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Computerspiele machen aggressiv

Nach Untersuchungen von Rita Steckel und Clemens Trudewind (Universität Bochum) hat sich gezeigt, dass Jugendliche Gewalttaten zumindest zum Teil nach Mustern von gewalthaltigen Video- und Computerspielen inszenieren. Zwar bestreiten die Hersteller von gewalthaltigen Computerspielen vehement einen die Persönlichkeit verändernden Einfluss ihrer Produkte, denn die meisten befragten NutzerInnen versichern glaubhaft, dass dies nicht der Fall sei ,und dass sie zwischen Fiktion und Realität sehr wohl unterscheiden könnten. Allerdings beweisen die wenigen experimentellen Studien eindeutig, dass der Umgang mit Gewalt in Computerspielen das Aggressionsverhalten, die aggressiven Gedanken und Gefühle bei Kindern und jungen Erwachsenen massiv beeinflusst.

Der Psychologe Hans Markowitsch erklärte in einem Interview, wie Gewaltspiele auf das Gehirn wirken: "Der Mensch ist ein 'Imitationstier'. Wir besitzen viele Spiegelneurone, die uns zur Imitation befähigen, wir sind von Kindheit an auf Zuschauen und Nachahmen geprägt. Fehlt eine zureichende kognitive Kontrolle, so agiert das emotionale System im Gehirn zunehmend frei. Hemmungen werden abgebaut und irgendwann wird – frustrationsbedingt – der Entschluss, motorisch aktiv werden zu müssen, also zu handeln, zu agieren, übermächtig und wenn dann geeignete Hilfsmittel, wie eben Feuerwaffen, zur Hand sind, kann der Drang, einmal im Leben stark zu sein und andere niederzwingen zu können, übermächtig werden und zu einem Amok-Akt führen. Es ist wie ein Rauschzustand, in den sich die Person hineinsteigert und nur nach Ausbruch und Aktion schreit. An langfristige Konsequenzen wird nicht gedacht. Der Mensch fällt in den Zustand eines weidwund geschossenen Tieres zurück." Er weist auf ein interessantes Phänomen der gegenwärtigen Gesellschaft hin, die "zunehmend eine 'weibliche' wird. Sprachfertigkeiten, soziale Kompetenz werden zunehmend wichtig und umgekehrt jedwede Tendenzen zum körperlichen Ausagieren negativ bewertet – von sportlichen Aktivitäten abgesehen. Dies bedeutet aber gerade für Jungs, dass sie immer nur mit ansehen müssen, wie die Filmhelden von James Bond, Rambo bis Terminator körperliche und Waffengewalt ausleben können, sie aber in der Zuschauerrolle verharren müssen. Dadurch entsteht Frustration und Computerspiele werden ein Medium, Ersatzhandlungen vornehmen zu können. Für einige Jugendliche bricht dann bei starker und lang anhaltender Frustration der Damm und sie wollen in der Realität zeigen, dass sie auch jemand sind und Macht haben. Dies geht aber nur dann, wenn neben dem Joystick die echte Pistole im Elternzimmer greifbar ist. Deswegen kommt – neben allen psychologischen Ursachen – der Verfügbarkeit von Waffen immer eine große Rolle zu".

Bei einer Untersuchung von 280 Kindern und Jugendlichen, bei denen auch Eltern und Erziehern mit einbezogen worden waren, konnte herausgearbeitet werden, dass die oft gehörte Erklärung durch "Imitationslernen" viel zu kurz greift. Denn danach wird argumentiert, dass Millionen anderer Jugendlicher nach Computerspiele nicht zu Gewalttätern und Mördern werden. Steckel und Trudewind legten ihrer Untersuchung die Motivationstheorie von Kornad zu Grunde, wonach aggressives Verhalten aus dem Zusammenwirken von Situationen und in der Person begründeten Faktoren resultiert, dem "Motivationssystem der Aggression". Dieses System besteht im wesentlichen aus zwei Hauptkomponenten: der Tendenz zur Aggression und der Tendenz zur Aggressionshemmung.

Die Tendenz zur Aggression wird durch die unzähligen Stimuli eines Computerspiels aktiviert, indem sie die Aggressionslust fördern und die Gewaltausübung belohnen. Gewaltanwendungen sind aber dann erst möglich, wenn die Aggressionshemmung versagt. Sie beruht auf Normen und Werthaltungen sowie auf gefühlsbetonten Mitleidsreaktionen. Die Gefahr von Spielen liegt nun darin, dass die von Eltern und sozialem Umfeld vermittelten Normen und Werte an Verbindlichkeiten verlieren, sodass bei häufigem Spielen die Fähigkeit zum Mitleid vor allem langfristig reduziert wird. Dem Kind bleibt etwa beim fiktiven Erschiessen von möglichst vielen Gegnern keine Zeit für Mitgefühl, da es stets dafür belohnt wird, dass es andere verletzt und vernichtet. Dadurch kommt es zum Dammbruch in der Aggressionshemmung und das daraus resultierende Ungleichgewicht macht Kinder erst in der Folge aggressiv. Vermutlich werden sich die Auswirkungen erst in den nächsten Jahrzehnten zeigen, da die Computerspielgeneration erst allmählich die Mehrheit in der Gesellschaft bildet.

Dennoch verlieren nicht alle Kinder ihre Hemmschwelle, denn manche Kinder schätzen aggressive Spiele mit der Zeit umso weniger, je mehr sich Eltern um das Computerspielen kümmern und um so sicherer die Bindung zwischen Kind und Eltern ist. Danach werden die Auswirkungen aggressiver Spiele moderiert und reduziert.

Untersuchungen an Kindern und Jugendlichen haben ergeben, dass der Umgang mit Gewalt in Computerspielen das Aggressionsverhalten sowie aggressive Gedanken und Gefühle beeinflusst.

Quelle: Interview mit Hans Markowitsch: http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/psychologie/killerspiele-moerderische-nachahmung_aid_379739.html (-9-03-13)

Gewaltvideos: Happy Slapping

In "Happy Slapping"-Videos ("fröhliches Schlagen") werden Raufereien, Mord oder sogar Vergewaltigungen gezeigt. Bei einem Workshop an einer oberösterreichischen Schule hatten etwa drei Viertel der Teilnehmer solche Aufnahmen schon gesehen oder besessen. Gekannt haben die Schüler vor allem Schlägereien; die aus internationalen Studien bekannten grausamen Aufnahmen von realen Kriegsszenen, in denen Menschen getötet werden, sind derzeit in Österreich jedoch noch wenig verbreitet. Das Zeigen von brutalen Aufnahmen ist dabei vorwiegend ein Männer-Thema, denn während männliche Jugendliche eher amüsiert sind, reagieren Mädchen meist betroffen. Bei den Reaktionen gab es aber keinen Unterschied zwischen "normalen" und verhaltensauffälligen Jugendlichen, denn beide kennen "Happy Slapping"-Videos. Interessanterweise kursieren sie vor allem in der "normalen" Gruppe, in der reale Gewalt kein alltägliches Thema ist, während bei Jugendlichen aus einem gewalttätigen Umfeld die Verbreitung eher unüblich ist.

Quelle: APA


23. Juni 1854

KINDESMISSHANDLUNG IN HERNALS

Gestern fand bei dem hierortigen k. k. Landesgerichte das Schlußverfahren gegen die des Mordes an ihrem 8 Jahre alten Sohne Jacob angeklagte Seilermeistersgattin Anna St., in Hernals Nr. 256 wohnend, statt. Anna St. hatte vor ihrer Verehelichung diesen Sohn von ihrem gegenwärtigen Gatten bekommen und ihn in die Kost gegeben. In ihrer Ehe bekam sie noch 2 Kinder. Vor drei Jahren nahm sie den damals 5jähigen Jacob nach Hause, hatte jedoch bereits ohne Ursache einen solchen Haß gegen das arme Kind gefaßt, daß sie es auf alle erdenkliche Art marterte.

Sie schlug den Kleinen aus allen Kräften in blinder Wuth mit allem was ihr in die Hand gerieth, und selten ging ein Nachbar vorüber, ohne das jammervolle Klagen und Bitten des gemarterten Kindes zu hören. Je schwächer der Knabe wurde, desto heftiger schlug ihn die Mutter. Den 29. und 30. October 1853 schlug sie endlich das Kind so arg, daß es am letzteren Tage wie todt zusammenstürzte, sich steif streckte und Fraisenanfälle bekam. Der herbeigeholte Arzt erklärte sogleich, das Kind sei verloren und das könne nur die Folge erlittener Mißhandlungen sein. Der Arzt wollte dem sterbenden Knaben noch einen lindernden Saft verschreiben, doch die herzlose Mutter erwiederte: "Wenn ihn nichts mehr retten kann, braucht er auch den Saft nicht."

Der ärztliche Befund stellte heraus, dass der Knabe am Kopf 10 eiternde Wunden hatte, wovon mehrere lebensgefährlich waren, wodurch Kopfbrand und Extravasate im Gehirn entstanden, ferner 16 Verwundungen im Gesicht und 50 durch Schläge und Stöße entstandene Wunden am Körper.

Anna St. wurde wegen vollbrachtem Todtschlag an ihrem Kinde zu zwölfjährigem schwerem Kerker verurtheilt, ihr Ehegatte wegen des Vergehens der Nichtverhinderung des Verbrechens zu dreimonatlichem Arrest in Eisen.

Quelle: Die Presse vom 20.6.2004


-> Literatur zu Aggression in den Medien

Entstanden unter Verwendung von:
http://bidok.uibk.ac.at/texte/aggressionen-3.html (02-07-29)
http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/soi/12337.html (02-10-07)
http://www.stangl-taller.at/TESTEXPERIMENT/experimentbspaggression.html (01-07-07)
Kunczik, Michael & Zipfel, Astrid (o.J.). Wirkungen von Gewaltdarstellungen.
WWW: http://www.medienpaedagogik-online.de/mf/4/00677/ (05-11-21)



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