Praktische Regeln zur Formulierung von Fragen für Fragebögen |
Einige praktische Regeln zur Frageformulierung von François Höpflinger Siehe auch |
Wortwahl und sprachliche Formulierung |
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Beispiele suggestiver Fragen: "Finden Sie nicht auch, dass eine Prügel als Erziehungsmittel noch niemanden geschadet hat?", "Soll die erfolgreiche Umweltschutzpolitik der Regierung weitergeführt werden oder nicht?", "Eine grosse Mehrheit aller Bürger ist dafür, dass..., Welches ist Ihre Meinung zu ... usw.; Beispiele von politischen Reizwörtern mit suggestiger Wirkung sind etwa: Freiheit, Solidarität, Ruhe und Ordnung u.a. |
Suggestive Formulierungen sind unzulässig. Suggestive Wirkungen werden bei der Frageformulierung dadurch herbeigeführt, dass
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Beispiel für unausgewogene Frage: "Sind Sie mit den Verhältnissen in der Schweiz im allgemeinen zufrieden oder wünschen Sie sich vieles grundlegend anders?" ("vieles grundlegend anders" ist als Kategorie extremer als Kategorie "im allgemeinen". Oder Beispiel aus dem Tages-Anzeiger-Magazin 30/95: 'Wie oft haben Sie das Gefühl, die Politik von National- und Ständerat versage in wichtigen Dingen?' Unausgewogen ist im Grunde auch Fragen wie: Wie oft sehen Sie Fernsehen? u.ä. |
Fragen sollten möglichst neutral formuliert werden, und Fragen sollten ausgewogene Antwortalternativen umfassen. Sofern Antwortvorgaben in die Frage eingebaut sind, sollten die Antwortalternativen gleichermassen positive und negative Vorgaben enthalten. |
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Beispiel einer allgemeinen Frage, die zu nichtssagenden Antworten führt: "Wie ist Ihr Verhältnis zur Demokratie? Sie sind dafür oder dagegen?" Oder: Wie zufrieden bzw. unzufrieden sind Sie mit ihrem Leben? (Lebenszufriedenheit umfasst viele Aspekte, besser: Zufriedenheit mit Gesundheit, mit Arbeit, Partnerschaft, Finanzieller Lage, Wohnsituation gezielt erfassen). |
Eine Frage sollte nicht zu allgemein formuliert sein (schon gar nicht im Stile eines Allgemeinplatzes). Sie muss noch so spezifisch und konkret formuliert sein, dass sie in den Befragten eine eindeutige Zieldimension anspricht. Geschieht dies nicht, dann wird eine Ja-Sage-Tendenz erweckt. Konkrete Fragen sind meist besser als allgemeine Fragen. Dies gilt sowohl für Faktfragen als auch für Einstellungen. |
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Beispiel von Überforderung: "Wieviele Prozent Ihres Haushaltseinkommens geben Sie durchschnittlich aus für...?", "Wie wird sich Ihrer Ansicht nach das neue Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb auswirken? |
Oberstes Gebot der Frageformulierung ist das Prinzip der Einfachheit. Fragen sollten möglichst einfach und verständlich sein. Dies bedeutet:
Zu vermeiden sind: Fremdwörter, Fachausdrücke, komplizierte Sätze und Wendungen (wie z.B. doppelte Verneinungen) usw. Befragte sind meist keine "Intellektuelle". Gerade abstrakte Oberbegriffe werden von Befragten fast ausnahmslos unterschiedlich aufgefasst. Befragte werden selten zugeben, dass sie eine Frage nicht verstanden haben, sondern sie werden einfach so antworten, wie sie die Frage verstanden haben (z.B. im Sinne sozialer Erwünschtheit, Ja-Sage-Tendenz usw). Fragen sollten umgangssprachlich formuliert werden. Verständlichkeit ist wichtiger als grammatikalische Richtigkeit. In der Schweiz kann es sinnvoll sein, Fragen an die Dialektsprache anzunähern bzw. Helvetismen zu benützen. |
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Beispiel: Sind Sie für oder gegen den Bau von Atomkraftwerken zur Verbesserung der Elektrizitätsversorgung der Schweiz?" Hier werden zwei Fragen: Atomkraftwerke, Elektrizitätsversorgung "gemischt". Zudem wird hier ein Zusammenhang zwischen beiden Aspekten suggeriert. |
Fragen sollten eindeutig sein. Mehrdeutige Begriffe und unklare Formulierungen sind zu vermeiden, und vor allem soll jede Frage nur einen Sachverhalt/Einstellungsaspekt erfassen (vermeiden von "double-barreled"-Fragen). Ungewohnte und/oder mehrdeutige Begriffe sind ebenfalls zu vermeiden. Beispiel: Sind Sie dafür oder dagegen, dass der Konsum von Suchtmitteln verboten ist? Problem: Begriff "Suchtmittel" ist a) zu allgemein, und b) wenig gebräuchlich). Besser ist ein gezieltes Fragen danach, welche konkreten Suchtmittel (Tabak, Heroin, Haschisch) verboten sein sollen oder nicht). Allerdings gilt, dass viele Alltagsbegriffe mehrdeutig und unscharf definiert sind. Die Frage "Wie oft bzw. selten sind Sie allein?" kann sich beziehen a) auf das Alleinsein als Fakt, oder b) auf Alleinsein als Gefühl von Einsamkeit, Verlassenheit. Auch die Frage nach der Zahl an Personen im Haushalt kann unterschiedlich gesehen werden (z.B. werden einige Leute, nur diejenigen Personen nennen, die gerade jetzt hier leben, andere Befragte werden auch ein zeitweise auswärts wohnendes Kind einbeziehen). Der Begriff "Einkommen" kann sich beziehen auf Erwerbseinkommen, Haushaltseinkommen, Brutto- bzw. Nettoeinkommen usw. Auch eine Spezifikation der Frage wird solche Unklarheiten/ Definitions-Unschärfen nicht lösen. |
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Die Beantwortung von Fragen zu Einstellungen und Bewertungen wird durch die genaue Wortwahl stark beeinflusst, und dies gilt vor allem für Fragen, welche für die Befragten nicht wichtig sind oder wo keine klaren und festen Meinungen bestehen. |
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Wahl der Antwortvorgaben
Es empfiehlt sich, schon bei der Planung einer empirischen Untersuchung, die notwendigen statistischen Auswertungen vorzubereiten: Siehe dazu |
Wird bei einer Testbefragung festgestellt, dass bei Verwendung des Antwortschemas "stimme stark"... "lehne stark ab" viele Befragte in die linke oder rechte äussere Kategorie fallen, dann sollte man versuchen, noch eine weitere äussere Kategorie zu verwenden (wie "stimme extrem zu" bzw. "lehne extrem ab". Generell ist bei sozialwissenschaftlichen Studien darauf zu achten, dass die Antwortvarianz (bei Einstellungen oder Skalen) hoch ist. Fragen, bei denen fast alle Antworten in eine Antwortkategorie fallen, sind nicht weiter auswertbar. Wenn von Befragten nicht eine unmittelbar quantitative Antwort zu erwarten ist, dann sollte man quantitative Fragen "geschlossen" (mit vorgegebenen Antwortkategorien) formulieren. Vor allem bei schriftlichen Fragebogen sollte aus Vergleichsgründen primär mit vorgegebenen Antwortkategorien gearbeitet werden. Damit wird die Perspektive, in der eine Antwort erwartet wird, klar gemacht. Die Feinheit, mit der wir messen wollen, muss mit dem Differenzierungsvermögen von Befragten korrespondieren. Speziell bei Fragen nach Häufigkeiten ausgewählter Tätigkeiten oder bei komplexen Sachverhalten ergeben sich oftmals enge Grenzen im Differenzierungsgrad. Die Frage "Wie viele Minuten pro Woche lesen Sie?" kann nicht gestellt werden. Ebensowenig wissen die meisten Leute über ihre Wohnungsgrösse in Quadratmeter Bescheid. |
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Beispiel: Interne Vorgabe: "Sind Sie dafür oder dagegen, dass die Schweiz der Europäischen Union beitritt? Externe Vorgabe: "Wie ist Ihre Haltung zu einem Beitritt der Schweiz zur Europäischen Union?" a) bin stark dafür, b)bin eher dafür, c) bin weder dafür noch dagegen, d) bin eher dagegen, e) bin stark dagegen. |
Eine interne Antwortvorgabe ist nur zulässig, wenn sie aus zwei oder drei leicht merkbaren Alternativen besteht. Sind mehr Alternativen vorhanden, oder bestehen die Alternativen aus relativ komplexen Formulierungen, dann müssen sie extern vorgegeben werden. Bei Telefon-Interviews sind primär interne Antwortvorgaben zu verwenden. |
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Beispiel: "Wie häufig bzw. selten gehen Sie ins Kino?" Ohne Zeitraum ist diese Frage sinnlos. Bedingt richtig: "In den letzten zwei Wochen, wie oft gingen Sie ins Kino?" (=inhaltlich unausgewogen). Am besten: "In den letzten zwei Wochen, wie viele Mal gingen Sie ins Kino? (nie, einmal, zweimal, ...). Falsch: Seit wann studieren Sie? Besser: In welchem Jahr begannen Sie mit Ihrem Studium? (plus Zusatzfrage: Haben Sie Ihr Studium unterbrochen oder nicht? Wenn ja, nachfragen: Wann und wie lange?). |
Ein elementarer Fehler liegt vor, wenn Fragen nach Häufigkeit, Dauer oder Grösse und ähnlichem gestellt werden, ohne dass die Einheiten angegeben werden, in denen die Antworten erfolgen soll. |
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Beispiel: Falsch ist "Glauben Sie, dass Sie durch Ihr Studium auf Ihren Beruf gut vorbereitet sind? Richtig ist: "Glauben Sie, dass Sie durch Ihr Studium auf ihren späteren Beruf gut, weniger gut, oder schlecht vorbereitet sind?" |
Es ist unzulässig, eine (oder mehrere) Antwortalternativen nur implizit intern vorzugeben. Die explizit genannten Alternativen werden favorisiert und die nicht genannten Alternativen werden vernachlässigt. |
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Die Zahl der (externen) vorgegebenen Antwortalternativen muss für den Befragten gut überschaubar sein. Werden die Antwortmöglichkeiten vom Interviewer vorgelesen, muss sich der Befragte, wenn er die letzte Antwortmöglichkeit hört, noch an die erste Möglichkeit erinnern. Sonst wird die zuletzt gehörte Antwortvorgabe bevorzugt. Bei grösserer Zahl von Antwortvorgaben oder komplexen Antwortvorgaben empfehlen sich schriftliche Listen oder Karten. Bei telefonischen Umfragen sind Fragen mit mehreren Antwortalternativen in mehrere Fragen aufzulösen. |
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Rangreihen-Effekte |
Je länger und je komplizierter die Antwortvorgaben, desto grösser der Einfluss ihrer Reihenfolge. Dies gilt z.B. auch bei Listen von Antwortvorgaben. Rangreihen-Effekte können durch Verwendung von Kartenspielen oder durch das "Drehen" von Listen vermieden werden. Bei computerunterstützten Befragungen kann die Reihenfolge etwa von Items durch Zufallsparameter variiert werden. Die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten müssen erschöpfend sein (d.h. sie müssten alle relevanten Möglichkeiten enthalten). Ist eine erschöpfende Aufzählung der Antwortalternativen nicht möglich, sollte eine Kategorie "sonstige", "anderes" vorgesehen werden. Dies gilt vor allem bei Faktfragen. |
Fragetendenzen
Beispiel: Falsch ist: sehr gut, gut, weder noch, schlecht. Richtig: sehr gut, gut, weder noch, schlecht, sehr schlecht. |
Werden mehrere Antwortmöglichkeiten angeboten, dann sollte die Zahl der Antwortmöglichkeiten "rechts" und "links" von der Mittelposition gleich sein, weil von einer Ueberzahl von Kategorien auf einer Seite suggestige Wirkungen ausgehen. Der Befragte bevorzugt die Seite, die mit mehr Antwortmöglichkeiten vertreten ist. Zu beachten ist, dass positive Antwortalternativen häufig negativen Antwortalternativen vorgezogen wird (Tendenz zu "Ja-Antworten"). Speziell bei Fragebatterien müssen deshalb negative und positive Aussagen "gemischt" werden. Auch keine Antwort ist eine Antwort, und Meinungslosigkeit ist eine sozial wichtige Dimension. Zu den Antwortvorgaben gehört oft auch die Vorgabe "keine Meinung", bzw. "unsicher", "ist mir egal", oder "weder noch". |
Soziale Wünschbarkeit
Beispiele: Skalen zur Erfassung depressiver Stimmung, neurotizierender Persönlichkeitsmerkmale, Skalen zur Erfassung von Fremdenfeindlichkeit, Suchtgefährdung |
Wenn Faktoren der sozialen Wünschbarkeit oder fehlender Vorverbalisierung bei direkter Frage zu bedeutsamen Verzerrungen führen, kann es sinnvoll sein, indirekte Fragen zu stellen, unter Umständen so, dass den befragten Personen die eigentliche Zieldimension unbekannt bleibt. Da oft nicht klar ist, ob soziale Wünschbarkeit und/oder fehlende Verbalisierung zur indirekten Frageformulierung zwinge oder nicht, werden teilweise, um alle Eventualitäten zu berücksichtigen, zu wichtigen Zieldimensionen (namentlich Einstellungsdimensionen) direkte und - im Fragebogen an anderer Stelle - indirekte Fragen gestellt. |
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Kleine Checkliste zur Vermeidung häufiger FehlerQuelle: WWW: http://www.hausarbeiten.de/
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Ist die Frage nötig? Wozu dient sie? Verlangt der betreffende Punkt überhaupt eine gesonderte Frage oder kann man diese nicht in eine andere einschließen? Sind mehrere Fragen zum jeweiligen Gegenstand notwendig? Deckt die Frage das beabsichtigte Gebiet ausreichend ab? Ist zusätzliches Material nötig, um die Frage zu erklären? Ist bei Meinungsfragen zusätzlich Information über die Intensität des Gefühls beim Befragten notwendig? Sind die Versuchspersonen überhaupt hinreichend informiert, um die Fragen beantworten zu können? Sind Alternativfragen zu dem betreffenden Gegenstand erforderlich, damit man den verschiedenen Klassen von Befragten gerecht wird? Ist der Frageinhalt allgemein genug und nicht zu spezifisch? Ist der Inhalt der Frage einseitig oder in einer Richtung verzerrt? Kann eine Frage besser in direkter oder indirekter Form gestellt werden? Wird der Befragte die Information geben, nach der er gefragt ist? Kann die Frage missverstanden werden? Ist sie schwierig oder unklar ausgedrückt? Sind die Sätze kurz und einfach? Ist alles klar oder sind die Fragen zu vage formuliert? „Welche Art von Kopfwehmittel nehmen Sie gewöhnlich?“ Dies ist zweideutig da „Art“ für manche eine Marke bedeutet für andere aber der Unterschied zwischen Pulver und Tablette bedeutet. Ein anderes Beispiel ist auch: „Benutzen Sie gewöhnlich festes Make-Up?“ „Jeden Tag?“ „Wenn Sie eines benutzen, benutzen Sie irgendeines oder ein spezielles?“ Lange und schwierige Sätze werden oft missverstanden. Ist die Frage irreführend, weil nichts Festes behauptet wird? Ist die Formulierung verzerrend? Ist sie mit Emotionen befrachtet oder neigt sie dazu, eine besondere Art von Antwort zu erzeugen? |
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Siehe auch: |
Quellen: |
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