erleben von Geschlechtsrollenkonflikten in geschlechtstypisierten Berufen. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 45, 1, 34-39

 

Geschlechtsunterschiede ;-)

Die angeblich natürlichen, also biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau sind einerseits ein echter Klassiker unter den Stereotypen, andererseits ist es sehr zeitgenössisch, ausführlich die Unterschiede der Gehirne der verschiedenen Geschlechter zu beleuchten. Buchtitel wie "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" werden gerne zu Bestsellern. Es ist sehr in Mode, geschlechtsspezifische Verhaltensunterschiede mit den neurologisch unterschiedlichen Hirnen zu begründen, sehr oft verbunden mit evolutionsbiologischen Argumenten. Frauen sind demnach emotionaler, weil ihr Körper ihnen das diktiert, aus dem gleichen Grund denken Männer stärker abstrakt. Der berühmte Satz von Simone de Beauvoir: "Man wird nicht als Frau geboren, man wird es", gilt vielen nichts mehr. Da ist der Weg wieder kurz zu den Argumenten über den "physiologischen Schwachsinn des Weibes" (Naica-Loebell 2008).

Übrigens sah der Wiener Philosoph Otto Weininger die Welt bzw. den Menschen in zwei eher kurios anmutende Prinzipien aufgeteilt: in W, das des Weibes, das für geile Gier steht, und in M, das des Mannes, das für reinen Geist steht. Wieviel W und M jeder Mensch hat, ist nach Weinender im Geschlecht angelegt, aber nicht festgeschrieben, denn man kann sich hocharbeiten, etwa durch sexuelle Enthaltsamkeit. Allerdings ist dabei für Frauen bei 50 Prozent M Schluss, auf 100 können nur Männer kommen. Er schrieb in "Geschlecht und Charakter" (1903): "Wie kann ich es schließlich den Frauen vorwerfen, daß sie auf den Mann warten? Der Mann will auch nichts anderes als sie. Es gibt keinen Mann, de sich nicht freuen würde, wenn er auf eine Frau sexuelle Wirkung ausübt. Der Haß gegen die Frau ist nichts anderes als Haß gegen die eigene, noch nicht überwundene Sexualität." Oder: "Die Frau ist nur sexuell, der Mann ist auch sexuell."

Mit dieser Einteilung steht er Karl Kraus nahe, aber auch August Strindberg und anderen Zeitgenosse.

Für das menschliche Gehirn ist die Einteilung in männliches und weibliches Gehirn relativ bedeutungslos, denn es gibt zwar Unterschiede, jedoch besitzen die allermeisten Menschen im Gehirn eine Mischung aus männlichen und weiblichen Anteilen. So gibt es Merkmale, die eher bei Männern zu finden sind und solche, die eher bei Frauen zu finden sind, während einige in beiden Geschlechtern vorkommen, sodass Gehirne mit rein männlichen und rein weiblichen Kennzeichen deutlich in der Minderheit sind. In Bezug auf die graue Substanz besitzen etwa nur sechs Prozent der Menschen durchgängig weiblich oder durchgängig männliche Kennzeichen.

Frauen sind weniger suchtgefährdet, begehen seltener Selbstmord, ertragen Schmerzen und Stress besser und bringen in der Schule im Durchschnitt bessere Leistungen als Männer. Nach den Erkenntnissen der Genforschung sind sie auch noch klüger und üben auf Grund des X-Chromosoms, das vor allem für intelligente Leistungen zuständig ist, starken Einfluss auf die Intelligenzentwicklung aus, denn Frauen verfügen über zwei X-Chromosomen, sodass Defekte bei Männern oft schwerwiegendere Auswirkungen haben als bei Frauen. So ist etwa die geistige Minderbegabung bei Männern häufiger als bei Frauen anzutreffen, allerdings findet man unter Männern nach einer Studie an der Universität Edinburgh auch mehr Hochbegabte, denn unter den intelligentesten zwei Prozent der Bevölkerung gibt es doppelt so viele Männer wie Frauen. Allerdings sind die Männer auch in der Gruppe mit geringer Intelligenz besonders stark vertreten. Die Hochintelligenz bei Männern ist für manche Forscher ein wichtigen Bestandteil der menschlichen Evolution, denn mit einer überragenden Intelligenz gelingt es nicht nur, für viele Frauen attraktiver zu sein und mit ihnen Nachkommen zu zeugen, sondern sie ist auch im täglichen Existenzkampf förderlich. Die Entwicklung der Intelligenz der Menschheit ist demnach vorwiegend den Wünschen und Erwartungen der Frauen zu verdanken. Bei der Intelligenzvererbung spielt der Mann ebenfalls eine untergeordnete Rolle, denn ein Vater gibt seine Intelligenz nur an seine Tochter weiter, nicht aber an seinen Sohn. Der Sohn bekommt nur die Intelligenzgene auf dem X-Chromosom von seiner Mutter.

Der Mensch ist mehr als ein Säugetier, aber Säugetier ist er fundamental auch und zu allererst. Es gibt daher ein weibliches und ein männliches Gehirn, denn das Säugetier Mensch existiert in der Regel als Mann und Frau, die sich in vielen Aspekten deutlich voneinander unterscheiden, die vor jeder Sozialisation liegen und es ist durch keine Sozialisation bisher gelungen, diese basalen Unterschiede aufzuheben. Insgesamt betrachtet nutzen Frauen ihr Gehirn anders als Männer, wie viele Untersuchungen zu Wahrnehmung, Orientierung und Koordination zeigen. Das Sehfeld ist bei Frauen größer, Männer sehen dafür schärfer, Frauen können einzelne Finger gezielter bewegen, Männer werfen und fangen dafür besser. Bei der Wegsuche verlassen sich Männer häufiger auf ihre Fähigkeiten, Richtungen und Entfernungen besser abzuschätzen, während sich Frauen an charakteristischen Objekten orientieren. Frauen nutzen ihr Gehirn jedoch nicht so einseitig wie Männer und können deshalb in vielen Bereichen Funktionsstörungen besser kompensieren. Allerdings spiegeln sich in vielen Forschungsergebnissen nicht nur die Erbanlagen sondern auch Umwelteinflüsse. In allen Kulturen und zu allen Zeiten gab es zahlreiche Vorstellungen über die Unterschiede der Geschlechter, wobei lange die Idee von einer natürlichen biologischen Verschiedenheit dominierte, die gesellschaftlich zur Formulierung einer spezifisch weiblichen und männlichen Identität führte. Aktuell werden die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowohl als Ergebnis der Geschichte als auch der Sozialisation interpretiert. Auch wenn es auf Grund der immer wieder postulierten Gleichberechtigung der Geschlechter als progressiv und politisch korrekt gilt, darauf zu bestehen, die beiden Geschlechter seien in ihren kognitiven Fähigkeiten nur minimal verschieden und das auch nur auf Grund unterschiedlicher Erfahrungen während der kindlichen Entwicklung, legt dennoch die Mehrzahl der aktuell vorliegenden wissenschaftlichen Befunde nahe, dass etwa der Feinaufbau des Gehirns schon sehr früh von Sexualhormonen beeinflusst wird, so dass die Umwelt von Geburt an und auch schon davor bei Mädchen und Buben auf schon grundlegend unterschiedlich verschaltete Gehirne einwirkt, sodass es später nahezu unmöglich wird, in der Entwicklung Erfahrungseinflüsse getrennt von der physiologischen Disposition zu erfassen.

Die englische Sprache bietet dabei eine Differenzierung von Geschlecht an: "gender" als soziales und "sex" als biologisches Geschlecht. "Sex" wird durch Anatomie, Physiologie und Hormone determiniert, während "gender" den erworbenen Status bzw. sozial und kulturell geprägte Geschlechtscharaktere meint, die durch Sozialisationsprozesse angeeignet werden. Zunehmend wird das Geschlecht auch nicht mehr nur als körperlicher oder sozialer Zustand sondern als Prozess von Geschlechtsidentität und Geschlechterbeziehungen gesehen. Geschlecht ist demnach keine fixe Rolle, sondern ein gesellschaftliches Konstrukt, ein Produkt sozialen Handelns, das eine soziale Reproduktion von Regeln und Strukturen beinhaltet.

Hinweis zur Bewertung

Auf diese Seiten der Arbeitsblätter werden einige mehr oder minder relevante, manchmal auch amüsante Forschungsergebnisse zur Geschlechtsthematik gesammelt, ohne dabei einen hohen wissenschaftlichen Anspruch zu haben, wenngleich die Quellen der Ausführungen genannt bzw. belegt werden.  Bei vielen Untersuchungen gilt es zu beachten, dass bei Befragungen StudienteilnehmerInnen unter Umständen oft so antworten, wie es den Erwartungen an ihre Geschlechtsrolle entspricht. Bei Beobachtungsstudien weicht in der Regel das Verhalten von Frauen und Männern weit weniger voneinander ab als in Befragungen. Viele Studien zeigen auch, dass sich Frauen und Männer gerne selbst gemäß ihrer vermuteten Geschlechtsrolle darstellen, wobei vor allem Frauen den konventionellen Bildern entsprechen wollen und ihre feminine Seite betonen.


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