[werner.stangl]s arbeitsblätter 

Hochsensibilität

depression

[Foto: Werner Stangl, 2009]

Etwa 15 bis 20 Prozent aller Menschen sind hochsensibel, also besonders feinfühlig, besitzen eine erhöhte Empfänglichkeit sowohl für äußere als auch für innere Reize. Dadurch nehmen hochsensible Menschen mehr Informationen auf als ihre Mitmenschen, dennoch werden Hochsensible oft als schüchtern stigmatisiert. Durch diese ungewöhnliche Charaktereigenschaft sind sie aber auch verletzlicher als andere, geraten schneller in Stress und kämpfen häufig mit Selbstzweifeln.

Elaine N. Aron gilt als eine Pionierin auf dem Gebiet der Hochsensibilität und arbeitet seit vielen Jahren vor allem an Fragestellungen der Beziehungspsychologie. In den Neunzigerjahren veröffentlichte sie einen Artikel zur Thematik der Hochempfindsamkeit und prägte den Begriff "Highly Sensitive Person" und machte mit ihrem Buch "The Highly Sensitive Person - How to Thrive When the World Overwhelms You" das Thema einem grösseren Publikum bekannt. In den meisten Fällen soll dieses Merkmal vererbt worden sein, etwa genauso männliche wie weibliche Individuen besitzen es, und beschreiben es eher als ein Gefühl des Makels und unverstandenen Andersseins in der Gesellschaft denn als positive Eigenschaft.

Für den Umgang mit Hochsensibilität hat Rolf Sellin Methoden und Techniken entwickelt, die vor allem darauf beruhen, dass die besondere Wahrnehmungsfähigkeit von hochsensiblen Menschen gleichzeitig als Gabe und als Schwachstelle zu betrachten ist. Wie Menschen mit hoher Sensibilität intensiver leiden, so können sie auch besonders intensiv Freude und Glück empfinden, also inneren Reichtum erleben. Hochsensible Menschen nehmen nach Ansicht Rolf Sellins mehr von dem auf, was andere sagen, denken und was von ihnen erwartet wird, d.h., sie spüren die Einstellungen der anderen intensiver, ihre Urteile, Abwertungen und Ablehnungen. Dieses feine Gespür wirkt sich bei vielen Betroffenen im Alltag keineswegs hilfreich aus, denn viele Betroffene prägen ihre eigene Persönlichkeit nicht aus, weil sie sich im Laufe der Zeit auf Grund ihrer Sensibilität zu Meistern der Anpassung entwickelt haben.

Hochsensible haben sich meist schon als Kinder so in die Welt ihres Gegenübers einfühlen können, dass sie die Welt gleichsam mit dessen Augen wahrnahmen, wobei deren eigene Urteilskraft und Empfinden allmählich verloren ging. Manche nehmen nicht einmal ihren eigenen Körper wahr und der Zugang zu den eigenen Bedürfnissen ist gestört bzw. der eigene Körper wird nur noch wahrgenommen, wenn er stört. Da die Betroffenen so intensiv mit anderen mitfühlen, überschreiten sie oft ihre eigene Belastungsfähigkeit und dann und wann „explodiert“ der sonst so verständnisvoll erscheinende Mensch und ruft dadurch bei seiner Umwelt Überraschung wenn nicht Entsetzen hervor.

Um diese Gabe positiv nutzen zu können, ist laut Sellin wichtig, dass Menschen, die so intensiv empfinden, lernen, sich selbst wieder wahrzunehmen, und versuchen, ihre Gefühlswelt zu steuern. Der aktive Umgang mit der Wahrnehmung entscheidet nämlich darüber, ob sie sich von den Reizen überwältigen lassen oder ob sie den Überblick behalten, was oft nur mit professioneller Hilfe gelingt. Rolf Sellin hat einen kleinen Selbsttest zur Überprüfung von Hochsensibilität ausgearbeitet:

Ein vergleichbarer Test zur Hochsensibilität mit ähnlichen Fragen findet sich auf der Seite des HSP-Instituts:

Wenn man mehr als neun Aussagen mit einem Ja beantwortet, dann dürfte man hochsensibel sein, außer man befindet sich momentan in einer ganz außerordentlichen Belastungssituation, denn dann können auch andere Menschen wie Hochsensible reagieren. Man kann sich auch die Frage nach der Vergangenheit stellen: Wie war es damals in der Kindheit? Erhältst man dann ein ähnliches Ergebnis mit mehr als neun Ja-Antworten, dann ist das eine Bestätigung des Testergebnisses.

Das psychologische Konzept der Hochsensibilität kann inhaltlich und auch definitorisch diametral zum Konzept der Alexithymie - Gefühlsblindheit betrachtet werden.

Quelle: Unter Verwendung eines Artikels aus den OÖN vom 22.August 2011

 



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