[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Qualitätsmanagement und Evaluation sind kein Feedback

In den verschiedenen Instrumentarien und Methoden zum Qualitätsmanagement bzw. zur Evaluation werden unterschiedliche Interessen mehr oder minder miteinander vermischt - von der Temperatur im Seminarraum, bis zum ungünstigen Termin im Studienplan bis hin zur Genderthematik. Die Interessen beim Qualitätsmanagement sind in der Regel auf dem Papier klar doch in der Umsetzung unklar bzw. nicht realisierbar. Evaluation, wie sie an den meisten Universitäten betrieben wird, ist weitgehend losgelöst vom Kontext der Lehre.

"Rückmeldungen" aus solchen qualitätssichernden Maßnahmen verletzen Vieles, das von einem für die Verbesserung der Lehre geeigneten Feedback zu fordern ist. Die in den Präambeln zum Qualitätsmanagement genannten Ziele etwa in Hinblick auf die Verbesserung der Lehre für die Studierenden sind mehr oder minder Ausdruck von Marketinginteressen und nach außen gerichtet, weniger auf die Strukturen innerhalb der Universität.

Solche Evaluationen schaffen teilweise erst die Wirklichkeit, die sie zu messen vorgeben, denn Evaluationen sind beileibe keine neutralen Instrumente, sondern üben durch ihre Strukturierung, insbesondere durch die Kriterien, die sie zum Einsatz bringen, einen starken Einfluss auf das System aus, auf das sie angewendet werden.

Wenn man die aktuellen Bemühungen um die Evaluation der universitären Lehre betrachtet, kann man fast den Eindruck gewinnen, dass bis vor Kurzem die Universitäten nicht nur eine miserable Lehrqualität aufgewiesen haben, sondern dass auch ihre Konkurrenzfähigkeit international bemitleidenswert ist. Das ist offensichtlicher Unsinn und wäre nicht weiter diskutierenswert, wenn damit nicht indirekt auch die grundsätzliche Funktion von Universität in Frage gestellt würde, etwa im Zusammenhang mit einer Umfunktionierung zu einer bloß weiterführenden Schul- oder Berufsausbildung im Dienste der diese Prozesse vorantreibenden Wirtschaft. Die langsam sich durchsetzende betriebswirtschaftliche Ausrichtung des universitären Managements setzt unter dem Deckmantel der employability immer mehr auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Ausbildung, macht letztlich die Universitäten von fluktuierenden Märkten abhängig und funktioniert die Studierenden in Produkte für Abnehmer aus der Wirtschaft um.

In der Regel scheitert man im Vorfeld schon daran zu definieren, was denn gute Lehre überhaupt ist, geschweige denn, diese Qualität einigermaßen zu operationalisieren - vermutlich braucht man für jede Interessensgruppe in der Universität eine eigene Definition. Abgesehen davon, sind Reliabilität und Validität der verschiedenen Instrumentarien ohnehin fragwürdig, vor allem in Hinblick darauf, welche "Konsequenzen" aus den gewonnenen Daten abgeleitet werden sollen - Entlassungen auf Grund schlechter Ergebnisse in Kurzfragebögen … Da sei die Gewerkschaft vor!

Dass Qualitätsmanagement bzw. Evaluation in der "flächendeckenden" Form nicht wirklich funktioniert, belegt die verräterische Frage, die nach kurzer Zeit überall gestellt wird: Wie kann man die Beteiligung der Studierenden an Rückmeldungen erhöhen?

In der Regel weiß man ohnehin an einer Universität, wer ein eher schlechter Lehrender ist - dazu braucht man keinen Fragebogen. In den meisten Fällen holt man sich mit solchen Umfragen zwar eine Bestätigung, allerdings können aus den Ergebnissen keine konkreten Maßnahmen abgeleitet werden, die man nicht auch ohne diesen empirischen Aufwand hätte ergreifen können. Etwa verpflichtende didaktische Schulungen für neue Lehrende oder Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für schon Lehrende.

Meist bleibt von der Evaluation ein Berg Daten oder ein Stapel Papier, der abgelegt werden muss.

Schließlich heißt es dann meist: "Evaluationen sollen nicht urteilen, strafen und belohnen, sondern ein kritisches Begleiten von Forschung und Lehre sein." Eine teure Begleitung, wenn man sich den allerorts betriebenen Aufwand vor Augen hält.

Kleine persönliche Anmerkung: Nach den klassischen Kriterien der Testkonstruktion - also Objektivität, Reliabilität, Validität - sind praktisch alle praktikablen Instrumente mehr oder minder ungeeignet, die in den Präambeln genannten Ziele zu erreichen. Gute Evaluation nach wissenschaftlichen Standards ist teuer!

Doch die gute Botschaft ist

die gute Nachricht: Feedback ist billig!

Denn zunächst ist zu fragen:

Was ist Feedback? Feedback für wen? Feedback für welchen Zweck?



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Literatur zum Thema Feedback





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