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Das analoge Schließen - Regelsysteme

Regelsysteme als Grundlage des Denkens, das über Dinge und Erwartungen kanalisiert wird

Im Wasserumfüllproblem von Luchins (1942) waren Testpersonen gebeten, eine bestimmte Menge Wasser abzufüllen. Sie hatten 3 Krüge verschiedenen Inhaltes zur Verfügung, um durch Kombination von Addition und Subtraktion der Inhalte eine bestimmte Litermenge abzumessen. Einmal eine bestimmte Lösungsformel gefunden, die sich scheinbar für alle Aufgaben anwenden ließ, zeigten die Versuchspersonen keine Tendenz, einfachere Lösungen anzuwenden, wenn diese möglich waren. Ihr Denken war völlig in der gefundenen Strategie verhaftet. Luchins spricht von einer "Mechanisierung des Geistes".

Folgt man der Scheinwerfertheorie des Denkens, so basiert ein kognitiver Prozess auf dem Aneinanderreihen von Vermutungen und Bestätigungen innerhalb eines internen Hypothesengerüstes. Ein Regelsystem eignet sich für die Implementierung, weil der Aktionsteil der einen Regel den Kontext für den Bedingungsteil der nachfolgenden Regel zur Verfügung stellen und damit Hypothesen aneinanderketten kann.

Es sei hier an den Versuch zum Wasserumfüllproblem erinnert, bei dem das Erkennen des Kontextes (Assimilation) eine bestimmte Handlungssequenz aufruft. Während des Ablaufes einer Sequenz werden (wie bei der bekannten Eierrückholaktion der Graugans, obwohl das Ei längst entfernt wurde) all jene Umweltereignisse vernachlässigt, die nicht zur Bestätigung der Richtigkeit der aktuellen Sequenz notwendig sind. Duncker (1935) verlangte etwa von Versuchspersonen eine Kerze an einer Tür zu befestigen. Zur Verfügung standen Streichhölzer und eine Schachtel gefüllt mit Reißnägeln. Da die Versuchspersonen die Schachtel bloß als Behälter betrachteten, kam ihnen nicht in den Sinn, sie auszuleeren und mit Hilfe der Reißnägel an die Tür zu heften, um so als Fundament für die Kerze zu dienen. Generell gesagt, scheint unser Denken über Dinge kanalisiert zu sein

Die Kanalisierung der Kognition zieht sich bis in den Bereich wissenschaftlichen Denkens. Ein Beispiel hierfür liefert die Entstehungsgeschichte der keplerschen Gesetze. Trotz ihrer verhältnismäßigen Einfachheit und der bereits zu Johannes Keplers Zeiten ausreichend exakten Himmelsvermessung, benötigte er drei Jahrzehnte, um diese Gesetze aufzufinden. Er war getrieben von der Überzeugung, geometrische Harmonien in den Umlaufbahnen der Planeten entdecken zu müssen, die ihn die tatsächliche Form von Planetenbahnen und das Verhältnis von Umlaufzeit und Sonnenabstand übersehen ließen. Sein Suchen nach den Harmonien war getragen von einem internen Gebäude von Vermutungen und Hypothesen, für die er keine Bestätigung fand. Er war erst dann erfolgreich, als er seine Vermutungen zu einem Satz von Hypothesen abänderte, die wir als die keplerschen Gesetze kennen.

Der aus der Scheinwerfertheorie abgeleitete Aspekt der erwartungsgetriebenen Kognition definiert das Ziel des kognitiven Apparates darin, den Abstand zwischen momentaner und zu erreichender Leistung zu minimieren. Die Schematheorie liefert auch Anregungen dafür, wie der Lernvorgang in einem kognitiven System aussehen kann, unabhängig von externen Zielvorgaben. Werden Erwartungen in Bestätigungspunkten nicht erfüllt, so kann die betreffende Regel entweder vergessen werden, oder sie wird abgeändert, indem der Bedingungsteil der Regel ersetzt wird (sie somit in einem anderen Kontext gültig wird), oder die Komponenten des Aktionsteiles werden abgeändert.

Die Bezeichnung als Scheinwerfertheorie basiert auf der Unterscheidung Poppers (1979), empirische Forschung auf zwei völlig verschiedene Arten durchzuführen: mit der Kübel- bzw. eben der Scheinwerfertheorie. Auf welche Art Wissenschaftler Daten erheben, ob mit Beobachtung, Experiment oder Befragung, in einem treffen sie auf Probleme allgemeiner Art, die instrumentunabhängig ist. Nach der Scheinwerfertheorie werden anfangs die informationshaltigen Hypothsen gebildet und erst nachher versucht, diese durch empirische Forschung bzw. Experimente auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, d.h., die Realität wird scheinwerferartig untersucht. Popper richtet seine Kritik hauptsächlich gegen die Kübeltheorie, in der empirischen Beobachtungen quasi wie in einem Kübel gesammelt werden, es also bloß um eine Anhäufung und Sammlung von Fakten geht, in der die Hypothesenbildung erst nach der Beobachtung erfolgt und von den Beobachtungsergebnissen abhängt. Karl Popper hat mit seiner Scheinwerfertheorie der Wissenschaft auf die Tatsache hingewiesen, daß nicht nur Laien für Vorurteile anfällig sind, sondern auch jede wissenschaftliche Beschreibung von Tatsachen selektiv ist.: Was der Scheinwerfer sichtbar macht, das hängt ab von seiner Lage, von der Weise, wie wir ihn einstellen, von seiner Intensität, Farbe und natürlich auch von der Entscheidung, was von ihm beleuchtet werden soll.

Psychologische Theorien zur Erklärung des analogen Schließens

Strukturalistische Position
Modell derInformationsverarbeitung
Wissensbasierter Ansatz

Quellen

Luchins, A. S. (1942). Mechanization in Problem Solving. In: Psychological Monographs 54 (S. 248).

Duncker, Karl (1935). Zur Psychologie des produktiven Denkens. Berlin: Springer.

Popper, Karl R. (1979). The Bucket and the Searchlight: Two Theories of Knowledge. In Objective Knowledge: An Evolutionary Approach (rev. ed.). Oxford: Clarendon Press.

Oerter, Rolf & Dreher, Michael (1995): Entwicklung des Problemlösens. In Oerter, Rolf & Montada, Leo (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Weinheim: PVU.
Schütz, Tassilo (2000). Problemlösen und Entscheidungsfindung.
WWW: http://www.informatik.tu-muenchen.de/~schuetz/psycho/paper/paper.htm (01-01-06)
Riegler, Alexander (1999). Können wir das Problem der Echtzeitkognition lösen?
WWW: http://www.zum-thema.st/wissensbank/Riegler1.html (02-05-18)



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